LUC SPADA

Erste Kolumne im neuen Jahr. Da gerät man sofort unter Druck. Es muss was Besonderes sein. Es soll ernst sein. Aber auch witzig.

Irgendwie sexy, aber nicht zu offensiv. Erotisch, es soll also erotisch sein, aber geheimnisvoll, nicht alles offenlegen, nein, NIEMALS ALLES OFFENLEGEN.

Es soll um mich gehen, natürlich soll es um mich gehen. Es ist MEINE Kolumne. Leider habe ich keine GUTEN Vorsätze. Ich rauche nicht, ich kann also nicht aufhören, aber ich könnte anfangen. SCHLECHTE Vorsätze sind sowieso cooler. Trinken, da brauch ich gar nicht erst anzufangen, das ziehe ich konstant durch. Darf ich das sagen? So sagen? Glaubst Du nun, ich hätte ein Alkoholproblem? Keine Angst, es ist alles ok.

EINER GEHT IMMER NOCH. Ja, da waren sich alle einig.

Ein toter Musiker, ein toter Zeichner, ein toter Schauspieler mehr, geht immer noch. Jetzt habe ich da nicht überall MusikerIN, ZeichnerIN, SchauspielerIN hingeschrieben. Sorry. Aber natürlich wissen wir alle, dass Frauen auch sterben. Das hat der Feminismus wirklich gut gemacht. Daumen hoch.

2017 müsste, nach dem großen Sterben, das Jahr sein, wo niemand mehr sterben wird. Ich glaube, das wär ganz gut, um die Fronten zwischen Trauernden und Nicht-Trauernden etwas zu entschärfen.

Da gab es Leute auf Facebook, die hatten jeden Tag ein neues Bild hochgeladen von irgendjemanden, der wieder gestorben ist, regelrechte Trauermaschinen, Klageweib 2.0, und irgendwelche anderen Leute kommentierten dann dagegen:

„Ey Du! Was trauerste denn jetzt wegen George Michael? Du hast doch mal gemeint, Du magst sein aggressives Schwulsein nicht. Und Carrie Fisher? Hä? Du hast doch noch nicht einen einzigen Star Wars Film gesehen? Du trauerst doch gar nicht.“

„Ja, und? Vielleicht bin ich traurig, dass Menschen sterben.“

„Du bist traurig, weil Du sterben wirst.“

„Ja und? Ich gebe es halt zu, dass ich nicht gerne mit der Endlichkeit konfrontiert werde. Und vor allem nicht so oft. Jeden Tag nur Tod.“

„Dann trauerst Du ja nur wegen Dir selbst. Du benutzt also

den Tod von Prominenten, weil Du mit Deinem eigenen Tod

nicht klarkommst.“

So oder so ähnlich streiten sie von 16 zu 17 zu 18 usw. und ich denke dann manchmal, wirklich schön, dass alles endlich ist. Dass alles ein Ende hat, nur die Wurst nicht.

Seitdem ich meine Fanpage auf Facebook gelöscht habe, und alle aufforderte, mein Freund oder meine Freundin zu werden, wird mein News Feed jeden Tag interessanter, belangloser und konfliktreicher. Ich weiß, dass das widersprüchlich klingt. Aber so ist es nunmal.

Ich lerne quasi, äh, das Volk kennen. Das Volk ist mein Freund. Freundin. Das Volk, irgendwas zwischen Katzenbaby, Angst, Beschimpfung, „teile jetzt und Du gewinnst“ und frohes neues Jahr.

Ja, frohes neues Jahr.