LUXEMBURG
DANIEL OLY

Die junge Pianistin Zala Kravos steht vor ihrem nächsten großen Auftritt in den USA

Kleines Gedankenexperiment: Mal angenommen, man wird als Jungtalent am Klavier zu einer internationalen Aufführung eingeladen - und zwar nicht nur zu irgendeiner, sondern direkt zur „Washington International Piano Series“ in die Vereinigten Staaten. Dort soll man dann auch noch ein Solo-Stück aufführen, das eigens für diesen Zweck komponiert wurde. Zu allem Überfluss wird außerdem die Botschafterin Luxemburgs in den USA beim Konzert dabei sein.

Klingt verrückt? Das ist genau das, worauf Zala Kravos Lust hat. Das Konzert findet bereits am 7. März statt. Lampenfieber? „Ich habe das Programm bereits am 2. Februar in der Philharmonie in Luxemburg eingespielt“, meint Kravos lediglich. „Es ist also kein neues Programm… ich bin nervöser, wenn ich etwas Neues in Luxemburg spielen muss.“

Jungtalent mit Erfahrung

Große Worte von einem starken, jungen Talent. Die 2002 in Slowenien geborene Künstlerin spielt Klavier, seit sie fünf Jahre alt ist. Mit sechs Jahren trat sie in das Konservatorium der Stadt Luxemburg ein, um bei Marco Kraus und Jean Muller zu lernen. „Ich begann deshalb sehr früh mit Konzerten und Vorführungen“, meint sie. „Das hilft bestimmt ein wenig mit dem Lampenfieber.“ Und mit der Karriere: 2016 und 2017 erhielt sie ihre Abschlussdiplome - beide Male mit Auszeichnung. Seit 2010 nimmt sie an „Masterclass“-Sitzungen mit weltweit renommierten Pianisten teil.

2009 und 2011 gewann sie mit dieser Ausbildung bereits die Goldmedaille im luxemburgischen Wettbewerb für junge Solisten, 2018 trat die junge Künstlerin über zwanzig Male im Ausland auf und wurde im Dezember als eine der drei Kandidaten für den Preis als „Export Artist of the Year“ durch Music:LX ernannt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie außerdem ihr 2017 - zu diesem Zeitpunkt war Kravos gerade einmal vierzehn - in Deutschland aufgenommenes erstes Solo-Studioalbum unter dem Namen „Zala“. Seit jungen Jahren reist sie zudem rund um die Welt und hat so schon in vierzehn Ländern - darunter den USA und China - gespielt. „Ich liebe es zu reisen“, erklärt sie im Gespräch.

Da kann sie das Konzert in Washington an der „Catholic University of America“- Musikschule kaum schocken. So wird sie für das Konzert auch vom luxemburgischen Kulturministerium gefördert und im Beisein der luxemburgischen Botschafterin in den USA, Sylvie Lucas, vorspielen. Doch allen großen Erwartungen und dem damit zusammen hängenden potenziellen Druck zum Trotz: Zuversichtlich ist sie trotzdem, um die insgesamt knapp einwöchige Reise anzutreten. Das liegt vielleicht auch an der geplanten Komposition. Spielen wird die junge Künstlerin nämlich eine völlig neue Kreation: „Twinkling Dream“. Die Komposition wurde von der luxemburgischen Komponistin Albena Petrovic Vratchanska geschrieben; das ist schon das dritte Mal, dass sie für Kravos schreibt, bereits 2013 („Crystal Dream“) und 2015 („Mystery Dream“) war dies der Fall. Die beiden Stücke wurden in Bratislava und Sofia anlässlich der Musikfestivals „Journées Mondiales de la Nouvelle Musique“ und „Piano Extravaganza“ vorgestellt. „Diese Stücke wurden speziell für mich geschrieben, um mir unter anderem auch das präparierte Klavier ins Repertoire zu bringen“, weiß Kravos. „Aber auch, um mir moderne Musik näher zu bringen. Es bietet spezielle Töne, spezielle Klänge, spezielle Partituren“. Das neue Werk soll die Trilogie nun vervollständigen. Welche Kompositionen mag sie selbst besonders gern? „Das ist sehr schwer festzulegen; ich mag sehr viele unterschiedliche Stilrichtungen und Gattungen“, erklärt sie. Immerhin: „Ich denke, die Romantik liegt mir sehr nah. Diese Periode ist sehr prägend, weil viele große Komponisten dieser Zeit auch selbst Klaviervirtuosen waren und sich deshalb die Klaviermusik sehr stark entwickeln konnte“, meint Kravos weiter. „Mir ist es aber wichtig, dass ich viele verschiedene Stile spielen kann.“ Kravos spielte zudem jüngst nicht nur an der Philharmonie in Luxemburg, sondern auch am DAM Festival in Pristina im Kosovo. Zudem sind weitere Aufführungen für 2019 geplant, unter anderem gemeinsam mit dem luxemburgischen Kammermusiker und Violinisten Benjamin Kruithof in München, auf einer China-Tour sowie am Mosel-Musikfestival.


Mehr Informationen über die geplanten Aufführungen

unter zalakravos.eu/schedule