LUXEMBURG
MARCO MENG

Auslagerung weiterer Cargolux-Maschinen erschwert Verhandlungen mit Personalvertretern

Es muss bezweifelt werden, ob das Vorgehen der Cargolux-Direktion im langfristigen Interesse Luxemburgs ist“, meinte gestern LCGB-Gewerkschaftssekretär Aloyse Kapweiler. „Cargolux will outsourcen“, so Kapweiler weiter, und die Vorgehensweise zeige, dass Outsourcing nun zur festen Strategie des Unternehmens gehöre.

Obwohl LCGB und die Pilotenvereinigung ALPL konstruktive Vorschläge zur Kostensenkung unterbreitet hätten, wolle das Management der Luftfrachtgesellschaft weiterhin „an seinen unverantwortlichen Outsourcing-Plänen festhalten“, kritisieren die beiden Gewerkschaften.

Bis zum Ende des Jahres erhält Cargolux Luxemburg drei neue Boeing-Maschinen und lagert dafür drei alte Modelle an die Tochtergesellschaft in Italien aus. Auch weil die Flugzeuge dann mit italienischer Crew von Luxemburg aus fliegen, sehen LCGB und ALPL darin eine „Unterwanderung des Luxemburger Sozialsystems und eine Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Luxemburg“. So gingen dem Staat Einkünfte durch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von etwa fünf Millionen Dollar im Jahr verloren. Cargolux-Chef Dirk Reich betont hingegen, dass dadurch, dass die drei zusätzlichen Cargolux Italia-Flugzeuge ab Luxemburg eingesetzt würden, hier direkt und indirekt bis zu dreihundert neue Arbeitsplätze entstünden.

Zweifel am Modell Cargolux Italia

Dirk Becker, Generalsekretär der Association luxembourgeoise des pilotes de ligne (ALPL), sieht in Cargolux Italia somit ein reines Druckmittel. Die Gewerkschaften hatten ein Rechtsgutachten der auf internationales Luftrecht spezialisierten österreichischen Anwaltskanzlei Janezic & Schmidt machen lassen, wonach „die Notwendigkeit einer separaten Airline, um von Mailand nach Fernostasien zu fliegen, bereits zum Zeitpunkt der Gründung der Cargolux Italia nicht mehr erforderlich war.“ Die Cargolux-Direktion betont hingegen, dass Cargolux Italia für die defizitären Strecken nach Afrika und Lateinamerika eingesetzt würde. Dass die italienische Tochter defizitär ist, führen auch die Gewerkschaften ins Feld und verweisen auf 20 Millionen Verlust, die die Airline seit ihrer Gründung eingeflogen habe, und es sei unwahrscheinlich, dass Cargolux Italia jemals Profite erziele werde, darum sei die Auslagerung von Maschinen dorthin nicht nachzuvollziehen.

Kapweiler: „Wir sind nicht gegen Wachstum im Ausland, doch die Direktion verweigere die Verhandlungen darüber.“

Die Gewerkschaften wollen jegliches Outsourcing im Kollektivvertrag festschreiben. Dazu Reich: „Das Cargolux-Management entscheidet, wo wir wie viele Flugzeuge einsetzen, nicht die Gewerkschaften“. Auch die Vertreter im Comité Mixte von Cargolux haben zu der weiteren Delokalisierung der Flugzeuge ein negatives Avis eingereicht.

Gestiegene Schuldenlast

ALPL-Generalsekretär Becker verweist darauf, dass Cargolux seit 2010 operationell ein positives Ergebnis erwirtschafte, nur der Kauf von 14 neuen Maschinen und die Kartellstrafen aus vergangenen Jahren würden das Ergebnis belasten, wofür nun das Personal aufkommen müsse. Im Rahmen der Verhandlungen zum neuen Kollektivvertrag haben sich die Gewerkschaften eigenen Angaben nach bereiterklärt, Einsparungen bei den Piloten von 12 Millionen Dollar zu realisieren. Man sei zum Beispiel bereit, die Blockstunden der Piloten von 500 auf 600 zu erhöhen, was eine Produktivitätssteigerung um 20 Prozent bedeute. Die drei Flugzeuge bei Cargolux Luxemburg zu belassen, sei dann kostenneutral möglich. Becker: „Die Lösungsmöglichkeiten liegen auf dem Tisch“. Laut Cargolux-Chef Reich sei aber statt Kostenersparnis nur ein Mitarbeiterdarlehen angeboten worden. Die Vorschläge brächten darum keine wirkliche Kostenreduzierung. Die aber braucht Cargolux, da für die neuen Maschinen in den kommenden sechs Jahren Zahlungen von zwei Milliarden Dollar fällig werden. Ohne die Kapitalerhöhung letztes Jahr wäre die Airline schon tot, so Reich.

Der Verschuldungsgrad ist gegenüber dem Eigenkapital laut letztem Geschäftsbericht von 289 Prozent im Jahr 2012 auf 325 Prozent im Jahr 2013 gestiegen.

Direktion zeigt sich gesprächsbereit

Reich erklärt, man müsse die Kostenstruktur am globalen Luftfahrtmarkt ausrichten. Er betont, dass die Direktion die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Gesellschaft steigern und damit den Standort Luxemburg stärken möchte. Es gehe um lediglich drei Fragen: Neue Piloten sollen in Luxemburg mit einem niedrigeren Anfangsgehalt starten. Zudem soll in Luxemburg die Zahl der Bereitschaftstage des Flugpersonals (Luxemburg: 186, Italien 236) steigen, um besser planen zu können. Cargolux beschäftigt in Luxemburg 460 Piloten für 20 Flugzeuge, also 23 pro Maschine, während Italien durch die höheren Duty Hours mit 21 Piloten pro Maschine auskommt, zudem sind italienische Crews um ein Drittel günstiger.

Dritte Forderung der Cargolux-Leitung ist, die bisherige Gehaltssteigerung bei der Beförderung zum Captain, die heute 50 Prozent betrage und viel zu hoch sein, auf das marktübliche Niveau zu reduzieren. Bei der Diskussion über diese drei Punkte, so Reich, könne man sich auch vorstellen, eine Höchstzahl an Flugzeugen, die an Cargolux Italia überführt werden, im Kollektivvertrag festzuschreiben.

Die Nutzung von Italien als Sparmodell ist für Kapweiler jedenfalls eine Milchmädchenrechnung, und die Gewerkschaften fordern ein Ende des Outsourcing und keine weiteren Maschinen zu Cargolux Italia auszulagern. Finde man zu keiner Lösung, seien gewerkschaftliche Aktionen nicht ausgeschlossen. Astrid Mosel, Personaldelegierte bei Cargolux, bekräftigt: „Auch das Bodenpersonal steht hinter den Piloten“. Sie unterstreicht, dass das Personal bei den Kollektivvertragsverhandlungen keine finanziellen Forderungen gestellt habe, was ja bei Tarifvertragsverhandlungen ansonsten üblich sei.

Ähnlich wie die Gewerkschaften wirft umgekehrt auch die Cargolux-Direktion der Gegenseite eine Blockadehaltung vor. Laut Reich habe Cargolux keine andere Option als Kostenreduzierungen durch Cargolux Italia zu erreichen, solange sich der LCGB einer Diskussion über die drei genannten Forderungen verweigere. Er zeigt sich indes optimistisch, dass das laufende Schlichtungsverfahren die Parteien wieder einander näher bringt. „Wir sind zu einem Kompromiss bereit“, so der Cargolux-Chef.