HEDWIG MARIA DINGLER

Für uns sind Toiletten selbstverständlich, aber in vielen Entwicklungsländern mangelt es daran. Rund eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu Toiletten.

„Die Defäkation im Freien, das sich Erleichtern hinter dem Haus, auf Feldern oder an Straßen, bedeutet ein großes Umwelt- und Gesundheitsproblem: Allein im Jahr 2013 starben pro Tag 1.000 Kinder an der Durchfallerkrankung Diarrhö. Kein Zugang zu Toiletten wirkt sich nicht nur schlecht auf die Gesundheit aus, sondern beeinflusst auch Frauenbildung und Chancengleichheit negativ. So besuchen in einigen Ländern Afrikas Jungen und Mädchen die Grundschulen noch zu gleichen Teilen, ab dem Pubertätsalter sind nur noch ein Viertel der Schüler Mädchen. Grund ist die Unterversorgung bei der Monatshygiene, die Mädchen bleiben daher während ihrer Periode zwei, drei Tage daheim, aber auch an der Arbeit fallen deswegen Frauen aus.

Wenn man will, dass Mädchen in die Schule und Frauen zur Arbeit gehen, muss es ausreichend nahe und sichere Toiletten geben. Denn bei ihnen kommt noch die Gefahr einer Vergewaltigung dazu, der sie bei langen Wegen ausgesetzt sein können. Auf dem Land werden die Äcker als offene Toiletten benutzt, in großen Slums aber wissen die Leute auch nicht wohin mit ihren Exkrementen und werfen sie in einer Plastiktüte an die Ufer von Flüssen und Seen. So kommen die Ausscheidungen ins Wasser, und verbreiten sich in Flüssen und Seen, aus denen die Menschen wieder Trinkwasser holen. Das ist ein unendlicher Kreislauf, der die Verbreitung von Cholera und anderen Krankheiten fördert.

Wir haben Projekte in Äthiopien, bei denen in der Schule Regenwasser gesammelt wird und die Kinder für einfache Hygiene wie Händewaschen sensibilisiert werden. Dazu gehört der Bau von einfachen und sicheren Latrinenhäuschen. Außerhalb von Schulen haben wir oft das Problem, dass die Latrinenhäuschen am Ende nur wenig benutzt werden. Daher setzen wir auf Schulprojekte. Äthiopien will die offene Defäkation zwar auf Null bringen, allerdings müssen die Leute ihre Latrine selbst bauen. Und Bau und Unterhalt kosten zunächst, bevor dadurch medizinische Behandlungen von Durchfallerkrankungen wegfallen. Schätzungsweise werden durch einen, für Toiletten ausgegebenen US-Dollar im Gesundheitswesen vier US-Dollar eingespart.

Generell kann man Abwasser- und Wasserkreislauf nicht voneinander trennen, auch bei uns nicht. Unser Abwassersystem ist eines der nicht-nachhaltigsten der Welt, denn die Vermischung aller Wasser bedeutet enorme Kosten. Wir verwenden unser kostbarstes Gut, Trinkwasser, um die Toiletten zu spülen. Dann vermischt sich das Ganze mit Regenwasser, das wiederum völlig für Klospülung und Wäschewaschen ausreichen würde, und Industriewassern. Unsere Kläranlagen sind überlastet, denn diese Mischung wieder sauber zu bekommen, ist extrem aufwendig. Inzwischen gibt es Neubaugebiete, in denen der Abgang aus den Toiletten direkt in die Biogasanlage geht, das ist ein sinnvoller Ansatz. Zur Umsetzung der ‚Sustainable developpement goals‘ (SDG), Ziel 6 ‚Clean Water and sanitation‘, ist auch der Beitrag in Luxemburg wichtig.“