GASPERICH
CORDELIA CHATON

In Gasperich werden chirurgische Masken „made in Luxembourg“ hergestellt

Eine blaue Maske nach der anderen fällt aus der Maschine. Premier Xavier Bettel und Mittelstandsminister Lex Delles schauen interessiert zu. Aus gutem Grund: Immerhin geht es hier um die erste heimische Maskenproduktion in Luxemburg. 20.000 Masken täglich entstehen in dem Werk in Gasperich. Dazu zählen sowohl Masken für die breite Bevölkerung als auch Masken, die das medizinische Personal benötigt.

„Wir können bei Bedarf auch noch eine zweite Produktionslinie einrichten und sogar FFP2-Masken produzieren“, sagt Michel Schuetz, Direktor von Santé Services S.A. und Verwaltungsdirektor der Hôpitaux Robert Schuman. Er hat das Projekt ins Leben gerufen. Santé Services ist eine Tochter der Hôpitaux Robert Schuman. Sie wurde zunächst 2001 gegründet, um die Restaurant-Aktivitäten zu koordinieren.

Doch als die Coronakrise anfing, brauchten alle Masken. Santé Services kümmert sich seit der Krise um die Versorgung mit allen Artikeln, für die ein Bedarf besteht. Dabei half Schuetz seine Erfahrung in der Industrie, wo er lange im Bereich Operations und Supply Chain tätig war. Damals hatte er gelernt: „Kriege gewinnt man mit der Logistik im Backoffice.“ Schuetz kümmerte sich um die Beschaffung von Masken, Handschuhen, Schutzbrillen, Tyvekanzügen, wasserdichten Mänteln, Hauben, Beatmungsgeräten, Desinfektionsmitteln, aber auch Putzmitteln, Zelten, Betten, Thermalkameras, Desinfektionsmitteln und Einweggeschirr für die Kantine.

Masken werden vor allem in China produziert, das selbst einen erhöhten Bedarf hatte und Anfragen aus aller Welt erhielt. Dank einer Kooperation mit Amazon und einem Team von freiwilligen Mitarbeitern des Logistikriesen schaffte Schuetz es, alles zu besorgen, damit der Krankenhausbetrieb lief. Das war bei einem Verbrauch von 35.000 Handschuhen und 4.000 Masken täglich keine einfache Aufgabe. Bei manchen Artikeln stieg der Bedarf um den Faktor 20 oder 30 im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Schon zu diesem Zeitpunkt war für Schuetz klar, dass man aus der Krise lernen muss. Er wollte eine heimische Produktion wichtiger Schutzartikel. Denn auch eine Zwischenlösung durch eine Produktion von Schutzanzügen und Masken in den Ateliers von Eva Ferranti in Bascharage war nur eine vorrübergehende Lösung.

Schuetz kümmerte sich bereits im Mai darum, seinen Plan umzusetzen und suchte nach einer Maschine, die Masken produziert. Die fand er über einen chinesischen Importeur. Allein sie nach Luxemburg zu holen war ein Abenteuer. „Sieben Zwischenlandungen gab es!“, erinnert Schuetz sich.

Eine eigene Plattform

Die Maschine sollte allerdings nicht nur für die der Hôpitaux Robert Schuman produzieren, sondern auch für Pflege- und Altenheime, Vereine, Praxen oder Akteure im wirtschaftlichen oder industriellen Bereich. Sie alle hatten Bedarf an vertrauenswürdigen, qualitativ hochwertigen Masken angemeldet. Zu oft war es in der Krise zu Ausfällen oder fehlerhaften Lieferungen gekommen. Schuetz hat daher die Plattform MedLogistics.lu ins Leben gerufen. Ihre Hauptaufgabe ist die Versorgung des professionellen Gesundheitssektors mit Material.

Dafür hat er auch Unterstützung seitens der Politik erhalten. Die Generaldirektion für Mittelstand hat den Kauf der Maschine für die Maskenproduktion mit einer Subvention in Höhe von 200.000 Euro zu einem sehr wesentlichen Teil von rund zwei Dritteln finanziert. Auch Luxinnovation ist ein Partner des Projekts und hat bei der Zertifizierung geholfen, denn die Masken haben alle möglichen Tests bestehen müssen. Und das Außenministerium hat die Luxemburger Maskenproduktion bei der Verpackung „made in Luxembourg“ unterstützt.

Die Maschine fertigt die Masken aus verschiedenen Materialien; zwei Außenschichten von „Spunwound“ und eine Mittelschicht von „Meltblown“. Dazu kommt der Nasenbügel und die Ohrgummis. Diese Materialien stammen bis auf die Gummis aus Europa, um eine gewisse Versorgungssicherheit zu gewährleisten. „Für die Gummis sind wir noch auf der Suche nach einer Lösung“, versichert Schuetz.
Die Politiker zeigten sich sehr angetan bei ihrem Besuch vor Ort. Premier Xavier Bettel erinnerte daran, wie anfangs alle nach Asien geschaut hatten, um dort Masken einkaufen zu können. „Wir sind beruhigt, weil wir einen Teil der Produktion jetzt hier im Land haben“, sagte er. Für ihn ist die Produktion ein Teil des Erfolgsmodells Luxemburgs. „Eine gewisse Unabhängigkeit zu haben, ist für Luxemburg wichtig“, unterstrich der Premier.

Mittelstandsminister Lex Delles unterstrich, wie schnell und unbürokratisch alles gelaufen sei und bedankte sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement.

Die aktuelle Kapazität liegt bei fünf Millionen Masken jährlich bei einer Laufzeit der Maschine von sieben Stunden täglich an fünf Tagen und kann auf maximal 40 Millionen Masken pro Jahr gesteigert werden. Dann zieht die Produktionszeit entsprechend an. Im Schnitt werden derzeit 20.000 Masken täglich produziert, aber diese Marke soll schnell anziehen. Die Kosten der Maske „Made in Luxemburg“ liegen bei 22 bis 25 Cent pro Maske. Masken aus China hingegen sind für vier bis 16 Cent pro Stück zu haben. Da Subventionen geflossen sind, sollen Masken - beispielsweise an das Croix Rouge - zu einem wesentlich günstigeren Preis abgegeben werden können.

Santé Services beschäftigt derzeit acht Mitarbeiter. Sie arbeiten in zwei Schichten. Die Fertigung läuft seit über 40 Tagen. Sie findet in einer rund 150 m2 großen Halle statt, die innerhalb einer bestehenden Produktionshalle der Saint-Paul Gruppe aufgebaut wurde. Hier herrschen spezielle Bedingungen mit Blick auf die Hygiene. Und es gibt auch noch Platz genug, die Produktion auszuweiten, wie die Verantwortlichen betonen.

Für die Masken wurden Tests durchgeführt, die nachweisen, dass die bakterielle Effizienz des Typ1 - jene für die Bevölkerung - bei 95 Prozent und bei Masken des Typs zwei - für das medizinische Personal - bei 98 Prozent liegen. Die Masken sind bislang blau, weil dies das günstigste und beste Material ist. Andere Farben sind im Prinzip möglich. So wurde eine rosa Version erstellt, bei deren Verkauf ein Euro einer Brustkrebshilfe-Organisation zu gute kommen soll.

Santé Services hat vor rund einem Monat eine weitere Maschine gekauft, mit der FFP2-Masken produziert werden sollen. Sie befindet sich derzeit noch im Testlauf, der noch einigen Wochen dauern wird. Dann aber ist eine Ausweitung der Produktion sehr wahrscheinlich.