LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Tëschegas verabschieden sich mit einem Single-Nachzügler von der Industrie-Thematik

Gas müssen die fünf Musiker der Band Tëschegas allemal geben, um sich aus dem überdimensionalen Schatten eines Serge Tonnar zu spielen. Zu sehr hat sich der Sänger-Komponist in den vergangenen Jahren als erste Adresse des intelligenten Songwriting in luxemburgischer Sprache etabliert. Tëschegas ihrerseits stecken noch in den Kinderschuhen der Karriere; die Band hat gerade mal vor gut vier Monaten ihr Debütalbum „Industrielle Läichendéngsch“ veröffentlicht.

Nun bringt das Quintett aus dem Süden des Landes am kommenden Montag eine Single ins digitale Verkaufsregal, die kurioserweise eben jenen Albumtitel trägt. Tëschegas-Mitglied Krëscht Morang hat auf Anhieb eine Erklärung für die „verspätete“ Veröffentlichung parat.

„Als wir das gesamte Album Ende 2011 eingespielt haben, war der Titel „Industrielle Läichendénscht“ noch nicht fertig, keineswegs ausgereift.“ Obwohl die Jungs ihre Scheibe bereits 2011 im Kasten hatten, landete diese erst Ende letzten Jahres in den Plattenregalen. So mag die Entscheidung, den Titeltrack des Albums am kommenden Montag, rund vier Monate nach dem Album, zu veröffentlichen, bei manchem für Stirnrunzeln gesorgt haben.

Abrechnung mit der Personalpolitik multinationaler Stahlkonzerne

In „Industrielle Läichendéngscht“ rechnet die Band mit der Personalpolitik großer multinationaler Stahlkonzerne ab; geschrieben hat die Band den Titel vor dem Hintergrund der Schließung zahlreicher Stahlwerke des Arcelor-Mittal-Konzerns. Die Band schiebt den Song jetzt nach, um eine Schaffensphase definitiv abzuschließen: Langsam aber sicher nehmen die fünf thematisch von der Industriegeschichte Luxemburgs Abschied. Ein Thema, dem auf dem Album ziemlich viel Laufzeit eingeräumt wurde. „Industrielle Läichendéngscht“ sei der letzte Titel, so Morang, mit dem die Band die Industrie-Schiene fährt. Feedback von jüngeren Fans, die die luxemburgische Stahlvergangenheit nur aus den Geschichtsbüchern kennen, erhalten die Musiker nahezu gar keins. „Reaktionen bekommen wir lediglich von Hörern, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und d sich mit der luxemburgischen Geschichte auseinander setzen. Die Jüngern finden es ab er cool, dass wir den ‚Minett‘ in unseren Liedern thematisieren.“ Tëschegas werden sich somit mit „Industrielle Läichendénscht“ von der Stahlindustrie verabschieden; „In Zukunft schreiben wir trotz allem weiterhin Texte, die vom Leben im Süden des Landes handeln“, erklärt Morang.
Die Single „Industrielle Läichendéngscht“ ist ab dem 28. Januar als Download
bei iTunes erhältlich