LUXEMBURGDANIEL OLY

Western-Sidescroller im Comicstil

Abenteuer im Wilden Westen, Sidescrolling-Shooter und gezeichnete Grafiken haben normalerweise Eins gemeinsam: Sie sind allesamt eher ins Hintertreffen geraten. Drum stimmt der kleine Indie-Titel „Gunman Clive“ eher ungewohnte Töne an, indem es gleich alle drei Genres vereint und wieder auferstehen lässt. Gut, die Grafik ist nicht wirklich gezeichnet sondern nur im einem Handzeichnungsstil gerendert - aber das zählt trotzdem, irgendwie.

Die Backstory fällt gewohnt unkompliziert aus: Die holde Miss Johnson, die Tochter des Bürgermeisters, wird von miesen Schuften entführt und muss von Clive, dem schnellsten Schützen dies- und jenseits der Rocky Mountains, befreit werden. Prompt geht es auf in ein richtig traditionelles Action-Spiel-Abenteuer ohne tiefgründige Story und Spielmechaniken - schon fast retro. Modern ist hingegen die Option, die Rollen zu vertauschen: Wahlweise wird plötzlich aus der vormals hilflosen Miss Johnson eine schießwütig Westernheldin, die dem entführten Cowboy Clive zur Hilfe eilen muss. Nettes Detail dabei: Miss Johnson steuert sich minimal anders als ihr männlicher Konterpart, was die Plattformer-Segmente anders spielbar macht.

Ungewohnt frustrierend

Genau diese Plattformer-Segmenter sind aber auch einer der Gründe für ein beizeiten frustrierendes Gameplay. „Gunman Clive“ benutzt regelmäßig ein sehr aufwendiges Leveldesign, das nur mit präzisen Sprüngen bezwungen werden kann. Schon der kleinste Fehler sorgt für das virtuelle Ableben des Protagonisten. Da ist es wenig hilfreich, dass die Figur bei jedem feindlichen Treffer einen kleinen Hopser nach hinten vollführt, selbst im Vorwärtssprung - was nicht selten zum Absturz von der Plattform führt. Richtig frustrierend, wenn es mehrfach hintereinander passiert und es im Level keine Checkpoints gibt, um den bisherigen Fortschritt zu speichern.

Immerhin sind die einzelnen Abschnitte angenehm kurz und für sehr geübte Spieler oft unter einer Minute absolvierbar. Amüsante, abgedrehte Bosskämpfe gegen lassoschwingende Schurken oder maschinengewehrbewehrte Muskelprotze mit Elvistolle (!) sind in regelmäßigen Abständen eingebaut und sorgen für Abwechslung von den üblichen Gefechten mit Banditen, Vögeln, Enten oder Coyoten. Nach relativ kurzer Zeit ist dann zwar auch schon Schluss, aber angesichts des mehr als freundlichen Preises von knapp zwei Euro ist das auch zu erwarten. Für sein Geld erhält der Kunde hier daher hübsch anzusehende Western-Action, die an andere Zeiten zurück denken lässt.

Erhältlich für Nintendo 3DS, über Steam und im Android- und Apple AppStore.