NIC. DICKEN

An dieser Stelle stand in den letzten Tagen mehrfach zu lesen, dass man die so genannte Gambia-Koalition eigentlich nur bedauern könne angesichts der von allen Seiten auf sie abgefeuerten Störfeuer und der über sie hereinbrechenden Katastrophenmeldungen, von denen die letzte im Zusammenhang mit der LuxLeaks-Affäre gar am Selbstverständnis und damit am Sockel des Finanzplatzes und seinen unverzichtbaren Auswirkungen auf die Staatsfinanzen zu rütteln droht. Dass sich mit dieser Angelegenheit jedoch nur schwer Politik machen lässt gegen die amtierende Regierung, das hat mittlerweile die am Phänomen selbst hauptschuldige CSV eingesehen und ihre bereits aufgefahrenes Geschütz zurück in die Garage gebracht.

Aber auch den ausgeprägten Sadismus, den in der vergangenen Woche in geballter Form die Gewerkschaften und die Landwirtschaft der Regierung zum Vorwurf machen zu müssen glaubten, wollen wir dieser nicht unterstellen. Es wird am Ende nicht wichtig sein, ob Blau-Rot-Grün über den nächsten Wahltermin hinaus weiter wird regieren können. Wichtig ist nur, dass nicht weitere fünf Jahre verloren gehen, ohne dass die schon vor zwei bis drei Wahlperioden gebotenen neuen Weichenstellungen vorgenommen werden, die von dem zuletzt angesteuerten Abstellgleis wegführen sollen, auf dem die beiden letzten Regierungen die anstehenden Herausforderungen und Gefährdungen zu überdauern trachteten.

Man mag über die Ausrichtung der ins Auge gefassten Maßnahmen und deren Tragweite für die verschiedenen sozio-ökonomischen Gruppierungen einverstanden sein oder eben auch nicht, aber dass akuter Handlungsbedarf besteht, darf von niemandem ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Ein unbekümmertes „weiter so?“ wäre deshalb von allen möglichen die unverantwortlichste Handlungsoption, von denen uns ohnehin als kleinem, auf nach wie vor zahlreichen Gebieten von den internationalen Entwicklungen abhängigen Land, nicht unbegrenzt viele zur Verfügung stehen.

Die wenig beneidenswerte Lage, in der sich unsere Landwirtschaft zur Zeit befindet, ist nicht auf eine falsche Politik der Gambia-Koalition zurück zu führen, sondern vielmehr einer offensichtlich unbeirrbaren auf größtmögliche Flächen und höchstmöglichen Material- und Mitteleinsatz basierten Massenproduktion zuzuschreiben, bei der hiesige Betriebe auf Dauer international nicht mehr werden bestehen können. Wäre es da nicht schon lange sinnvoller gewesen, ähnlich der Diversifizierung am Finanzplatz auf eine intelligente Nischenpolitik zu setzen, die sehr wohl funktionieren kann, wie ein steigende Zahl von konkreten Beispielen unzweifelhaft belegen.

Eine andere Überlegung wert ist auch die Furcht vor Einschnitten in unserem über die Jahre hinweg zur Überperfektionen getriebenen Sozialgefüge, das im internationalen Vergleich wie ein Turm über Nachbar- und Partnerstaaten hinausragt. Nur naive Menschen können annehmen, dass dies auf einem Naturgesetz beruht. Straußenvögel stecken bei Gefahr den Kopf in den Sand. Als denkende Spezies sollten wir auf andere Reaktionsalternativen setzen.