LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Überfall auf Rentnerehepaar endet mit Plädoyer der Anklagevertretung

Im Prozess gegen die vier Täter, die 2008 ein Rentnerehepaar in Bereldingen brutal überfallen haben, verlangte die Anklage gestern bis zu 16 Jahre Gefängnis. Der Prozess war Ende November aus Zeitgründen auf den gestrigen Dienstag vertagt worden.

Den Raub, den die drei Männer und eine Frau begangen haben, liegt fast zehn Jahre zurück. Die Entschuldigung ihrer Peiniger hat die 83-jährige Witwe bis heute nicht akzeptiert. „Ich hoffe sehr, dass ich die Bande so schnell nicht wiedersehe“, sagte sie am Dienstag. „Auch wenn es mir wieder ganz gut geht, plagen mich manchmal Angstzustände“, sagte sie. „Ich bin froh, wenn der Prozess vorbei ist.“ An fünf Verhandlungstagen hat das Gericht rekonstruiert, was an jenem 23. Dezember 2008 geschah.

Am Dienstag wurde der Prozess mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft fortgesetzt. Der Anklagevertreter ließ die Fakten in seinem Plädoyer noch einmal Revue passieren:

Erster Schlag bereits an der Tür

Am 23. Dezember 2008 klingeln Amandine U. (31) und Kevin H. (34) gegen 16.00 bei dem Ehepaar, damals 83 und 73 Jahre alt, in Bereldingen. Die 73-jährige Frau kennt die beiden Personen. Sie hatten sich einen Tag vorher bei ihr als Ehepaar ausgegeben und sich die Wohnung angesehen, die zum Verkauf stand. Die 73-Jährige schloss „völlig arg- und wehrlos“ die Wohnungstür auf. Noch in der geöffneten Tür kassiert sie den ersten Schlag - weitere Schläge folgten. Zwei weitere Komplizen, Sendy F. (41) und Marouan H. (36), drängten sie ins Haus. Irgendwann merkten die Räuber aber, dass sie es mit einer starken Gegnerin zu tun haben. Deshalb prügelten die Räuber auf ihren 83-jährigen Mann ein, bedrohten ihn mit einem Messer und einer Pistole. Die Räuber entwendeten schließlich aus dem Tresor wertvollen Schmuck, ließen wertvolle Schals und Handtaschen mitgehen.

Notgedrungen gestanden die drei Männer vor Gericht den Raubüberfall. Sie leugneten, schoben sich gegenseitig die Schuld der Gewalt zu. Da die Aussagen widersprüchlich waren, stellte sich die Frage, wer hier die Wahrheit sagte und wer nicht. Unbestritten ist lediglich, dass die Angeklagten an jenem Tag am Tatort waren. Die drei Männer waren zusammen mit der Frau zum Haus nach Bereldingen gefahren, um sich bei dem Rentnerpaar eine größere Summe aus dem Tresor zu beschaffen (das „Journal“ berichtete). F. behauptete aber nachträglich, der Restaurantbesitzer Kenan D. hätte ihn beauftragt, wichtige Dokumente aus dem Tresor zu stehlen. Ob die Täter ein Team darstellten, das professionell und organisiert vorgegangen sei, ließ der Anklagevertreter offen. Die vier hätten zwar ein arbeitsteiliges, vertrautes und eingespieltes Verhalten an den Tag gelegt, ob dies aber als „Bande“ zu sehen sei, könne nun nicht bewiesen werden, meinte Laurent Seck.

Bewährungen nicht ausgeschlossen

Aus den genannten Gründen sei es dem Gericht überlassen, den Qualifikationsgrund der Bandenmäßigkeit als erfüllt oder nicht erfüllt anzusehen. Der Staatsanwalt attestierte den drei Männern eine „enorme kriminelle Energie.“

Die Tat, heißt es in der Anklageschrift, sei „besonders skrupellos“ und „besonders verwerflich“. Der Anklagevertreter ist nach übereinstimmenden Aussagen der Beschuldigten der Ansicht, dass die Idee zu dem Raub von Kenan D. und Sendy F. gekommen sei. Wegen Anstiftung zu Raub, Freiheitsberaubung und Diebstahl mit Gewalt plädierte der Staatsanwalt auf ein Strafmaß von jeweils 16 Jahren für Kenan D. und Sendy F..

Für Marouan H. forderte der Anklagevertreter 16 Jahren, für Kevin H. eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren, Bewährung nicht ausgeschlossen. Für Amandine U. verlangte der Anklagevertreter eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren, auch hier sei Bewährung möglich.


Das Urteil wird am

17. Januar 2019 gesprochen