MERTZIG
PIERRE MATGEN

Herausforderung für Landwirtschaft und Molkereien

Eigentlich ist der jährliche Buchungstag des landwirtschaftlichen Wirtschaftsdienstes des Ministeriums für Landwirtschaft (SER) dazu gedacht, die Buchführungsresultate des vergangenen Jahres vorzustellen und einen Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr zu werfen. Wegen des Wegfalls der von der EU diktierten Milchquoten im April 2015 stand der diesjährige Buchungstag, der vorgestern in Mertzig in Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Fernand Etgen stattfand, ganz im Zeichen der Konsequenzen dieser Entscheidung.

Um über die aktuelle Lage auf dem Milchmarkt zu berichten, hatten die Organisatoren neben dem Luxlait-Direktor Claude Steinmetz auch Vertreter der Großmolkereien Arla (D/DK) und Lactalis (F) eingeladen. Die Anwesenheit von etwa 400 Akteuren aus der Landwirtschaft unterstrich das Interesse an diesem Thema.

Mit dem Auslaufen der Milchquotenregulierung kommen europaweit erhebliche Herausforderungen auf die Milchproduzenten zu. Anstelle der staatlichen Kontingentierung, die seit 1984 den europäischen Milchmarkt geprägt hat, treten jetzt privatwirtschaftliche Überlegungen in den Vordergrund.

Mehr Milchproduktion in Luxemburg

Vor den Referaten der Molkereivertreter gab der SER-Vertreter eine Übersicht über die aktuelle Milchproduktion in Luxemburg. Anschließend stellte er die Ergebnisse einer Umfrage über die Perspektiven und mittelfristigen Plänen der Luxemburger Milchbauern vor.

Die meisten der teilnehmenden 267 Milchproduzenten gehen von einer Steigerung ihrer Milchproduktion nach der Aufhebung der Quotenregelung aus. 71 Prozent planen Wachstum, 25 Prozent möchten auf dem gleichen Niveau bleiben. Lediglich ein Betrieb möchte die Produktion reduzieren und acht Betriebe wollen aus der Milchproduktion ganz aussteigen. Kapazitätserweiterung und neue Strategien zur Produktionssteigerung sind die Maßnahmen, mit denen die Milchbauern die ehrgeizigen Ziele nach 2015 erreichen wollen. Diese Steigerungen sind natürlich eine große Herausforderung, nicht nur für die Landwirte, sondern auch für die Molkereien, die die Milch verarbeiten und anschließend vertreiben müssen.

Russlandboykott sorgt aktuell für Überproduktion

Nachdem die drei Molkereivertreter ihre Konzerne vorgestellt hatten, sprachen sie von einem aktuell schwierigen Absatzmarkt und fallenden Preisen. Der Rückgang des Exports nach China und der Lieferboykott für Russland hätten eine Milch-Überproduktion von 2-3 Prozent bewirkt. Während Arla und Lactalis auf ihre weltweite Präsenz mit einer Vielfalt von Milchprodukten zählen, um die schwere Zeit zu überwinden, baut Luxlait-Direktor Claude Steinmetz eher auf regionale Abnehmer und auf Nischenprodukte für den arabischen Markt.

Mittelfristige Aussichten weiterhin gut

Nichtsdestoweniger würden die Preise bis Ende 2015 weiter fallen, hauptsächlich durch eine aggressive Preispolitik der Supermärkte, so Steinmetz. Alle drei Molkereienvertreter schätzen jedoch die mittelfristigen Aussichten für die Milchwirtschaft auch weiterhin sehr gut ein. Bei der anschließenden Fragerunde ging es hauptsächlich um die Strategien der Molkereien, um ihren Absatz, nach der Aufhebung der Quotenregelung, zu erhöhen.