LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Fachtagung der Denkmalpflege über die Erhaltung feudaler Bauten

Die Bourscheider Burg

Ein wichtiger Zeuge des Feudal-Erbes

Spricht man hierzulande von Feudal-Erbe oder Erbe des Mittelalters, denkt jeder gleich an die Schlossanlage von Vianden. Neben Burg Vianden gibt es einen weiteren Zeuge dieser Ära: die Burg Bourscheid. Von dreieckiger Form, liegt Burg Bourscheid 150 Meter über der Sauer auf einem Felssporn.
Um das Jahr 1000 wurde aus einer primitiven hölzernen Befestigungslange eine erste Burg aus Stein. Ausgrabungen brachten römische, merowingische, karolingische und ottonische Spuren zu Tage. Von dieser ersten romanisch-gotischen Burg zeugen heute nur noch der Bergfried und die Ringmauer (heute innere Ringmauer), wie in einem Faltbaltt der „Association des Châteaux Luxembourgeois“ nachzulesen ist.
Die mit acht Türmen bewehrte, äußere Ringmauer wurde um 1384 fertig gestellt. Gleichzeitig entstand das „Maison de Stolzembourg“ mit seinem gotischen Kellergewölbe. Nach 1472 entstand die Vorburg mit der geschützten Toranlage, der mächtigen Artilleriebastion und einem von vier Türmen flankierten Graben, der von einer Zugbrücke gesichert war, liest man weiter.
Als 1512 der letzte Herr derer von Bourscheid ohne Nachkommen starb, errichteten seine Erben drei verschiedene Wohnungen auf der Burg: die von Metternich im alten Palas und im Bergfried, die Zant von Merl im unteren Teil der Oberburg und die von Ahr im „Maison de Stolzembourg“.
1936 wurden die Ruinen als „historisches Denkmal“ klassiert und 1972 von Staat aufgekauft. Sether wurden das „Maison de Stolzembourg“ und die Pförtnerwohnung wieder aufgebaut, die Türme erhielten neue Dächer.
Am vergangenen 2. Oktober wurden, nach mehrjähriger Arbiet, die neuesten Räumlichkeiten der Bourscheider Schloss im Beisein des damaligen Kulturstaatssekretär Guy Arendt ihrer Bestimmung übergeben. Die beiden ersten Etagen des „Maison de Stolzembourg“ wurden einer kompletten Renovierung unterzogen und das Gebäude wurde mit einem Anbau ausgestattet, in dem unter anderem eine Küche und ein Aufzug untergebracht wurden. Der Kostenpunkt der Arbeiten belief sich auf 3,4 Millionen Euro. In erster Linie sollen die neuen Räumlichkeiten für kulturelle Aktivitäten sowie für Empfänge und Banketts genutzt werden. Mit Nachdruck unterstrich Arendt damals die große Bedeutung“ von Burg Bourscheid „in Sachen Kulturerbe, Tourismus und Geschichte unseres Landes“.

Da sich unter Kunsthistorikern und Architekten über nichts so gut streiten lässt, wie über Denkmalschutz, konnten sich das nationale Denkmalamt „Service des sites et monuments“ und seine Mitorganisatoren am Mittwoch über regen Zuspruch für die Fachtagung „Reconstruction et mise en valeur du patrimoine féodal et fortifié“ freuen.
Die verschiedenen Aspekte und Aufgaben der Denkmalpflege standen im Vordergrund. Reicht es aus, den Abriss eines historischen Gebäudes zu verhindern? Ist es zulässig ein Baudenkmal auf eine Stilepoche zu reduzieren und beispielsweise aus einem im Kern mittelalterlichen Gebäude alle barocken Einbauten zu entfernen? Nein. Darf man eine seit Jahrhunderten niederliegende Ruine wieder aufbauen? Vielleicht. Muss man exakt rekonstruieren oder kann man frei nachempfinden wie es im 19. Jahrhundert der Architekt Viollet-le-Duc in Frankreich und die preußischen Prinzen am Rhein getan haben?

Unterschiedliche Schulen

Mit Beispielen aus Frankreich, Deutschland, Luxemburg und Großbritannien wurden die verschiedenen Aspekte des Denkmalschutzes an repräsentativen Großbauten dargestellt. Im historischen Rückblick standen sich der von Viollet-le-Duc freiinterpretierte Wiederaufbau von Carcassonne und die Erhaltung des Heidelberger Schlosses als Ruine gegenüber. Mit Bezug auf die Charta von Venedig, die seit 1964 die Grundsätze der Denkmalpflege festlegt, erläuterte Professor Florian Hertweck, Architekt und Professor an der Universität Luxemburg, den zentralen Begriff der Authentizität. Entsprechend stand sein Vortrag unter dem pragmatischen Titel „Erhalten, nicht simulieren!“ Eine Auffassung mit der er bei der Mehrheit der Zuhörer offene Türen einrannte.

So nicht!

Er ging ausführlich auf eines der umstrittensten zeitgenössischen Rekonstruktionsobjekte ein – den sogenannten Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Das Schloss war im Krieg nur beschädigt, aber 1950 auf Befehl der DDR-Machthaber gesprengt worden. Mit dem Argument eine Leerstelle im Zentrum der Stadt zu füllen, wurde nun ein moderner Zweckbau, das „Humboldtforum“, auf dem Grundriss des Schlosses errichtet und an drei Seiten mit der rekonstruierten Schlossfassade verkleidet - immerhin nach einem Entwurf von Franco Stella. Ein klarer Fall von Simulation oder wie Hertweck es nannte „Las Vegas.“ Er ging auch auf das Argument der Schlossbefürworter vom fehlenden Baukörper in der Stadt ein und zeigte – sogar Sonderpreisgekrönte – Entwürfe, die das vorgeschriebene Volumen und die Zahl der Fensterachsen beibehalten haben, das Gebäude aber sonst modern und reduziert interpretiert haben, um die Lehre zu füllen. In Berlin erhielt die „Simulation“ den Vorzug.