LUXEMBURG/ CORDELIA CHATON

In den vergangenen zwei Wochen erhielt Tonika Hirdman vier Anrufe, die sie besonders freuten. „Es waren Luxemburger, die eine Stiftung gründen wollen“, erklärt die Generaldirektorin der Fondation de Luxembourg. Die 2008 gegründete Institution ist eine Dachstiftung. Sie beherbergt andere Stiftungen unter ihrer Struktur, kann für diese die Verwaltung oder das Anlegen von Geld übernehmen. Oder neue Stifter bei der Gründung einer Stiftung beraten. Das macht Hirdman besonders gern.

„Meist melden sich hier Menschen, die keine Kinder haben, aber etwas hinterlassen wollen. Viele hatten ein gutes Leben und haben ein Bewusstsein dafür. Jetzt wollen sie einen Teil ihres Glücks zurückgeben. Andere möchten auch sehr stark an dem Projekt teilnehmen“, berichtet sie. Was Hirdman besonders freut: „Es kommen immer mehr Luxemburger.“ 47 Prozent der Stifter sind Luxemburger, die anderen vor allem Deutsche, Franzosen und Belgier.

Muss man reich sein, um eine Stiftung zu gründen? „Nein“, winkt Hirdman ab. „Wir haben ein Mindestanlagekapital von 250.000 Euro. Wer in Luxemburg vor 20 Jahren ein Haus gekauft hat, ist schnell bei dieser Summe. Vielen unserer Stifter geht es gut, aber sie sind nicht wirklich reich“, meint Hirdman, die nunmehr 65 Stiftungen unter dem Dach der Fondation de Luxembourg vereint. Sie haben sich verpflichtet, rund 125 Millionen Euro für ihre Zwecke auszugeben und 21 Millionen Euro flossen bislang in konkrete Projekte. Diese können soziale Fragen ebenso betreffen wie den Klimawandel, Erziehung oder Kultur.

Nicht jeder, der auf den Kirchberg in die Erasmus-Straße kommt, weiß schon, was für eine Stiftung er oder sie eigentliche will. „Deshalb stellen wir beim ersten Treffen sehr viele Fragen. Wir wollen herausfinden, was den Leuten wirklich wichtig ist. Wenn der Stifter nicht emotional hinter dem Thema der Stiftung steht, ist das nicht gut“, hat Hirdman gelernt. Sie holt Kollegen hinzu, die ihrerseits viele Kontakte zu Vereinen und Nichtregierungsorganisationen halten. Dann werden Ziele und der Stiftungszweck festgelegt. „Allzu eng sollte das Stiftungsziel nicht sein“, warnt die Generaldirektorin. „Schließlich soll die Stiftung ja auch lange Bestand haben.“ Das berge auch viele Vorteile. „Anders als Regierungen, die den Umgang mit Steuergeldern rechtfertigen müssen, können wir Risiken eingehen und haben keine Auflagen.“ Viele Ideen ergeben sich aus dem Kontakt zu zahlreichen Vereinen und Nichtregierungsorganisationen in Luxemburg. „Wir haben ein spezifisches Online-Tool, auf dem sie konkrete Projekte vorschlagen können, die wir dann wiederum Stiftungswilligen vorschlagen.“

Andere Stifter kommen mit Ideen. „Aber dann fehlt es an Struktur und Wissen darum, wie man so etwas organisiert. Da können wir helfen“, erklärt Hirdman. So sei eines Tages eine Luxemburgerin gekommen, die schon im Senegal aktiv war. „Sie wollte die Sicherheit, dass es auch nach ihrem Tod weitergeht. Wir haben sie mit einer luxemburgischen Nichtregierungs-Organisation zusammengebracht, die sie beim Reporting und der Corporate Governance beraten hat. So kann die Charity professioneller arbeiten“, berichtet Hirdman. Denn die Zeiten, in denen eine Stiftung ein kleiner, verstaubter Verein waren, sind längst vorbei.

Politische Situation beeinflusst Stiftungszweck

Die aktuelle Flüchtlingskrise in Europa hat auch einen Einfluss auf die Stifter. So gründete ein älterer Luxemburger und überzeugter Katholik mit der „Fondation Pax Christi“ eine Stiftung, die Flüchtlinge bei Lebensläufen, der Eingliederung ins Berufsleben und Ähnlichem unterstützt. Aber auch im Ausland sind Stiftungen aus Luxemburg aktiv. Die „Fondation Liberté“ beispielsweise verteilt medizinische Taschen mit dem Notwendigsten in libanesischen Flüchtlingslagern. „Unsere Stiftungen helfen oft in kleinen Nischen, dort haben sie einen großen Einfluss“, betont Hirdman.

Für die überzeugte Philanthropin sind Stiftungen nicht nur wegen ihres Zwecks hilfreich. „Sie bringen auch Menschen zusammen“, versichert sie. Und erinnert sich an einen würdigen Herrn, dessen nach seinen Eltern benannte Fondation Linckels-Voss in Brasilien ein Wohnheim für Studenten mit indigenen Wurzeln finanziert hatte, die häufig bei der Vergabe diskriminiert wurden. Nach der Fertigstellung ließ es sich einer der Studenten nicht nehmen, persönlich aus Brasilien anzureisen, um dem Stifter in voller Einheimischen-Tracht seinen Dank auszusprechen. Das Treffen ist beiden noch bestens in Erinnerung.

www.fdlux.lu

Beispiele für ausgewählte Stiftungen:

Pierre Werner Foundation

Die Stiftung wurde von der Familie des Mannes gegründet, der von 1959 bis 1974 und von 1979 bis 1984 Premierminister von Luxemburg war. Sie existiert schon lang und ist seit 2016 unter dem Dach der Fondation de Luxembourg, die bei der Verwaltung und Anlage des Stiftungsvermögens hilft. Aus dem Stiftungsgeld werden Stipendien für vier Doktoranden finanziert, die von einer unabhängigen Jury ausgesucht werden.

The Loo & Lou Fondation

Loo und Lou, ein Paar aus Paris - sie Künstlerin, er Unternehmer - schuf die Stiftung 2013, um einem jungen Publikum moderne Kunst näherzubringen. In enger Zusammenarbeit mit dem Mudam war die Stiftung der Hauptsponsor für die Ausstellung von Wim Delvoye. Andererseits unterhält sie mit ArtFreak eine Plattform, auf der junge und kreative Künstler entdeckt werden können. Dazu gibt es Workshops, Atelierbesuche und Veranstaltungen für 13- 21-Jährige, aber auch darüber hinaus.

Fondation N. Mackel

Eine luxemburgische Familie, die selbst ein behindertes Kind hat, gründete diese Stiftung 2015 mit dem Ziel, Ferienlager für geistig und körperlich Behinderte gemeinsam mit Tricentenaire zu veranstalten. Stiftungsziel ist die Finanzierung dieser betreuungsaufwendigen Aufenthalte.

Fondation Wivine

Die 2014 gegründete Stiftung basiert auf zwei Säulen: Zum einen finanziert sie Therapiehunde für Alzheimerkranke über die „Assocation Luxembourg Alzheimer“, zum anderen unterstützt sie finanziell die Recherche zu Alzheimer am „Luxembourg Center for Systems Biomedicine“.

Fondation ESPOIR

Die von zwei Luxemburger Männern 2015 gegründete Stiftung setzt sich gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen in Äthiopien ein. Dazu setzt sie zum einen auf Aufklärung und Kampagnen, was sehr im Sinne der dortigen Regierung ist, die bis 2025 diese Methoden beenden will. Zum anderen finanziert die Stiftung Gynäkologen, die vor Ort Frauen operieren. Bislang operierten zwei Gynäkologen 600 Frauen monatlich; jetzt wurden vier weitere eingestellt. Die Stiftung stellt fünf Millionen Euro auf fünf Jahre zur Verfügung. Die Stiftung kooperiert mit Unicef.