LUXEMBURGCORDELIA CHATON

Der polnische Anbieter von Paket-Abholboxen hat den Nerv der Zeit getroffen

Der polnische Anbieter Inpost stellt große Abholkästen her, die er an Postdienstleister weltweit verkauft. Die können dort Post und Pakete für ihre Kunden einfüllen, die sie zu einem beliebigen Zeitpunkt abholen. Das Geschäft boomt. Derzeit verhandelt er mit der luxemburgischen Post.

Herr Markiewicz, was machen Sie?

Rafael Markiewicz Wir stellen Boxen von 4 x2x0,5 Metern für Postdienstleister auf der ganzen Welt bereit. Der Kunde wird per SMS oder Mail informiert und kann seine Post oder Ware mit einem Code abholen. In Luxemburg haben wir seit kurzem ein Büro. Die Post hier in Luxemburg hat unsere Boxen noch nicht, aber wir sind in ständigem Kontakt. Die Post hat Probleme mit der Akzeptanz, sie arbeiten noch mit anderen Modellen.

Warum sollte ein Postdienstleister Ihre Boxen anschaffen?

Markiewicz Wir sind vier Mal billiger und viel flexibler. Im Jahr 2005 waren wir noch ein kleines Unternehmen mit einer Unterabteilung Postdienste. Wir haben am polnischen Markt unheimlich eingeschlagen. Im November ging 30 Prozent des Postdienstes in Polen über uns und die Preise sanken um die Hälfte. Die Post musste wettbewerbsfähig werden. Damit sanken auch die Preise. Der polnische Postmarkt hat sich im Volumen und im Preis stark verändert. Aber es ist ein Markt mit eingeschränkten Möglichkeiten. Unsere 1.200 Maschinen in Polen sind stark frequentiert, vor allem weil sie abends zugänglich sind. Im Durchschnitt werden 70 Prozent des Inhalt einer Packbox an einem Tag geleert. Manche Boxen werden bis zu sechs Mal täglich gefüllt. 29,7 Prozent aller Pakete werden am Wochenende abgeholt; meistens abends.

Sind Sie im Ausland auch so erfolgreich?

Markiewicz Wir sind auch in Estland stark, dort kooperieren wir mit der nationalen Post. Auch in vielen anderen Ländern wie in Russland, Großbritannien, Island oder Chile stehen unsere Abholboxen. Die luxemburgische Post hat ein großes Potential, aber sie nutzt es nicht. Das ist in fast jedem europäischen Land so. Ich glaube, das hängt mit den hierarchischen Entscheidungen zusammen. Für alles, was komplexer ist, gibt es Ausschreibungen. Die nationalen Postdienste können unsere Boxen kaufen. Aber es ist oft eine Frage, wie eine Ausschreibung aussieht. Oft wird ein zusätzliches Marketing gefordert, die Kunden brauchen SMS und solche Dienste. Aber viele Postdienste sind da nicht so flexibel. Das ist bei Ebay oder Samsung ganz anders. Die wollen vor allem Wertschöpfung und Schnelligkeit.

Was bieten Sie an?

Markiewicz Wir haben viele Möglichkeiten vorgeschlagen. Das erfolgreichste wäre eine Kooperation. Wir haben Erfahrung im Aufstellen von Boxen und in ihrer Anpassung. Die Post wiederum hat ein großes Volumen. Wir denken, dass beide Seiten davon profitieren können. Jetzt laufen seit Monaten Analysen, aber noch ist keine Entscheidung gefallen.

Welche Bezahlmodelle haben sich bewährt?

Markiewicz Wir arbeiten mit United Payment in Großbritannien zusammen. Aber nicht alle Märkte sind so wie England. Dort hat sich die Vorab-Bezahlung schon durchgesetzt. In Polen wird in 30 Prozent der Fälle bar bei Abholung bezahlt. Je weiter man nach Osten geht, desto höher ist dieser Satz, er erreicht fast 99 Prozent. Das liegt am mangelnden Vertrauen in die Lieferung der Ware. Für Händler ist das einfacher mit Vorabzahlung als mit Nachnahme. Klassische Bezahlsysteme mit Kreditkarte finde ich nicht sehr innovativ. Aber das macht in jedem Land noch 20 bis 30 Prozent der Bezahlung aus. Dann gibt es viele lokale Lösungen. In Deutschland Direktbezahlung, in Schweden Klarna, ein Nachnahmeservice. Wenn Schuhe nicht passen, zahlt der Kunde eben nicht, die gehen gleich zurück. Das heizt den Internethandel an. Aber in Schweden geht das, weil es einen offenen Zugang zu Daten wie Steuerauszügen, Bonitätsdaten und Autokennzeichen gibt. Das Unternehmen prüft also den Kunden vor Versenden. Das könnte sich in anderen Ländern auch durchsetzen. Es wird dann eine Art Kundenbewertung für ihre Vertrauenswürdigkeit geben.

Denken Sie auch über biometrische Bezahlung nach?

Markiewicz Ja, wenn man die Adresse, die Mail und die Bankdaten kennt, kann man Fingerabdrücke nutzen. Oder die Stimme. Die ist genau so einzigartig und wiedererkennbar wie die Fingerabdrücke. Wir denken, dass wir in 18 Monaten mit einem solchen System auf den Markt gehen. Das bieten wir dann an, wenn wir eine ausreichende Kundenhistorie haben; also mindestens zwei Jahre. Das können wir auch anderen Vertreibern anbieten. Warum sollten Sie nicht Ihre Eiscreme mit Ihrer Stimme bezahlen? Jetzt suchen wir noch Kontakt zu einem Unternehmen aus dem Bereich electronic payment. Aber wir haben noch mehr vor. Beispielsweise mit Wäsche.

Was wollen Sie mit Wäsche machen?

Markiewicz Wir denken, unsere Abholautomaten für Päckchen und Post ließen sich auch anders nutzen. Beispielsweise gibt man seine Wäsche hinein - und holt sie nach einem Tag wieder ab. Das testen wir gerade in einer Pilotphase. Wenn wir sicher sind, gehen wir auch auf andere Märkte. Außerdem testen wir gerade ein Joint Venture mit einem Billigflieger für den Transport von Päckchen.