LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

600 Teilnehmer diskutierten auf der sechsten „Cross Border Distribution Conference“

Die Fondsindustrie ist der stärkste Pfeiler der Luxemburger Finanzindustrie und trägt den Löwenanteil dieses Bereichs zum Staatsbudget bei. Daher verfolgten Finanzwirtschaft und Politik aufmerksam, was gestern auf der sechsten „Cross Border Distribution Conference“ im „European Convention Center“ diskutiert wurde. Rund 600 Teilnehmer hatten sich zum Branchen-Event unter dem Titel „Harnessing Innovation to enhance opportunities for investors and fund managers“ eingefunden, der von Deloitte und der Kanzlei Elvinger Hoss Prussen in Partnerschaft mit der „Financial Times“ ausgerichtet wurde.

Herausforderungen für die Branche

Der Branche geht es gut; ganze 15 Trillionen Euro sind in europäischen Fonds angelegt. Bislang verlief der grenzüberschreitende Vertrieb reibungslos, besonders in spezialisierten Zentren wie Luxemburg und Irland. Aber die Branche steht vor Herausforderungen. Zum einen sorgt der Brexit für Unsicherheit, vor allem bei der Finanzaufsicht und den Regulierern. Das sorgt für Unmut. So wies Jacques Elvinger in seiner Begrüßung darauf hin, dass man nichts reparieren müsse, was nicht beschädigt sei. Im Klartext: Die Luxemburger Fondsbranche war mit der Überwachung durch die hiesige Finanzaufsicht CSSF bislang sehr zufrieden und sieht keinen Bedarf, dies in die Hände der Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zu übergeben. Manch einem stößt es sauer auf, dass durch eine solche Entscheidung die CSSF als nicht kompetent klassifiziert wird.

Den Standort verteidigen

Zum zweiten steht die Branche durch Regulierungen - insbesondere durch die seit Jahresbeginn gültige MiFID II - und Preiswettbewerb bei Gebühren und Vertrieb unter Druck, wodurch eine weitere Dezentralisierung möglich ist. Zum dritten bringt der technologische Wandel Veränderungen mit sich und verlangt Investitionen. Viertens wollen Investoren mehr Informationen und nicht zuletzt im Kontext des Klimawandels erfreuen sich Alternative Investmentfonds zunehmender Beliebtheit. Kurz: Luxemburg als führender Standort für Fonds in Europa und zweiter Fondsplatz weltweit hinter den USA muss sich Gedanken machen, wie es seinen Platz verteidigt.

Aus den USA kam der Gastredner Marc Chandler, der als weltweiter Leiter der Währungsstrategie bei Brown Brothers Harriman den Akzent auf die Globalisierung legte. Chandler erinnerte daran, dass die Globalisierung mit dem Fall der Berliner Mauer richtig begonnen habe und fragte, ob sie durch den derzeitigen Populismus verändert oder verhindert werden könnte. Sein Fazit: „Das System ist resilient.“ Auch die Zahlen sprächen dafür. So sei der Anteil von grenzüberschreitenden Fonds in Europa von 34 Prozent vor zehn Jahren - also vor der Finanzkrise - auf 41 Prozent in 2016 gestiegen. Auch der Anteil ausländischer Anleger an den Portfolios steige. „Es gibt weder Währungs- noch Handelskriege“, unterstrich Chandler. Er zeigte sich zuversichtlich, dass vorhandene Systeme trotz Inflation, steigendem Druck aus China, möglicher Blasen am Aktienmarkt durch den Niedrigzins oder Populismus halten.

EU will grenzüberschreitendenVertrieb von Fonds erleichtern

Mit Spannung erwartet wurde die Rede von Sven Gentner. Der Leiter des Bereichs Asset Management der Generaldirektion Finanzstabilität und Kapitalmärkte (FISMA) bei der EU-Komission lobte: „Wir haben einen guten Investmentfondsmarkt in der EU mit starken Zahlen.“ Doch grenzüberschreitend gebe es noch viel Potential. So würden über 90 Prozent aller alternativen Investmentfonds nur in einem Staat angeboten. „Der Markt bleibt sehr fragmentiert“, bedauerte Gentner. Das erklärte Ziel der EU-Komission sei es, Investmentfonds in der EU den grenzüberschreitenden Vertrieb zu erleichtern. Die Anwesenheit Gentners sorgte für den politischen Akzent; auch der ehemalige Finanzminister Luc Frieden war anwesend, allerdings in seiner Eigenschaft als Partner von Elvinger Hoss Prussen.

EU-Initiative Anfang März

Der Mann aus Brüssel weiß, dass Regulierungskosten eines der großen Hindernisse sind, aber auch unterschiedliche Anforderungen und lokale Vorschriften sorgen für Schwierigkeiten. Deshalb will die EU Anfang März eine Initiative gegen überflüssige Regulierungen starten. „Wir wollen mehr Transparenz bei Gebühren, lokaler Präsenz, Bewertung und Marketing. Das ganze System kann stark vereinfacht werden“, meinte Gentner.

CSSF-Generaldirektor Claude Marx legte bei einem anschließenden Interview durch Deloitte-Partner Lou Kiesch den Standpunkt seiner Institution dar. „Wir müssen bei den Verhandlungen realistisch bleiben und nicht noch viele neue Fässer aufmachen“, warnte er. Damit klang die Büchse der Pandora an. „Ich bin offen für Veränderungen, aber skeptisch, wenn alles wieder und wieder durchgekaut wird, davon würde ich Abstand nehmen und rate, pragmatisch zu bleiben“, schloss Marx.