LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ab heute suchen viele Unternehmen in Luxemburg via Kliber neue Mitarbeiter

Der junge Mann, der auf dem Handy zu sehen ist, spricht zehn Sekunden. „Ich passe zu Ihnen, weil ich besonders dynamisch bin und außerdem dreisprachig. Mein Bankpraktikum in Portugal und das Diplom der Yale-Universitäten haben mir praktisch und theoretisch wichtige Einblicke vermittelt“, sagt er. Die Personalchefin findet den Kandidaten, der ihr gerade per Video Fragen beantwortet und sich vorgestellt hat, nicht schlecht. Sie lädt ihn ein.

So oder ähnlich könnte eine Videobewerbung aussehen. Denn die Personalsuche verändert sich. Die Zeiten, in denen Unternehmen eine Annonce in der Lokalzeitung schalteten, sind längst passé. Aber auch Online-Börsen haben ihre Tücken. Sie führen häufig zu einer Überschwemmung mit Kandidaturen, die dem Profil oft wenig bis gar nicht entsprechen.

Schwierige Personalsuche

Zwar versuchen Unternehmen, über ihre eigene Webseite oder soziale Netzwerke Kandidaten zu finden. Die Banque Internationale à Luxembourg (BIL) beispielsweise hat vor kurzem rund 500 junge Kandidaten eingeladen, die über Facebook, Twitter, LinkedIn und Internet von der Veranstaltung erfahren hatten. Aber einfach ist es nicht. Allein für dieses Job Dating mobilisierte die Bank rund hundert Mitarbeiter bis in die Abendstunden.

Gestern stellten die Kommunikationsfachfrau Nathalie Dondelinger und ihr 18-jähriger Geschäftspartner Jonathan Levi Kliber vor. Die Anwendung ermöglicht es Kandidaten, sich mit Videos direkt auf eine Stelle zu bewerben. Unternehmen können so gezielt jüngere Leute ansprechen und haben gleich einen ersten Eindruck. Kliber ist seit heute aktiv und für Stellensuchende kostenlos für ein iPhone verfügbar. Sie können nach der Registrierung Stellenangebote nach Kategorie oder Unternehmensnamen durchsuchen. Falls ihre Kandidatur zurück behalten wurde, erhalten sie eine Nachricht. Das Profil sehen nur die jeweiligen Personaler der Unternehmen.

Videos beider Seiten

Unternehmen können auf der einen Seite Stellenangebote verwalten, auf der anderen Seite verwalteten sie die eingehenden Bewerbungen. Auch Image-Videos über das Unternehmen sind möglich. „Einige Punkte wie die Arbeitsatmosphäre, die Kollegen, der Chef oder Flexibilität am Arbeitsplatz sind für meine Generation ausschlaggebend“, meint Levi. Für den Jungunternehmer ist der tabellarische Lebenslauf ein Relikt vergangener Zeiten. „Warum dem Personalverantwortlichen nicht gleich mit den wichtigsten Lebensetappen einen Eindruck von meiner Persönlichkeit vermitteln? So kann er mich besser einschätzen, ohne Zeit bei einem Bewerbungsgespräch zu verlieren“, ist Levi überzeugt.

Eine ganze Reihe von luxemburgischen Unternehmen probiert derzeit die Gratisversion von Kliber aus. Darunter sind Banken wie die BIL, die Supermarktgruppe Cactus, die Total-Filiale Motorway Luxembourg, aber auch das Robert Schuman-Krankenhaus oder Rechtsanwaltskanzleien wie Arendt & Medernach oder Clifford Chance. „Das geht ganz einfach und schnell“, findet Veronika Stepanova, die bei der BIL für Einstellungen und Mobilität verantwortlich ist. „Es gibt wenig Angebote wie Kliber. Wir suchen junge Mitarbeiter und wollen das ausprobieren“, erklärt die Personalmanagerin. Sie kann in bis zu vier Sprachen Gesuche veröffentlichen.

Auf die Idee zur Stellen- und Praktikumssuche per Handy kam Dondelinger, weil sie selbst regelmäßig sucht, gleichzeitig aber wenig Zeit hat. „Außerdem habe ich festgestellt, dass die Generation der digital natives anders kommuniziert: Schnell, knapp, effizient.“

Digital natives klibern

Um diese Kandidaten geht es auch PwC. „In Zeiten der digital natives ist es fundamental wichtig für PwC, Kandidaten auf einer Plattform zu begegnen, die sowohl ihrem Bedarf nach Augenblicklichkeit als auch ihren Erwartungen an Offenheit und Ehrlichkeit gerecht wird“, sind die PwC-Personaler überzeugt. Bei Total, das in seinen Tankstellen rund 300 Mitarbeiter beschäftig, zählen Kontaktfreude und eine angenehme Persönlichkeit. „Ein Video wird Bewerber sicher nicht davon abhalten, sich bei uns zu bewerben, im Gegenteil“, sind die Personalverantwortlichen sicher. Videobewerbungen gibt es auch in anderen Ländern. Der Trend ist noch ganz jung. Zu Zeit sind nur wenige Apps weltweit im Einsatz. Kliber ist derzeit in Luxemburg und der Großregion erhältlich. Und vielleicht bald noch in anderen Ländern. Der Bedarf ist sicher da.