JEAN-LUC DE MATTEIS

Die Fälle von psychosozialen Krankheiten wie Burn-out, Stress und Depressionen steigen in Luxemburg. Während die Arbeitgeberseite darin ein privates Problem sieht, ist der OGBL dafür, dass wenigstens Burn-out als Berufskrankheit anerkannt wird.

Die steigenden Prozentzahlen von Krankheitsausfällen durch psychosoziale Krankheiten in den Betrieben zeigen, dass etwas unternommen werden muss. Wir fordern immer noch, dass diese besser anerkannt werden, da es oft einen Zusammenhang gibt zwischen diesen und dem Arbeitsumfeld, damit die Krankheitsfälle besser erfasst werden und es klarere Regeln für die Behandlung gibt. Wenn der Arbeitnehmer bei seiner Arbeit Stress ausgesetzt ist, muss dieser Zustand als Gesundheitsrisiko anerkannt werden. Wir haben unsere Forderungen klargestellt. Derzeit warten wir darauf, dass die Regierung eingreift. Die Politik will handeln, doch die Arbeitgeber zeigen keine reelle Bereitschaft, gegen diese Krankheiten am Arbeitsplatz vorzugehen. Ihr Hauptargument ist, dass psychosoziale Krankheiten dem privaten Bereich zuzuordnen sind. Zudem haben Arbeitsmediziner nicht immer genug Kapazitäten, um die betroffenen Fälle zu prüfen, und außer der STM sind die weiteren arbeitsmedizinischen Abteilungen unter der alleinigen Leitung von Arbeitgeberverbänden ohne Mitspracherecht der Arbeitnehmer. Das ist aber nicht hinnehmbar.

Als es vor einiger Zeit darum ging, mit den Arbeitgebern, Unfallversicherung und ITM eine Charta über sicherere Arbeitsplätze auszuarbeiten, sollte ein Passus über das Wohlbefinden am Arbeitsplatz, auf das Betriebe hinwirken sollten, zu dieser Charta gehören. Diese Fassung allerdings wollte der Arbeitgeberverband nicht unterschreiben. Letztendlich wurde der Passus über ‚bien-être au travail‘ (‚Wohlbefinden am Arbeitsplatz‘) gestrichen. Das verdeutlicht die Einstellung der Arbeitgeber zu diesem Thema. Sicher ist der Arbeitsplatz nicht Ursache jeder Erkrankung, aber ich denke, dass der Arbeitsplatz dabei eine immer größere Rolle spielt. Dieser Tatsache müssen wir Rechnung tragen.

Damit dieses Phänomen von psychosozialen Erkrankungen in der Arbeitswelt wirkungsvoller bekämpft werden kann, wäre ein einziger arbeitsmedizinischer Dienst in Luxemburg vorteilhaft, unter dessen Führung zwischen Sozialpartnern man Pläne gegen diese Erkrankungen ausarbeitet, und konkrete Visionen und Pläne für das Wohlbefinden aller Arbeitnehmer gewährleisten könnte. Sicherheit am Arbeitsplatz ist und bleibt ein Thema. Aber heute spielen auch andere Faktoren eine Rolle und mit Helmpflicht ist es einfach nicht mehr getan. Denn durch vermehrte Arbeitslast, steigende Kundenerwartungen und zunehmende Schichtarbeit nimmt der Stress zu, und damit auch die Erkrankungen der Arbeitnehmer durch die Arbeit.“