DIEKIRCH
PATRICK WELTER

Kleine, feine Ausstellung des André Citroën Club Luxembourg im Automobilmuseum Diekirch

Diesen Bericht muss man gleich mit einem großen Lob anfangen. Der André Citroën Club Luxembourg hat im Automobilmuseum Diekirch, offiziell: „Conservatoire National de Véhicules Historiques“, eine sicherlich vergleichsweise kleine aber dafür feine Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen der Marke Citroën auf die Räder gestellt. Mit einer schönen Fahrzeugauswahl, einer Sammlung an Automobilen und guten Ideen wird noch bis Ende August der besondere Geist der Marke mit dem Doppelwinkel vermittelt. Schon das Markenzeichnen, das zwei ineinandergreifende Zahnräder symbolisiert, macht das Prinzip deutlich - hier steht das Ingenieurswesen im Mittelpunkt. André Citroën war ein genialer Ingenieur, aber nicht der beste aller Kaufleute, schon anfangs der 1930er wurde der Hersteller von Michelin übernommen. Die Entwicklung des genialen „Traction Avant“ hatte einfach zu viel Geld verschlungen. Den wirtschaftlichen Erfolg des „Long sellers“ der in verschiedenen Motorisierungen bis über das Erscheinen der DS (1955) bis 1957 im Angebot bleib, durften dann die neuen Herren genießen.

Quer durch die Modellgeschichte

Der unvermeidliche 2CV eröffnet den Reigen der Ausstellungsautos, allerdings in der denkbar härtesten Ausführung. Der 2CV AZU aus dem Jahr 1960, also eine Kasten-Ente, wirkt noch karger als die schon spartanische Limousine. Hinten eine geräumige aber dunkle Wellblechhöhle, zwei Gartenstühle vorne, ein winziger Fahrradtacho - die Tachowelle trieb auch die Scheibenwischer an - und schmale 12 PS mussten dem Kleingewerbe reichen. Was sie offensichtlich taten.

Die Pferde ziehen vorn

Das rote Cabriolet ein Stück weiter gehört zu den seltenen und teuren Exemplaren der Traction Avant Familie, dieser 11 CV, ein Zwei-Liter-Vierzylinder mit 46 PS, ist richtig glamourös. Ein hübsches Detail ist der Schwiegermuttersitz im Heck: Durch Öffnen des Kofferraumdeckels, unter dem sich zwei Notsitze verstecken, wird so aus dem Zwei- ein Viersitzer.

Der von Andre Citroën durchgesetzte Frontantrieb ermöglichte einen tiefen Schwerpunkt, die Konstruktion eines Fahrschemels und den Aufbau einer selbsttragenden Karosserie. Das Auto war extrem fortschrittlich für seine Zeit, was die verschiedenen Derivate des Traction Avant heute noch zu alltagstauglichen und verkehrssicheren Oldtimern macht.

Von den Reisequalitäten dieser Autos zeugt der benachbarte 15 CV, unter der etwas längeren Haube steckt ein Drei-Liter-Sechszylinder mit 77 PS - vor dem Krieg durchaus eine Ansage. Das ausgestellte Exemplar mit seinen zahlreichen Abzeichen und Plaketten ist das Abbild eines lebendigen Clublebens. Diese schwarzen Limousinen haben alle geliebt, Gangster, Kommissar Maigret und leider auch die Gestapo.

Göttin und Idee

„Oh, schau mal eine DS!“, der Ausruf ist verständlich, aber leider falsch und dennoch eine lässliche Sünde. Denn eine DS auf den ersten Blick von einer ID zu unterscheiden gelingt wohl nur Experten. In Diekirch steht jetzt eine ID, als Break der zweiten Generation mit Doppelscheinwerfern unter einem gemeinsamen Abdeckglas. Der Clou waren das mechanisch mitlenkende Fernlicht. Kurvenlicht ist also ein alter Hut.

Wieso neben der Göttin noch eine Idee? Nach Einführung der spektakulären DS mit ihrem hydropneumatischen Fahrwerk und dem Auslaufen des Traction Avant fehlte es Citroën am Mittelbau, denn ansonsten gab es nur noch den 2CV. Die Lösung hieß ID, eine abgespeckt Version der DS, die mit einfacherer Ausführung und schwächeren Motoren preisgünstiger angeboten werden konnte.

Um die Ecke stehen in einer „Werkstatt“ drei frühe Citroën aus der Zeit des konventionellen Antriebs, also Motor vorn, Antrieb hinten, daneben noch ein 7CV.

Historisch am interessantesten ist der 5CV Torpedo, der kleine Zweisitzer mit 12 PS war so etwa wie ein Massenmodell (80.000 Stück) der 1920er und machte Autofahren auch für den Mittelstand erreichbar. Das größte Lob kam von den Gebrüdern Opel, die den 5 CV frech kopierten und als Opel 4 PS, allgemein „Laubfrosch“ genannt - da nur in Grün lieferbar - erfolgreich auf den deutschen Markt brachten (›100.000 Stück). Opel hatte vor Gericht dank eines veränderten Kühlers Glück, juristisch war es kein Plagiat.

Schwarze und gelbe Kreuzfahrt

Zahlreiche Ausstellungsstücke in Vitrinen flankieren die weiteren Wagen. Spielzeug, Comics, Citroën-Memorabilia erzählen von der Geschichte der Marke. So hat der Citroën-Club auch das Problem gelöst, für zwei der sagenhaftesten Ereignisse der Automobilgeschichte kein Originalfahrzeug vorstellen zu können. Es geht um die Citroën-Kégresse, sogenannte Halbkettenfahrzeuge - Räder vorne und Raupenketten hinten. Damit gelang es 1924-1925 bei der „Croisière noire“ zum ersten Mal, Afrika mit dem Auto zu durchqueren. Ein paar Jahre später ging es auf der „Croisière jaune“ von Beirut bis Peking. Zeitgenössische Bücher, Karten, Comics und vor allem zahlreiche Modellautos illustrieren diese fantastischen Reisen.

Ein Besuch der Ausstellung in Diekirch ist rundum empfehlenswert, denn es gibt noch mehr zu sehen.

Expo Citroën, noch bis zum 31. August 2019 - Automobilmuseum, 22, rue de Stavelot in Diekirch - geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 18.00.