RAS AL KHAIMAH
JEFF KARIER

Zweiter Tag im Emirat Ras Al Khaimah offenbarte die Vielseitigkeit des Landes

Gleißendes Sonnenlicht und bereits frühmorgens knapp unter 30 Grad: So gestaltete sich für uns der erste Morgen in Ras Al Khaimah, das Emirat am Golf, das Luxair Tours seit letzter Woche als einziger Tour-Operateur Westeuropas anfliegt. Gefrühstückt haben wir trotz hoher Temperaturen auf der Terrasse, um die Sonne, die um die Uhrzeit noch nicht so drückt, etwas zu genießen.

Anschließend teilten wir uns auf. Eine Gruppe fuhr in die Berge, um sich an der mit 2.830 Metern weltweit längsten Zipline ins Nichts zu stürzen, und zwar mit dem Kopf voraus. Die andere Gruppe fuhr in die Stadt, um sich diese etwas genauer anzuschauen. Wir entschieden uns für Letzteres.

Sitz der Scheichs

Nach etwas mehr als einer halben Stunde Fahrt kamen wir am „National Museum“ an, das in einer alten Festung untergebracht ist. Wie uns erklärt wurde, haben der Scheich und seine Familie bis 1964 hier gelebt. Die Festung wurde dann 1987 in ein Museum umgewandelt. Da Ras Al Khaimah Teil der Piratenküste des Golfs war und von dem Hafen der Stadt viele Raubzüge ausgingen, wurde die Stadt sowohl von den Portugiesen als auch von Briten angegriffen. Die Festung wurde bei diesen und anderen Angriffen insgesamt viermal zerstört und anschließend immer wieder aufgebaut. So gibt dieses Gebäude einen guten Eindruck von der Geschichte des Emirats, denn im Inneren wird auf diese im Detail eingegangen. Hierzu zählen neben den Beziehungen mit Großbritannien, die Ras Al Khaimah sowie die anderen heutigen Emirate zu seinen Protektoraten ernannte, der Weg zur Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate und vieles mehr.

Auch archäologische Funde sind hier ausgestellt, sowie die Gegenstände und Werkzeuge, die die Bewohner im Alltag und bei ihrer Arbeit verwendet haben. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei das Perlenfischen, von dem das Land lange Zeit lebte und für das es berühmt war. Des Weiteren ist islamische Kunst ausgestellt, bei der Verse und andere Sätze in arabischer Schrift kunstvoll dargestellt werden. Alles in allem ist das Museum einen Ausflug wert, auch wenn der Umfang doch recht beschaulich ist. Nach spätestens zwei Stunden hat man alles gesehen.

Gold, Tücher und Gewürze

Es folgte ein Abstecher in das Einkaufsviertel der Stadt, das unmittelbar an der Küste liegt. Hier findet man etwa ein Dutzend Schmuckgeschäfte, die direkt nebeneinander liegen und kunstvoll gearbeiteten Schmuck aus Gold aber auch andere Stücke anbieten. Eine Straße weiter finden sich Gewürzläden, die intensive und exotische Gerüche verbreiten. Hier findet sich außerdem ein modernes aber recht kleines Einkaufszentrum, in dessen klimatisieren Gängen man Geschäfte mit vor allem traditioneller Kleidung für Mann
oder Frau findet, sowie Parfüm, Handyzubehör oder auch Tücher und Schuhe.

Bevor es in Richtung Jebel Jais ging, der mit 1.934 Metern höchste Berg der Emirate, hielten wir noch bei der ältesten Moschee des Emirats. Anders als man es sich es vorstellt, handelt es sich dabei um ein sehr schlichtes Gebäude, einen Flachbau ohne Minarette. Hinein durften wir leider nicht und auch für den Rest unserer Reise sahen wir leider nie eine Moschee von innen. Alles in allem bietet Ras Al Khaimah etwas wenig Kultur und eine richtige Altstadt scheint es auch nicht zu geben. Eine Ausnahme bildet der alte und verlassene Teil des ehemaligen Fischerdorfes Jazirat al-Hamra, das etwas weiter südwestlich entlang der Küste liegt. Hier findet man einige der am besten erhaltenen Häuser der Emirate. Leider führte unsere Tour uns nicht dorthin.

Erfrischung in der Höhe

Die Fahrt zum Jebel Jais zog sich etwas. Vom Stadtzentrum sind es zwar nur rund 55 Kilometer, beim letzten Drittel schlängelte sich jedoch unser kleiner Bus nur langsam die Höhenmeter hoch. Die schroffen Felsen zogen an den Fenstern vorbei und hin und wieder sah man kleine Gärten sowie einige Bäume und Sträucher, die am Fuß der Berge gedeihen. Nach etwas mehr als 90 Minuten kamen wir am Jebel Jais Viewing Deck Park an, von dem sich nicht nur in zwei Richtungen ein wunderbares Panorama eröffnet, sondern man auch essen kann. Beim Aussteigen stellten wir erfreut fest, dass die Temperatur mit schätzungsweise 25 Grad wesentlich erträglicher ist als unten am Meer.

Unter Sonnenschirmen aßen wir unser Mittagessen, bestehend aus einem Salat und ein paar Stücken Pizza, gefolgt von einem Tiramisu. Mittlerweile hatte sich auch die „Ziplineing“-Gruppe wieder angeschlossen, die begeistert von ihrem Abenteuer berichtete. Wem das „Ziplineing“ zu extrem ist, aber dennoch die Berge erkunden möchte, der kann eine der Klettertouren, die angeboten werden, buchen. In den Bergen sollen irgendwann auch Hotels die Gäste begrüßen dürfen. Wann das sein wird, ist aber noch nicht klar. Es gab sogar Pläne für ein Ski-Resort mit künstlichem Schnee, die aber glücklicherweise wieder verworfen wurden.

Abendessen in der Wüste

Direkt nach dem Essen ging es weiter. Sechs weiße Geländewagen warteten auf dem Parkplatz des Aussichtspunkts auf uns, die uns in die Al Wadi-Wüste bringen sollten. Auch hier gestaltete sich die Fahrt recht lang und einige Teilnehmer legten ein Nickerchen ein. In der Wüste angekommen ließen die Fahrer erstmal etwas Luft aus den Reifen, um mehr Grip im Sand zu haben. In einer Kolonne fuhren wir von Düne zu Düne, rutschten diese teilweise seitwärts hinab, so dass der Sand durch die Luft wirbelte. Filmen und fotografieren gestaltete sich recht schwierig, der wilde Ritt war aber ein großer Spaß. Nach rund 40 Minuten ließ man uns am „Bedouin Oasis Camp“ raus, ein Lager, das neben traditionellen Zelten auch befestigte Hütten, Wege sowie Toiletten bietet.

Einige entschieden sich, eine Runde mit dem Quad zu drehen, andere auf einem Kamel zu reiten. Als die Sonne sich dem Horizont näherte, versammelten wir uns auf einer der Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Dieser stellte sich als wirklich besonders schön heraus. Vor dem Essen unter freien Himmel im Stil eines Beduinischen Lagers erwartete uns eine Show mit Feuerspeier und Bauchtänzerin, bei der das Publikum einbezogen wurde. Das Buffet bot klassische Speisen wie Köfte, Humus, gegrilltes Gemüse und vieles mehr. Der Mond erhellte die Dünen, als wir uns das Treiben um uns herum bei einer Shisha anschauten und den aufregenden wie abwechslungsreichen Tag Revue passieren ließen.