LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Welturaufführung vom Musical „Luther! Rebell wider Willen“ in Eisenach

Die thüringische Stadt Eisenach ist eine von vielen Lutherstädten. Martin Luther (1483 - 1546) kam 1498 in die Stadt, um Latein zu studieren. Von 1521 bis 1522, mit der Reichsacht belegt, versteckte er sich unter dem Namen „Junker Jörg“ auf der Wartburg. Hier übersetzte er das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Am Landestheater Eisenach wurden bereits mit den Musicals „Elisabeth - Legende einer Heiligen“ (2007) und „20.000 Meilen unter dem Meer“ (2011) Erfolge gefeiert, und so wurde zur Lutherdekade ein Musical in Auftrag gegeben.

Erich A. Radke komponierte die Musik, Tatjana Rese schrieb das Buch und die Texte und führt auch Regie bei „Luther! Rebell wider Willen“, dessen Welturaufführung am 15. Juni war.

Teufel und Nonnen

Im Musical vermischen sich Fakten aus dem bewegten Leben von Luther (Matthias Jahrmärker) mit der Fantasie der Autorin, die z. B. den Teufel (Stefan Poslovski) ins Spiel bringt oder den Maler Lucas Cranach der Ältere (Alexander di Capri), der Luther wohl kannte, aber hier als Beobachter von Luthers Schicksal fungiert. Cranachs Porträts von Luther wie andere seiner Gemälde werden als Hintergrundprojektionen benutzt. Das Musical beginnt damit, dass Luther durch seinen Vater (Michael Brieske) verstoßen wird.

Auf einem Feld in Stottenheim versuchen Teufel Luther ins Verderben zu reißen. Er will nun Mönch werden und zieht ins Kloster nach Erfurt. Auf dem Markt in Wittenberg widern ihn die Praktiken der Ablass-Verkäufer an. Er lernt den wiederum fiktiven Schriftgießer Stephan (Tomasz Dziecielski) kennen, der Pamphlete gegen die weltliche und kirchliche Macht druckt. Luther verfasst seine 95 Thesen, und Kaiser Karl V. (Roman Weltzien) verhängt deshalb die Reichsacht über ihn. Der vogelfreie Luther versteckt sich auf der Wartburg. Zurück in Wittenberg setzt er sich für gemäßigte Reformen ein.

Wahrheit und Fantasie

Dadurch, dass sich auf der Bühne Wahrheit und Fantasie mischen und viele Namen nicht genannt werden, fällt es dem Zuschauer schwer, sich im Geschehen zurecht zu finden. Interessant ist jedenfalls die Art und Weise wie in der Lutherstadt die Kirche mit all ihren Praktiken kritisiert wird, wie auch die weltliche Macht, u. a. wird der Kaiser Karl V. zu einer Witzfigur degradiert.

Dem Musical fehlt es nicht an Rhythmus und kann ebenfalls visuell gefallen. Die Choreografien der Teufel und der Marktleute von Ricardo Fernando haben nichts Revolutionäres an sich, passen aber gut zur Musik. Musikalisch vermischen sich viele Genres, vom gregorianischen Gesang bis hin zu fetzigen Rocknummern. Insgesamt klingt die neue Komposition sehr gefällig, ohne dass sich jedoch ein Song im Ohr festsetzt.

Matthias Jahrmärker besticht durch seine tiefe Stimme, die seiner Figur eine gewisse Ruhe einflößt. Stefan Poslovski verfügt ebenfalls über eine anspruchsvolle Stimme und gefällt durch seine provokative Art, die ihm seine teuflische Rolle aufzwingt. Ganz beachtlich meistert zudem Tomasz Dziecielski seine fiktive Rolle.

Auch wenn „Luther! Rebell wider Willen“ historisch nicht exakt ist, zeigt das Musical eine Vision der damaligen Problematik, die auch heute noch Bestand hat. Außerdem hat Eisenach, wo Johann Sebastian Bach 1685 auf die Welt kam, viel Interessantes zum Thema Luther zu bieten.
Alle Informationen über das Musical findet man auf der Internetseite www.theater-eisenach.de. Gespielt wird noch bis zum 14. Juli.