LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die Asbest-Entsorgung am Hadir-Tower verlief vorschriftsmäßig

Mit der vermutlich detailliertesten parlamentarischen Anfrage der letzten Jahre hat sich Justin Turpel, Abgeordnete der „déi Lénk“ , gleich an drei Minister gewandt. Allerdings hat man ihm die angestrebte Dringlichkeit seiner Anfrage vom 18. November nicht zugestanden. Die ministerielle Antwort erfolgte einen Monat später.

Bedauerliches Ende eines Industriedenkmals

Gegenstand der Fragen waren die Umstände des Abrisses des so genannten Hadir-Turms in Differdingen. Von Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) , Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) und Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) wollte Turpel in gleich zwölf Einzelfragen wissen, wie es beim Abriss des Hadir-Turms um die Sicherheit der Arbeiter und der Anwohner bestellt ist, insbesondere in Bezug auf eine mögliche Asbestgefährdung.

Zunächst erinnerte Turpel daran, dass der Abriss des Turmes, im 50. Jahr seines Bestehens höchst umstritten war und mit dem Turm ein wichtiges Denkmal der luxemburgischen Stahlindustrie und eine Landmarke im Stadtbild von Differdingen verschwindet.

Verschiedenen Zeugenaussagen nach sei die Demontage und Entsorgung des verbauten Asbestes nicht vorschriftsmäßig erfolgt, begründete Turpel seine Frage. Weder zum Schutz der Arbeiter, noch der Anwohner, noch der Umwelt.

Viele Fragen

Im Detail wollte Turpel wissen, welche Arten von Asbest wie entsorgt werden mussten? War dafür ein gesetzlich vorgeschriebener Ablaufplan notwendig? Wurde dieser erstellt? Wurde nach den Vorgaben der Arbeitsinspektion ITM vorgegangen? Wurde von den Kontrollbehörden eine Unbedenklichkeitserklärung erteilt? Wie viele Arbeiter waren mit der Asbestbeseitigung befasst? Wurde kein Asbeststaub frei gesetzt? Wurden die Abfälle fachgerecht entsorgt? Gab es im Umfeld der Arbeiter Messungen der Luft auf Asbestbelastung? Was wurde zum Schutz der Nachbarn unternommen?

Knappe Antworten

Die gemeinsame Antworten der Minister zu den überaus zahlreichen Fragen fiel knapp aus. Es handelte sich um Asbestzement (bride amianté). Ein gesetzlich vorgeschriebener Arbeitsplan zur Asbestentsorgung sei aufgestellt worden und habe allen Vorschriften entsprochen. Außerdem sei die Arbeitsinspektion vor der Asbestbeseitigung von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden. Laut Auskunft des Abbruchunternehmens seien die Arbeiten planmäßig erfolgt. Eine Unbedenklichkeitserklärung sei durch eine unabhängige Kontrollbehörde vorgenommen worden. Mit der Asbestentsorgung waren, laut der ministeriellen Antwort, nur zwei oder drei Arbeiter befasst. Der Asbestzement sei vorsichtig an den Verbindungsstellen der Träger aufgetrennt worden und der Asbestputz am Bauteil verblieben, um Staub vor Ort zu vermeiden. Die herausgeschnitten Teilen seien in so genannten Big-Bags gelagert worden.

Arbeit streng nach rechtlichen Vorschriften

Laut Umweltministerium ist die gesamte Asbestentsorgung entsprechend der großherzoglichen Verordnung vom 4. Juli 2007 erfolgt, dabei seien alle notwendigen Kontrollen und Messungen an der Baustelle und in der Nachbarschaft vorgenommen worden. Eine Gesundheitsgefährdung der Anwohner sei ausgeschlossen, teilten die Minister in ihrer Antwort mit.