LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Eine Idee, die weniger verrückt ist, als sie im ersten Moment klingt

Urbane Seilbahnen - ein Begriff, der bisher in Luxemburg noch ziemlich unbekannt ist, das könnte sich aber mit dem gestern von Georges Feltz, ehemaliger Leiter des hauptstädtischen Omnibusbetriebs, und Mathias Föhr, Versicherungsmathematiker, vorgestellten Konzept einer innerstädtischen Seilbahn ändern. Sicher, es gab schon frühere Ideen für Seilbahnen über die Täler der Stadt, das waren jedoch touristische Spielereien. Bei „Seelbunn.lu“ geht es aber um eine Seilbahn als öffentliches Nahverkehrsmittel, als Teil des ÖPNV. Urbane Seilbahnen sind in Europa noch wenig verbreitet, gehören aber in den großen Städten anderer Kontinente, von Rio bis New York, zu den „normalen“ Verkehrsmitteln - die neueste wird gerade in Ankara gebaut.

Vorbild Koblenz

Technisches Vorbild für die Idee einer Seilbahn von Luxemburger Hauptbahnhof auf das Kirchberger Plateau ist eine Bahn ganz in der Nähe. Im rheinischen Koblenz hat man vor einigen Jahren eine Seilbahn errichtet, die vom linken Rheinufer hinauf zur rechtsrheinischen Festung Ehrenbreitstein führt - ursprünglich nur für die Bundesgartenschau und eine Dauer von drei Jahren. Doch dann hat man festgestellt, dass die Seilbahn über den Rhein das perfekte öffentliche Transportmittel ist, um die rechtsrheinischen Höhenstadtteile mit dem linksrheinischen Stadtzentrum zu verbinden. Also bleibt die Seilbahn bis zum Auslaufen ihrer technischen Genehmigung bestehen. Noch eines hat das Koblenzer „Vorbild“ gezeigt, so Georges Feltz, eine Seilbahn ist außerordentlich kostengünstig. Die Bahn zum Ehrenbreitstein hat sich schon nach den ersten drei Jahren amortisiert.

Wie soll die Sache in Luxemburg aussehen? Nach Vorstellung der beiden Initiatoren sollen die Pendler mit Fahrtziel Kirchberg am Hauptbahnhof in eine Gondel wechseln und dann über eine Strecke von etwas mehr als 2.000 Metern zum Kirchberg transportiert werden, die dortige Kopfstation könnte neben dem Hémicycle liegen. Von dort aus würden Busse die Feinverteilung übernehmen. Bei 50 Kabinen mit einer Kapazität von 35 Personen könnten so rund 5.000 Passagiere pro Stunde in beide Richtungen transportiert werden. Die Fahrtzeit beträgt acht Minuten und würde die Tram, die über vier Kilometer bis zum Kirchberg zurücklegen muss, deutlich schlagen.

Schnell und preiswert

Eine Seilbahn könnte nicht nur die Tram ersetzen oder ergänzen, sie könnte auch eine zeitliche befristete Lösung sein, um den innerstädtischen Verkehr während des Trambahnbaus zu entlasten. Neben den beiden Kopfstationen müssen für die „Seelbunn“ nur fünf Stützmasten errichtet werden. Die Bauzeit soll bei maximal 24 Monaten liegen, die von Georges Feltz errechneten Kosten würden etwa 45 Mio. Euro betragen und damit etwas mehr als zehn Prozent des vorliegenden Tramprojektes ausmachen. Hinzu kommen geringe Unterhaltskosten. Da die Doppelseilbahn mit Zugseil nur zwei Antriebsmotoren braucht, würde eine Mannschaft von etwa 25 Mitarbeitern ausreichen, um die Bahn in zwei Schichten von 6.00 bis 22.00 Uhr zu betreiben. Neben dem Aspekt des Elektroantriebs und der geräuschlosen Fahrt käme noch die Sicherheit hinzu, Seilbahnen gelten gemeinhin als das sicherste Verkehrsmittel der Welt.

Vor allem, so Mathias Föhr, würde die „urbane Seilbahn“ die Innovationsfähigkeit Luxemburgs unter Beweis stellen.
www.seelbunn.lu