ZOLWERISABEL SPIGARELLI

Die Betreuung in der Krippe fördert die Entwicklung der Kleinkinder

Um 14 Uhr ist es ruhig in der Zolwer Kinderkrippe „Il nido“. Die Kinder zwischen null und vier Jahren schlafen noch; auch Theo und die kleine Mathilde. Hier und da vernimmt man eine Rassel, es raschelt und gähnt: Einige Kinder sind schon wach. Nancy Lacave und ihre Kolleginnen sind bereits da, um die Kinder zu begrüßen. Auf dem Tagesplan stehen vor allem Spaß und Entspannung. Das Lernen ergibt sich ganz von selbst. Die Kleinen sind mit allen Sinnen dabei.

Theo hat gestern Gymnastik gemacht. Dabei hatte er nicht nur Spaß. Auch seine Grobmotorik profitierte. Heute kann er mit Fingern und Füßen malen. Und ganz nebenbei entwickelt der kleine Junge seine sensoriellen Fähigkeiten. Knigge in der Krippe steht auch auf dem Programm: „Ich bringe den Kleinen bei ‚Danke‘ und ‚Bitte‘ zu sagen“, erzählt Lacave. Natürlich können Theo und seine Freunde diese Worte noch nicht aussprechen. Aber sie lächeln Lacave an, wenn sie ihnen Spielzeug reicht. Die Kinder nehmen wahr, dass sie lieb zu ihnen ist. Sie ahmen ihre Mimik nach - mit einem strahlenden Blick.

Auch Babies haben schon ihre Macken

Theo’ s Eltern mag es anfangs nicht leicht gefallen sein, ihren Strahlemann morgens in der Krippe zurückzulassen. Doch die Erzieherinnen der Krippe verstehen es, beiden Seiten den Abschied zu erleichtern.

Mathilde krabbelt gerne mal davon, Alessio greift nach allem, was er sieht: Die Erzieherinnen fragen vorab, was für Gewohnheiten die kleinen Besucher haben. Anfangs verbringen die Kinder zur Eingewöhnung in Anwesenheit der Eltern einige Stunden in der Krippe. Daraus wird später ein gemeinsames Mittagessen,dann ein Nickerchen. Die Kinder werden Schritt für Schritt auf die Trennung vorbereitet. „Es gibt Kinder, die sich sehr schnell daran gewöhnen, dass sie Mama und Papa erst abends wiedersehen“, erklärt Miranda Materazzi, „Andere tun sich schwer damit. Das ist ganz unterschiedlich.“

Die Eltern nehmen indirekt an den Aktivitäten teil

Der rege Kontakt zu den Eltern bleibt auch nach der Anfangsphase bestehen. Was Theo und Mathilde basteln, malen und entdecken, halten ihre Erzieherinnen in individuellen Heften fest. Die Eltern können diese regelmäßig einsehen. Wie hat Mathilde der Besuch auf dem Bauernhof gefallen? Schlummert in Theo der nächste Picasso? Die Eltern nehmen durch das Lesen der Hefte an der Entwicklung ihrer Kinder teil. Diese wird durch das Zusammensein mit Gleichaltrigen gefördert.

„Die Kleinkinder imitieren das Verhalten der Anderen. Sie orientieren sich an ihrem Umfeld. So lernen sie beispielsweise recht schnell, sich aufzusetzen“, berichtet Lacave. Sie kümmert sich vorwiegend um die jüngsten Besucher, die zwischen zwei und achtzehn Monaten alt sind. Der Besuch einer Krippe ist vor allem in diesem Alter bereichernd für die Kinder. Die Erzieherinnen setzen sich intensiv mit ihnen auseinander. Wenn Theo sieht, wie schnell Mathilde Türmchen baut, will er das auch können.

Das Wohl der Kinder kennt keinen Zeitplan

Die Erzieherinnen betonen alle, dass der Aufenthalt in der Krippe keineswegs die Erziehung durch die Eltern ersetzt. „Die soziale und kulturelle Herkunft der Kinder macht sich kaum bemerkbar. Doch wir stellen sofort fest, welche Kinder auch zuhause gut betreut werden und welche nicht“, sagt Materazzi. „Solche Kinder stellen Fragen.“ Sie bedauert, dass viele Eltern die Erziehung ihrer Kinder dem Personal der Krippe überlassen.

In Materazzis Krippe toben die Kinder auch mal auf dem großen Spielplatz im Freien herum. Neben der ersten Gruppe mit Kindern zwischen null und achtzehn Monaten gibt es auch eine zweite Gruppe. Sie ist für Kinder zwischen einem und vier Jahren gedacht.

Alle zwei Wochen musizieren die Kleinkinder gemeinsam mit einem Musikpädagogen. Sie versuchen sich an Rasseln und anderen Instrumenten. Manchmal haben sie aber auch einfach keine Lust auf Musik. „Die Arbeit mit Babys ist unvorhersehbar. Ich bereite täglich einen groben Plan vor, doch am Ende richte ich mich nach den Kindern. Sie schlafen länger als vorgesehen? Kein Problem! Wir sind ja flexibel“, lacht Lacave.

Theo gähnt schon - und Mathilde macht ihn nach.