DARMSTADTCHRISTIAN SPIELMANN

Welturaufführung des Musicals „Timm Thaler“ in Darmstadt am Samstagabend

1962 erschien der Roman „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss. Die Geschichte wurde 1979 in eine 13-teilige Fernsehserie verwandelt. 1981 folgte ein russischer Spielfilm und 2002 eine Animations-Serie. Im Staatstheater Darmstadt war am vorgestrigen Samstag die Weltpremiere einer Musical-Fassung der Geschichte, mit Musik von Xavier Naidoo und Michael Herberger sowie einem Buch von Markus Heitz. Der auch in Luxemburg bekannte Regisseur Stanislav Moša (u. a. „Les Misérables“ in Wiltz) führt Regie.

Das verkaufte Lachen

Mit seinem Vater (Karl Grunewald) besucht Timm Thaler (Timo Verse) oft die „Schwarze Nelke“, eine Mischung aus Casino und Wettbüro. Der Junge lwie auch seine Schulfreundin Marie (Michèle Fichtner) lieben Wetten. Wenn Tim gewinnt, kann er herzhaft lachen, was den Casino-Besitzer Baron Louis Lefuet (Franz Nagler) neidisch macht. Timms Vater kommt bei einem Unfall ums Leben, und seine Stiefmutter (Bettina Meske) versinkt im hinterlassenen Schuldenberg. Als Timm das Wettbüro erneut besucht, machen ihm Lefuet (rückwärts: „Teufel“) und seine Assistentin Lilith (Elisabeth Sikora) ein Angebot: Er wird fortan alle seine Wetten gewinnen, wenn er dem Baron sein Lachen verkauft. Timm unterzeichnet den Kontrakt, wird reich, während Lefuet noch mächtiger wird. Schnell merkt Thaler, dass sein Lachen ein wichtiger Bestandteil seiner Menschlichkeit ist. Er bekommt unerwartet Hilfe von Alexander (Alexander di Capri), der einst sein Augenlicht an den Baron verkaufte, es aber wiedererlangte. Lefuet hat dessen Frau Saskia in Lilith verwandelt. Jetzt gilt es den Baron auszutricksen, damit Timm sein Lachen zurück bekommt.

Imposantes Bühnenbild

Das Musical spielt sich in einem imposanten Bühnenbild von Christoph Weyers ab („Tell“, „Die Päpstin“), das aus riesigen Metall-Bauteilen zusammen geschraubt scheint - eine echte Glanzleistung! Im ersten Akt dominiert ein überdimensionaler Roulettekessel im Hintergrund. An den Seiten hängen Fernsehschirme, auf denen u. a. Pferderennen übertragen werden. Im zweiten Akt taucht aus dem Bühnenhintergrund eine gigantische Metall-Konstruktion auf, mit, auf einer Seite der Eingang zum Hotel „Mesopotamien“, das dem Baron gehört, und auf der anderen ein Fotostudio, ein Büroraum sowie ein Zimmer.

Kein typischer Naidoo-Sound

Sänger und Komponist Xavier Naidoo hat zusammen mit Michael Herberger eine Reihe Titel komponiert, die nicht das typischer Klanggewand der „Söhne Mannheims“-Songs tragen, eine Band, der beide angehören. Mal werden leise Töne angeschlagen, wie in den Duetten zwischen Timm und Marie „Jetzt bin ich hier“ und „Ich geb‘ dich nicht auf“, mal rockigere wie in „Hoch auf die Spieler“. Insgesamt passen sie sich der Geschichte gut an.

Mehr als überzeugende Schauspieler

Timo Verse meisterte problemlos seinen Gesang, wie auch die einzelnen Wandlungen des der Wettsucht verfallenen Timms. Franz Nagler als hämischer und teuflischer Baron war ein Genuss fürs Auge und konnte mit seiner aparten Stimme auch den Ohren gefallen. Eine großartige Elisabeth Sikora war stets in Bewegung, verlieh Lilith mit einer ätzenden Stimme etwas Außergewöhnliches und sang ganz normal die Saskia. Michèle Fichtner überzeugte speziell durch ihre schöne Stimme, wie auch durch ihre schauspielerischen Qualitäten. Insgesamt kann „Timm Thaler“ in dieser Mischung als Musical überzeugen.
Informationen und Tickets: www.staatstheater-darmstadt.de.