NIC. DICKEN

Die Globalisierung der Wirtschaft ist ein Phänomen, mit dem sich viele luxemburgische Unternehmen zum Teil schon seit Jahrzenten auseinandersetzen mussten und dabei recht erfolgreich die damit verbundenen Herausforderungen aufnehmen konnten. Klassisches Beispiel ist die Stahlindustrie, die mit weltweit einzigartigen Produkten wie schweren Trägern oder Spundwänden (palplanches) und dem dazugehörigen Fachwissen ihre Kundschaft von San Francisco bis Tokyo zufriedenstellt. Andere Bereiche sind hochtechnische Erzeugnisse wie Sensoren oder Materialien für den Einsatz in Autos oder Flugzeugen, die auf erfolgreicher Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Luxemburg basieren und neue Absatzkanäle für industrielle Güter geschaffen haben.

Die Exportorientierung beschränkt sich allerdings keineswegs auf die klassische Industrie, sondern hat auch die rasante Expansion der Finanzdienstleistungen im breiten Sinne möglich gemacht, deren erfolgreiche Entwicklung längst schon weniger auf Souveränitätsnischen, als vielmehr auf spezifischen Kenntnissen und innovativen Ideen beruht. Allzu oft wird dabei von konkurrierenden Finanzplätzen innerhalb und außerhalb der EU übersehen, dass man die meisten Erfolge auf internationaler Ebene mit transparenten und anlegerfreundlichen Produkte erzielen konnte, die europäischen Vorgaben und Regulierungen entsprechen, wie es beispielsweise die Fondsindustrie Jahr um Jahr unter Beweis stellt.

Ja, Luxemburg hat durchaus noch Entwicklungs- und Wachstumspotenzial, solange es sich nicht auf dem Erreichten ausruhen will, sondern konsequent weiter an seiner Erneuerung und an seiner Diversifizierung zu arbeiten bereit sein wird. Dass damit die Anforderungen an die Unternehmen und an deren Beschäftigten weiter steigen werden ist genau so eine Tatsache, der man in der schulischen Ausbildung in Zukunft wieder mehr Rechnung wird tragen müssen.

Gleichzeitig darf aber auch der Sinn für die Realitäten nicht außer Acht gelassen werden: Europa, die EU, hat sich in den letzten Jahren immer mehr den Luxus geleistet, den stärker denn je im internationalen Wettbeweb stehenden Wirtschaftsunternehmen durch immer neue technische und regulatorische Vorgaben das Leben gegenüber ihren globalen Konkurrenten zu erschweren, mit der Konsequenz, dass in vielen Branchen immer konkreter über Produktionsverlagerungen in weniger anspruchsvolle Weltregionen nachgedacht wird. Auf diesem Gebiet ist auch Luxemburg keine Insel und wir sollten uns deshalb wohl überlegen, dass wir neben hochentwickelten Produktions- und Dienstleistungsaktivitäten immer auch noch Wirtschaftsbereiche brauchen werden, die für weniger qualifizierte Menschen Arbeit und vernünftiges Einkommen sichern müssen.

Gerade weil das kleine Land mit seinen wirtschaftlichen Bemühungen auf den verschiedenen Gebieten immer wieder Erfolge verzeichnen konnte, um die uns viele beneiden, sollten wir diese auf Erfahrung, Kompetenz und Erneuerungsbereitschaft basierende Schiene konsequent weiter nutzen. Es kann nur zu unserem Vorteil sein.