LUXEMBURGSVEN WOHL

CD-Kritik: „Road of Emptiness“von Sleepers‘ Guilt

Der Melodic Metal wird gerne als eine Art Einstiegsgenre für Metal beschrieben. Das liegt zumal an den deutlicher wahrnehmbaren Strukturen, die in den einzelnen Stücken zu finden ist als auch an dem oftmals klaren Gesang. Die Luxemburger hinter Sleepers‘ Guilt fordern mit ihrer zweiten Veröffentlichung diese Regeln heraus und schaffen damit auch für Kenner der Gattung Hörenswertes.

Spiel der Stimmen

Nicht nur wird hier teilweise auf einen Sänger gesetzt, der die eben beschriebenen Kriterien erfüllt, sondern der es auch fertig bringt, überzeugend rauen Gesang zu schaffen. In den gelungensten Passagen wechseln sich die beiden Arten, oft mithilfe kleiner Tempovariationen, gegenseitig ab und verstärken damit die Kraft sowie den Rhythmus hinter den einzelnen Songs. Das hilft durchaus über kleinere Schwächen im Songwriting hinweg, wirken einige der Lieder gelegentlich ein wenig eintönig. An der Spieltechnik an und für sich gibt es nichts auszusetzen, auch wenn der Einsatz des Synthesizers je nach Geschmack zu zaghaft geschieht. Einige Songs hätten hier mehr davon gebrauchen können, so kann es vorkommen, dass der breite Gitarreneinsatz einen ermüdet.

Die größte Stärke der EP ist ihre Abwechslung: Sleepers‘ Guilt gelingt es nicht nur problemlos innerhalb der Stücke das Tempo aufzubrechen und zu variieren, sondern auf der Scheibe wird gekonnt zwischen melodischeren und härteren Songs hin und her gewechselt. „One Last Shiver“ ist einer der Tracks, die als Höhepunkt bezeichnet werden können: Eine mitreißende Melodie wird hier nochmals durch einen teils klar gesungenen Text verstärkt und gefestigt. Der Schwung rüber zum härteren Gesang verleiht der Musik zusätzlich Kraft. Der Track eignet sich damit perfekt zum mehrfachen hören und wird einfach nicht alt. Aber auch „Echoes of my Silence“ setzt sich durch seinen punktuellen Keyboard-Einsatz vom Rest der Scheibe ab.

Frühe Akzente

Wer sich schnell von der hier gezeigten Qualität überzeugen möchte, muss nicht lange suchen. Bereits der erste Track zeichnet sich als absoluter Probe-Track aus und könnte eigentlich schon als der Höhepunkt der EP bezeichnet werden, wäre da nicht „One Last Shiver“. Das liegt nicht einmal daran, dass die restlichen der sechs Tracks wesentlich schlechter wären, sondern einfach daran, dass diese beiden Tracks am besten vermitteln, worin die Qualitäten von Sleepers‘ Guilt letztlich liegen.

Unterm Strich ist „Road of Emptiness“ allen Fans des Genre zu empfehlen, Neueinsteiger sollten besagte Tracks erst Probehören, bevor sie zugreifen.


Am 28. September findet die Release Show in der Rockhal statt. Mehr Informationen auf sleepersguilt.com