LUXEMBURGJAN SÖFJER

Ronja von Rönne und Julia Tissier im Institut Pierre Werner über die Generation Y

Ronja von Rönne ist nach Luxemburg gekommen, um über die Generation Y zu diskutieren, doch als sie Mittwochabend auf dem Podium im Institut Pierre Werner sitzt, sagt sie: „Eigentlich finde ich Generationenfragen auch nur so mittelinteressant.“ Es ist ein typischer Rönne-Satz von der 24-Jährigen, die ein ganzes Buch als „Entschuldigung für schöne Nebensätze geschrieben hat“.

Das Buch, das kürzlich erschienen ist, war auch ein Grund an diesem Abend mit der französischen Journalistin und Generation Y-Expertin Julia Tissier zusammenzukommen, denn das Erstlingswerk von Rönne wird auch als ein Buch über besagte Generation gehandelt. Bloß: Rönne findet überhaupt nicht, dass es das ist. „Ich möchte mir nicht anmaßen, für meine Generation zu sprechen. Ich habe jugendliche Protagonisten genommen, weil ich selbst jung bin.“ Rönne sagt, dass ihr Buch nicht mal ein Roman sei, womit sie Recht hat. Es ist ein fiktives, therapeutisches Tagebuch über eine Reise von vier wohlstandsverwahrlosten Endzwanzigern, die eine Vierecksbeziehung führen und nicht wissen, wo sie mit sich hinsollen. So heißt es beispielsweise im Buch: „Ich weiß noch nicht, was ich heute Abend mache. Vielleicht markiere ich etwas mit ’gefällt mir‘.“

Guy Helminger, der Moderator des Abends, sagt, die Buch-Charaktere würden viele Klischees über die Generation Y verkörpern. Man kann Rönne glauben, dass sie kein Buch über das Generationen-Thema schreiben wollte, aber wird es das nicht zwangsläufig, wenn die Autorin über Menschen ihres Alters schreibt?
Untypische Biografie

Rönne selber sieht sich auch nicht als Teil der Generation Y, sondern eher als Individualistin, aber da kontert Helminger, genau das sei ja ein Merkmal dieser Generation. Rönne hat dennoch eine sehr untypische Biografie. Sie hat so gut wie keine Praktika gemacht, sie bekam bereits während ihres Studiums bzw. während einer ihrer Studienversuche nicht nur einen Job angeboten, sondern auch noch ein Buchvertrag - „innerhalb von zwei Tagen unabhängig voneinander“.

Rönne ist Kultur-Redakteurin bei der „Welt“, das heißt, sie war es. Sie ist mittlerweile Pauschalistin und liefert nur ein paar Artikel im Monat ab, aber eine Anwesenheitspflicht im Büro hatte sie nie, das könne sie auch nicht ertragen, sagt sie im persönlichen Gespräch vorher. Sonst hätte sie auch keine Zeit, um Bücher zu schreiben. All das, dieses Streben nach einer perfekten Work-Life-Balance, nach Selbstverwirklichung macht sie dann doch zu einem Musterbeispiel der Generation Y.

Manche ziehen wieder bei den Eltern ein

Julia Tissier, 31, ist sehr bewusst, wie die Zeit ihre Generation und sie selbst geprägt hat. Die französische Journalistin hat für „Libération“ gearbeitet und gibt mit zwei Kolleginnen das „Cheek Magazin“ heraus, das sich an Frauen der Generation Y richtet. Mit Myriam Levain hat sie auch das Buch „La Génération Y par elle-même“ geschrieben, in dem zwölf Klischees über ihre Generation aufgearbeitet und entkräftet werden.

Für Tissier ist das Internet der größte beeinflussende Faktor, der alles verändert hat. Aber nicht nur.

In den 80er Jahren sei es noch nicht so akzeptiert gewesen, sich scheiden zu lassen, sagt Tissier, aber in den 90ern war es in Ordnung. „Ich denke, das hat unsere Sicht auf Beziehungen verändert. Wir haben unsere Eltern nicht das ganze Leben zusammen gesehen.“ Und diese Fragmentierung setzt sich im Beruflichen fort. „Wir haben angefangen mit Praktika. Dann kamen befristete Arbeitsverhältnisse.“ Manche müssten als Erwachsene gar wieder irgendwann bei den Eltern einziehen, weil sie sich keine eigene Wohnung mehr leisten könnten. All das habe natürlich Auswirkungen auf das Beziehungsleben und die Familienplanung.

Von Rönne betont übrigens, dass sie bisher nur langjährige Beziehungen geführt habe. Sie mag es nicht, wenn ein „Vice“-Bengel ihrer Generation „Beziehungsunfähigkeit“ attestiere. Aber vielleicht liest sie auch nur zu viele Artikel über ihre Generation.