PARIS/FRANKFURT/LUXEMBURG
MM/AP/DPA

EU-Länder berichten von Wachstumszahlen - Kein Anlass zu Entwarnung

In der Eurozone ist die Wirtschaft etwas stärker in Schwung gekommen als erwartet. Im dritten Quartal habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent zugelegt, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat gestern nach einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten nur mit 0,1 Prozent Wachstum gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs das BIP in den Monaten Juli bis September laut Eurostat erneut um 0,8 Prozent.

Stärkstes Plus: Griechenland

Die Wirtschaft des angeschlagenen Eurolands Griechenland hat überraschend stark an Schwung gewonnen. Für die Monate Juli bis September zeigt die Statistik eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal aus - und damit den stärksten Zuwachs innerhalb der Eurozone. Der Tourismusboom kurbelt die Wirtschaft an. Nach Angaben des griechischen Branchenverbandes Sete werden in diesem Jahr bis zu 23 Millionen Reisende in Griechenland erwartet, mehr als je zuvor. Im Quartalsvergleich ist Griechenlands Wirtschaft damit das dritte Mal in Folge gewachsen. Im Jahresvergleich betrug das Wachstum im dritten Quartal 1,7 Prozent. Im Zuge der Krise geriet Griechenland in die Staatspleite und ist von Hilfskrediten internationaler Geldgeber abhängig. Die Arbeitslosigkeit ist aber weiter hoch.

Drittes Krisenjahr für Italien

Sorgen bereitet zunehmend Italien, dessen Wirtschaft weiter schrumpft. Auch für das dritte Quartal erwartet die nationale Statistikbehörde Istat ein Minus der Wirtschaftsleistung des Euro-Schwergewichts von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das Gesamtjahr erwarten die Statistiker genauso wie die Regierung einen Rückgang von 0,3 Prozent. 2014 wird damit aller Wahrscheinlichkeit nach das dritte Minusjahr in Folge für Italiens schuldengeplagte Wirtschaft. Erst 2015 wird eine Trendwende erwartet.

Deutschland stagniert

Der deutsche Konjunkturmotor läuft wieder, aber er stottert. Die Beschäftigung klettert auf Rekordniveau und selbst der Export brummt - trotzdem kommt die deutsche Wirtschaft nicht vom Fleck. Im Sommer legte die deutsche Wirtschaft zwar um 0,1 Prozent zum Vorquartal zu - zusammen mit dem Minus von 0,1 Prozent im Frühjahr steht unter dem Strich aber Stagnation. Braucht Deutschland also ein Konjunkturprogramm? Das nach langem Zaudern von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf internationalen Druck hin verkündete Investitionspaket von zehn Milliarden Euro gegen die Wirtschaftskrise greift jedenfalls erst 2016.

Frankreichs Wirtschaft kommtüberraschend stark in Schwung

Frankreichs Wirtschaft ist im dritten Quartal überraschend in Schwung gekommen. Das BIP ist demnach sei in den Monaten Juli bis September um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Allerdings revidierten die Statistiker die konjunkturelle Entwicklung des zweiten Quartals nach unten: Im Frühjahr sei die Wirtschaft leicht um 0,1 Prozent geschrumpft. Zuvor war die Statistikbehörde Insee von einer Stagnation ausgegangen. Experten sind skeptisch. Nach ihrer Einschätzung wird die konjunkturelle Entwicklung in Frankreich weiter von einem schwachen Konsum und rückläufigen Investitionen belastet.

Niedriger Ölpreis als Stütze

In Euro ist der Ölpreis seit Juni um rund 30 Prozent gefallen. Niedrige Preise könnten die Kaufkraft von Verbrauchern und Unternehmen ankurbeln. Tatsächlich ist der Preisverfall am Ölmarkt für zahlreiche wichtige Industriezweige von der Luftfahrt über die Chemie und die Autobranche bis zu den Logistikern ein Grund zur Freude.

Insgesamt aber lahmt die Konjunktur in der Eurozone nach wie vor. Damit wieder richtig Dampf auf den Kessel kommt, muss einiges geschehen, sagen Experten. Europaweit haben die meisten Regierungen hingegen ihre Ausgaben drastisch zurückgefahren, um auf diese Weise ihre Haushalte zu sanieren. Höhere Investitionen in Infrastruktur wie Straßen und Schulen würden jetzt helfen, sagen Ökonomen.

Auch hängen nach Expertenmeinung viele Euroländer in einem Reformstau fest: Zu viel Bürokratie bremst die Geschäftsaktivität aus, ein zu großer Verwaltungsapparat belastet den Staatshaushalt über Gebühr. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi: Könnten Firmen leichter entlassen, würden sie auch rascher Menschen einstellen.

Eine gesunde europäische Wirtschaft kann eine neue Krise problemlos wegstecken, aber in der derzeitigen Lage besteht die Gefahr, dass die Euro-Länder erneut in die Rezession abrutschen. Der größte unmittelbare Schub könnte vom Euro selbst kommen. Der Wechselkurs ist seit Mai von 1,40 Dollar auf 1,245 Dollar gefallen. Das macht die Produkte der Exporteure für den Weltmarkt attraktiver.

Für Luxemburg lagen die Zahlen zum dritten Quartal noch nicht vor. Ende Oktober hatte Statec seine Daten zum ersten Halbjahr vorgelegt. Hier war die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal des Jahres um 1,7 Prozent gestiegen, im zweiten aber nur noch um 0,7 Prozent gegenüber des Vorquartals. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum betrug das Plus im letzten Quartal allerdings deutliche 3,2 Prozent. Für das Gesamtjahr wird für Luxemburg mit einem BIP-Wachstum Luxemburgs von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.