LUXEMBURG
MADY LUTGEN

Benoît Krier fängt in dieser Woche als Lehrer an

Es hat Jahre gedauert. Benoît Krier hat sich gequält, gefragt, ob es der richtige Weg ist, die Studienrichtung gewechselt. Nun kommt er große Augenblick. In diesem Jahr wird der 31-Jährige zum ersten Mal als Lehrer vor einer Klasse stehen.

Wei kamst du auf die Idee, Lehrer zu werden?

Benoît Krier Eigentlich wollte ich früher Tierarzt werden, wie viele Kinder. Nach und nach, durch Nachhilfestunden die ich hielt, gefiel es mir immer mehr, mit Kindern zu arbeiten. Ich muss zugeben, dass der Lehrerberuf bei uns in der Familie schon fast eine Tradition ist: mein Vater war Lehrer, meine Schwester ist Lehrerin.

Was fasziniert dich an dem Beruf?

Krier Lehrer zu sein, ist ein Beruf, der einen nicht loslässt. Denn man geht nicht nach der Arbeit nach Hause und schaltet ab, sondern versucht Lösungen zu finden. Genau dieser Punkte, gekoppelt mit der vielleicht naiven Ansicht, durch seinen Beruf den Kindern weiterhelfen zu können, finde ich interessant. Der Beruf Lehrer bringt jeden Tag neue schöne Momente, aber auch Probleme mit sich. Es wird nie langweilig!

Wie sah dein erster Tag als Lehrer aus?

Krier Hier muss ich zwei verschiedene Momente beschreiben: Mein erster Tag als „Chargé de cours“, wo man nicht der „Haupt“-Lehrer vor der Klasse steht und somit weniger Druck hat. Und dann der Tag als „Régent". Der erste Tag ist aber immer etwas Besonderes für die Kinder und den Lehrer. Ihn muss ich besonders vorbereiten, um mich ein wenig hinter dem Material verschanzen zu können und so eine gewisse Sicherheit zu bekommen. Der erste Tag ist also ein beidseitiges Abtasten und kennenlernen.

Dieses Jahr habe ich den „Concours en rang utile“ geschafft und habe den „Régime préparatoire“ als neue Herausforderung gewählt. Mein erster Tag im „Lycée Technique de Lallange“ lief fast genau so ab, wie mein erster Tag in der Grundschule, da ich „Régent“ einer „7e STL“ bin. Die Schüler und ich waren nervös. Nach und nach schmolz das Eis. Es gibt Rituale am Anfang des Jahres, die es dem Lehrer erleichtern die Schüler kennen zu lernen. Wir gehen zum Beispiel zusammen durch die Schule.

Warst du aufgeregt vor dem großen Tag?

Krier Natürlich war ich nervös am ersten Tag. Ein Lehrer sollte immer ein bisschen nervös sein. Sich zu sicher zu sein, sich nicht in Frage zu stellen, stellt meiner Meinung nach eine große Gefahr für guten Unterricht dar. Aber es gibt eine gesunde Nervosität. Sie erlaubt einem, sich gut vorzubereiten, zu überlegen was man vergessen oder übersehen hat.

Worin liegt die Schwierigkeit des Berufes?

Krier Die Schwierigkeit des Berufes liegt auf verschieden Ebenen. Die Diskrepanz zwischen dem Schulsystem und der familiären Realität ist so eine Ebene. Anders ausgedrückt, im luxemburgischen Schulsystem sind manchmal noch jene Kinder bevorzugt, welche zu Hause den nötigen familiären Rückhalt und Hilfe bekommen. Oft ist aber die Realität eine andere. Nicht, dass die Eltern den Kindern nicht helfen wollen - aber oft können sie es nicht. Das hat viele Gründe - etwa, wennbeide Eltern arbeiten oder der Sprache nicht mächtig. Ganztagschulen sind da meiner Meinung nach eine gute Lösung. Es ist als Lehrer sehr frustrierend, Schüler zu unterrichten, die durch das System benachteiligt sind.

Eine große Schwierigkeit ist auch der schlechte Ruf des Berufes und die Respektlosigkeit mancher Schüler und Eltern. Wie oft muss man sich anhören, ein Lehrer arbeite nur 26 Stunden und habe sehr viele Ferien. Die Realität sieht anders aus: Ein Lehrer arbeitet vielleicht nur 26 Stunden im Klassenraum. Aber dazu kommen noch Gespräche mit seinen Arbeitspartnern, Inspektor, Eltern und besonders die und die Vorbereitung des Unterrichts. Viele meiner Kollegen kommen nicht vor Mitternacht ins Bett. Da muss man lernen, nicht zu reagieren und seine Arbeit - die man ja gerne macht - einfach weiter zu erledigen. Ein anderes Problem sind die großen Leistungs-Unterschiede in einer Klasse. Oft muss ein Lehrer einer Klasse von 18 Schülern nicht weniger als fünf bis acht verschiedene Schwierigkeitsgrade von Übungen vorbereiten, damit die Klasse funktionieren kann. Dadurch wird natürlich eine objektive, schülerorientierte Bewertung der Kompetenzen sehr zeitaufwendig.

Ist der Beruf so, wie du ihn Dir vorgestellt hast?

Krier Als Lehrer mit den Kindern zu arbeiten ist besser als ich es mir vorgestellt habe. Jedoch ist der administrative Teil sehr zeitaufwendig und nimmt einem manchmal die Lust an der Arbeit. Gott sei Dank gibt es dann wieder die schönen Momente mit den Kindern in der Klasse. Wenn dann ein Kind lacht, ist das ein toller Moment. In solchen Augenblicken weiß ich, warum ich Lehrer geworden bin.