CLAUDE KARGER

Och nee... Da hatten wir uns schon so auf eine spannende Parteikongress-Saison im Vorwahljahr gefreut. Und dann prescht die „Wort“-Parteikongressexpertin in einem Leitartikel vor und wusste gestern schon zu berichten dass die Opposition Schwarz-Rot Handlungsunfähigkeit und Konzeptlosigkeit vorwerfen wird, während die Mitglieder der arithmetischen Koalition sich ein wenig gegenseitig piesacken werden, um sich anschließend blau, grün und gelb über die Ideenlosigkeit der anderen zu ärgern. „So weit, so gut - und so langweilig“, gähnt die langjährige Beobachterin des wundersamen Politbetriebs. Manchmal gibt es zwar bei diesen Events ein wenig Gerangel um Spitzenposten, ansonsten melden sich immer nur die gleichen Polit-Desperados zu Wort. Die Leitartiklerin stellt sogar die Frage, ob man den ganzen Zauber nicht gleich ganz abschaffen soll. Ob die „Wort“-Politredaktion wenig Lust auf Wochenendarbeit hat? Aber Spaß beiseite. Wir pflichten der Kollegin bei: Eine Wiederbelebung der parteiinternen Streitkultur wäre wichtig. Überhaupt: Wo ist sie geblieben, die Streitkultur im Land, die von keinem geringeren als dem Premier immer wieder gefordert wird. Wann, wenn nicht gerade jetzt, würde sie gebraucht, um neue Wege zu gehen.