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JEFF KARIER

music:LX zieht Bilanz und gibt Abschied von Direktor Patrice Hourbette bekannt

In der Rockhal fand gestern die jährliche Pressekonferenz von music:LX, dem Exportbüro für luxemburgische Musiker, statt. Diese gestaltete sich etwas anders als in den Jahren zuvor. Denn wie Bob Krieps, Präsident des Verwaltungsrates, erklärte wird der langjährige Direktor von music:LX Patrice Hourbette am 5. März 2019 in Rente gehen. Hourbette arbeitet zuvor im französischen Exportbüro für Musik und war seit 2010, als music:LX gegründet wurde, Direktor des Exportbüros. „Ohne ihn wäre music:LX heut nicht das, was es ist“, betonte Krieps und lobte das Engagement und die harte Arbeit von Hourbette.

Neue Namen, neue Klänge

„Ich durfte über die Jahre viele talentierte Musiker hier in Luxemburg kennenlernen“, erklärte der scheidende Direktor, der etwas emotional auf die letzten acht Jahre zurückblickte. Giovanni Trono, der bisher als Project Manager im Exportbüro arbeitete, wird ab März vorrübergehend als Interimsdirektor fungieren, bis ein Nachfolger gefunden ist. Das Team von music:LX wurde außerdem erweitert. So wurden Angèle Maschio als Assistentin der Direktion und Ben Lowe für die Kommunikation eingestellt. 2019 soll noch eine Person, die sich um den Bericht Jazz sowie eine Person, die sich um Pop/Rock/Electro kümmert folgen. Wie Krieps erklärte wird music:LX außerdem im kommenden Jahr in neue Büros in Esch/Alzette umziehen.

Hourbette, für den dies somit die letzte Pressekonferenz war, präsentierte zunächst die Musik und Bands, die neu in das Portfolio von music:LX aufgenommen wurden. Dies sind Josh Island und Alex Uhlmann im Bereich Pop/Rock/Electro, „Urban 5“, „Arthur Possing Quartet“ Niels Engel, „Michel Meis Quartet“ und Claire Parsons im Bereich Jazz.

Auch auf die zahlreichen Aktionen und Events, die von music:LX organisiert wurden oder wo das Exportbüro Musiker unterbringen konnte, ging Hourbette ein. Dazu zählt etwa das „Luxembourg Jazz Meeting“, „Criss Cross Europe“ oder auch das „Reeperbahn Festival“. Auf letzterem traten „Napoleon Gold“, „Bartleby Delicate“ und „Dream Catcher“ auf. Im Rahmen von „Luxembourg Sounds Like…“ spielten „Edsun“, „Seed to Tree“ und „Tuys“ am 30. Oktober und 1. November in Berlin und Hamburg.

Bemerkenswert ist dabei, dass Festivals und Konzerte in Asien ein wichtiges Element in der Vermarktung und der Entwicklung der Künstler von music:LX zu sein scheinen. Denn in diesem Jahr spielten diese etwa in China 65 Konzerte, 26 in Japan und zehn in Indien. Das „Taichung Jazz Festival“ in Taiwan sticht dabei besonders heraus. Dabei handelt es sich um eines der größten Jazz-Festivals Asiens. Diese bot dieses Jahr auch luxemburgischen Musikern eine Bühne, so dass „Dock in Absolute“ und das „Greg Lamy Quartet“ hier vor rund 20.000 Leuten spielen konnten. Laut Hourbette liege das auch daran, dass dort eine stärkere Dynamik herrscht, noch mehr Alben gekauft werden und es somit für einen Künstler aus Europa einfacher ist, sich und seine Karriere zu entwickeln. „Wenn dieser Künstler in Asien vor großem Publikum aufgetreten ist und dort viele Fans hat, ist er auch für die Konzertorganisatoren und Medien in Europa interessanter“, erklärt Hourbette.

Insgesamt zählte music:LX 2018 1.127 Auftritte ihrer Künstler, wovon 309 Konzerte auf Deutschland, 154 auf Frankreich und 110 auf Belgien entfallen. Das zeigt aber, dass das direkte Ausland weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielt.

Hoffnung auf mehr Frauen

Um die Künstler zu fördern, Events zu veranstalten und weitere Aktivitäten zu organisieren, stand music:LX 2018 ein Budget von 600.000 Euro zur Verfügung. 560.000 davon stellte das Kulturministerium und 40.000 die Sacem zur Verfügung. Bei der Pressekonferenz war dann auch Kulturministerin Sam Tanson anwesend und absolvierte ihren ersten Auftritt in der neuen Rolle. Sie lobte die gute Arbeit des Exportbüros, aber auch die vielen Musiker. „Es ist beeindruckend, in welchem Maße sich die luxemburgische Musikszene entwickelt hat“, erklärte Tanson. Eines hatte die Ministerin dabei jedoch anzumerken: „Was ich etwas vermisse, also hier im Saal, das sind Frauen“. Zu Pressekonferenz gekommen waren tatsächlich fast nur Männer, was auch etwas die luxemburgische Musikszene widerspiegelt. Mit Zala Kravos war dann auch nur eine Musikerin anwesend. Tanson äußerte die Hoffnung, dass sich das in den kommenden Jahren ändert. Schließlich sei im Koalitionsvertrag der neuen Regierung mit Bezug auf Chancengleichheit festgehalten worden, für ein größeres Gleichgewicht zu sorgen. „Das schließt auch die Kultur mit ein.“ So seien etwa Frauen in den jeweiligen Instanzen als Ansprechpartner wünschenswert.

Abschließend wurden die diesjährigen Nominierten für den Preis „Export Artist of the Year“ vorgestellt. In der Kategorie Pop/Rock/Electro sind es „Cleveland“, „Rome“ und „Seed to Tree“. „Dock in Absolute“, „Maxime Bender Universal Sky“ und „Reis Demuth Wiltgen“ sind die Nominierten für Jazz. Und im Bereich Klassik und zeitgenössische Musik wurden Jean Muller, Christoph Sietzen und Zala Kravos nominiert. Die Gewinner werden dieses Jahr erstmals im Rahmen der neuen „Luxembourg Music Awards“ ausgezeichnet. Diese finden am 18. Dezember in der Rockhal statt.