LUXEMBURGSVEN WOHL

Angespielt: Anarchy Reigns

Postapokalyptische Welten gibt es in Videospielen wie Sand am Meer. Da tummeln sich dann Monster, Mutanten und Zombies, die sich natürlich perfekt als Gegner für den geneigten Spieler eigenen. Platinum Games, ein Hersteller, der sich als durchaus traditionsbewusster Neuling in der japanischen Entwicklungsszene versteht, hat zwar mehrmals mit dem Setting geflirtet, aber sich nie wirklich ran getraut.

Anarchy Reigns ist jedoch der Beweis, dass sich das eine oder andere frische Element dem altbekannten Hintergrund dann doch noch beifügen lässt. Der Prügler belebt damit auch ein Genre wieder, das sich im vergangenen Jahrzehnt eher in einer Nische befand.

Fernöstliche Dichotomien

Anarchy Reigns zeigt eindeutig, welche Vor- und Nachteile die aktuelle Entwicklungskultur mit sich bringt. Zum einen ist aus der Sicht des Gameplay alles bestens geklärt. Denn das Kampfspiel, in dem sich eigentlich alles rund um ein relativ eingängiges Kampfprinzip, das guten Tiefgang bietet, dreht, weiß durch Abwechslung und perfektes Feedback zu überzeugen. Dem gegenüber steht eine teils hanebüchene Geschichte, die sich nie entscheiden kann, ob sie sich nun eigentlich ernst nehmen sollte, oder dann doch lieber eine Parodie wäre. Selbstironie kann durchaus charmant sein, aber das konstante Augenzwinkern möchte einfach nicht so wirklich mit einer Geschichte korrespondieren, in der es um den Tod einer Sechsjährigen geht, dessen Vater versucht, Rache zu nehmen. Das abgedrehte Design der Figuren erinnert in dieser Hinsicht natürlich an die einschlägig bekannten Manga und verleiht dem Spiel viel Persönlichkeit, steht allerdings im Kontrast zu den ernsteren Momenten der Geschichte. Leider kann die Grafik nicht sonderlich überzeugen, was im Vergleich zum spirituellen Schwarz-Weiss-Vorgänger „MadWorld“ natürlich enttäuscht.

Ungewöhnlicher, aber klarer Aufbau

Die Struktur des Spiels ist eine bemerkenswerte Mischung. Zum einen gibt es zwei Handlungsstränge, die sich an einem Punkt treffen und dabei zwar teils identische Schauplätze durchlaufen, aber dafür verschiedene Missionen bieten. Dabei gibt es zwei Typen von Missionen: freie Missionen können wiederholt werden, um mehr Punkte anzuhäufen, damit die Hauptmissionen freigeschaltet werden können. Die Hauptmissionen treiben auch die Geschichte weiter. Ein separates Wertungssystem sorgt dafür, dass Jäger von Höchstpunktzahlen sich hier gleich wohl fühlen. Langlebig wird der Titel außerdem durch die vielen freischaltbaren Charaktere und einen Mehrspielerpart. Zu empfehlen ist der Prügler auf jeden Fall, handelt es sich hierbei doch um eines der solideren Titel von Platinum Games. Attraktiver wird der Titel auch durch seinen kleinen Preis (erhältlich bei „Le Reservoir“ für Xbox 360 und PlayStation 3 für 30 Euro).