LUXEMBURG
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Eurozone kommt nur zaghaft voran

Fünf Jahre nach Ausbruch der Krise in der Eurozone kommt der Abbau der Arbeitslosigkeit nur schleppend voran. Gut 18 Millionen Menschen in der Eurozone finden keinen Job. Insbesondere in Südeuropa ist die Arbeitslosigkeit hoch. Im Oktober waren in den 18 Ländern der Währungsunion - wie in den Monaten davor - durchschnittlich 11,5 Prozent der Bürger ohne Job. EU-Arbeitskommissarin Marianne Thyssen sprach gestern von großen Problemen und verlangte weitere Strukturreformen. Immerhin ist die Lage etwas günstiger als vor einem Jahr, wie aus den Zahlen der Statistikbehörde Eurostat hervorgeht.

Die Eurokrise hatte im Herbst 2009 mit dramatischen Defizitzahlen aus Griechenland begonnen. Im Zuge der nötigen Rettungsaktionen mussten Griechenland und andere Krisenländer drastisch sparen, die Wirtschaft brach ein und die Arbeitslosenzahlen schnellten in die Höhe.

Die schlechte Lage in diesen Ländern prägt auch weiter den Durchschnitt: Während Deutschland nach der europäischen Erfassungsmethode auf eine Arbeitslosenquote von nur 4,9 Prozent kommt und Österreich auf 5,1 Prozent, sind es in Spanien 24,0 Prozent. Griechenland meldet 25,9 Prozent, allerdings für August, eine neuere Zahl liegt nicht vor.

Gemessen an der Situation vor einem Jahr verzeichnen einige der wirtschaftlich geschwächten Länder Südeuropas zaghafte Fortschritte. So sank die Quote in Spanien seit Oktober 2013 von 26,0 auf 24,0 Prozent, in Portugal verringerte sie sich von 15,6 auf 13,4 Prozent. Auch Griechenland steht im Vergleich zum August 2013 etwas besser da: Damals lag die Quote bei 27,8 Prozent. Dagegen nahm die Arbeitslosigkeit unter anderem in Italien seit vergangenem Jahr noch zu - von 12,3 auf 13,2 Prozent.

Im Durchschnitt aller 28 Staaten der Europäischen Union ist die Lage etwas günstiger als in der Eurozone: Hier lag die Quote im Oktober bei 10 Prozent - unverändert seit September. In der gesamten EU waren 24,4 Millionen Menschen arbeitslos. Für junge Leuten unter 25 Jahren lag die Zahl EU-weit bei 4,98 Millionen, 504.000 weniger als vor einem Jahr. Die EU ringt seit Jahren um den richtigen Weg zur Verbesserung der Arbeitsmarktlage. Gerade hat sie ein Investitionsprogramm angekündigt, das in den nächsten Jahren 1,3 Millionen neue Jobs bringen soll.

Inflationsrate sinkt weiter

Dass die Inflationsrate im Euroraum nochmals gesunken ist, verstärkt den Druck, auch auf die Europäische Zentralbank. Im November 2014 lag die Teuerungsrate nach einer Schnellschätzung der Statistikbehörde Eurostat bei nur noch 0,3 Prozent - nach 0,4 Prozent im Oktober. Damit wächst die Furcht vor einer Deflation - also einer Abwärtsspirale der Preise, die negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnte. EU-Kommissar Valdis Dombrovskis, zuständig für Euro und sozialen Dialog, zeigte sich in Brüssel besorgt und bezeichnete die niedrige Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit als Risiken. „Deshalb ist es in diesem Fall wirklich wichtig, die richtige politische Antwort zu finden“, sagte er.

Die Europäische Zentralbank sieht als „gesunde“ Teuerung eine Rate von knapp unter zwei Prozent und versucht, mit einer extrem lockeren Geldpolitik gegenzusteuern - bislang aber ohne durchschlagenden Effekt.