LUXEMBURG
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Das Jahr 2018 ist ein wichtiges für das Hochschulwesen in Luxemburg. Vor allem, weil die Reform der 2003 gegründeten Universität, dem Herzstück des Hochschulsystems, greifen wird - zum 1. August, wie es in der Gesetzvorlage steht. Im Interview zeigt sich der delegierte Hochschulminister Marc Hansen zuversichtlich, dass die Arbeiten an der Reform, die im Mai 2017 auf den Instanzenweg ging, vor der Sommerpause abgeschlossen werden können. „Wir haben jedem zugehört und uns intensiv mit den Anmerkungen und Sorgen beschäftigt“, erklärt Hansen, für den besonders wichtig war, die Autonomie der Universität zu stärken.

 Uni-Reform: zum 1. August in Kraft

So soll beispielsweise künftig der Rektor nicht mehr von der Regierung, sondern vom „Conseil de Gouvernance“ genannt werden, dem Gremium, das die strategischen Entscheidungen für die Ausrichtung der Uni trifft. In ihm werden künftig auch Vertreter von Personal und Studenten mit Stimmrecht sitzen. Das neue Gesetz, in dessen Entwurf eine ganze Reihe von Änderungen eingeflossen sind, wurde am 9. Januar vom zuständigen parlamentarischen Ausschuss für eine weitere Begutachtung an den Staatsrat weiter vermittelt.
Hansen erhofft sich einen neuen Schub für die Uni, die aus einer schwierigen Phase kommt. 2017 tauchten Probleme in der Buchhaltung auf. Anfang Mai trat Rektor Rainer Klump von seinem Amt zurück, Ludwig Neyses, der Vizerektor für Forschung übernahm die Interimsleitung einer Uni, deren Fakultäten plötzlich einen Sparkurs zu bewältigen hatten, was eine Menge Unruhe stiftete.

30 Prozent mehr öffentliche Mittel für die Universität

„Es wurde alles durchforstet in einer umfassenden und exzellenten Arbeit“, sagt Marc Hansen, „die Finanzen der Uni sind heute korrekt und transparent.“ Gerade haben Regierung und Uni den neuen Vierjahresplan 2018-2021 besiegelt, der eine öffentliche Finanzierung von 766,84 Millionen Euro vorsieht, ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum letzten Vierjahresplan. Hinzu kommen 26 Millionen Euro für ein neues Medizinstudium, das sich momentan auch mit der Expertise des „Luxembourg Center for Systems Biomedecine“ in Ausarbeitung befindet. Auch Konventionen mit den anderen Forschungsakteuren wurden abgeschlossen. Insgesamt wendet der Staat knapp 1,45 Milliarden Euro dafür auf, ein Plus von knapp 25 Prozent gegenüber den auslaufenden Konventionen. „Eine solche Steigerung ist einzigartig im europäischen Kontext“, unterstreicht Marc Hansen, der vor kurzem auch den neuen Uni-Rektor Stéphane Pallage vorstellte. Der gebürtige Belgier und ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler war zuletzt Leiter der „School of Management“ an der Universität von Québec in Montreal und will die Uni Luxemburg zur „Weltklasse“ führen. Sie bietet momentan zwölf Bachelor-Diplome und 42 Masterdiplome und doktorale Studien laut den Bologna-Verträgen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile 13 Studiengänge und Zertifikate, die in Weiterbildungskursen errungen werden können. Die meisten davon wurden mit Partnern aus Luxemburg und darüber hinaus aufgebaut. Beispiele sind etwa der „Master in Entrepreneurship and Innovation“ mit der Handelskammer, der kürzlich sein zehntes Jubiläum feierte, der Master in IT-Sicherheit, der von Uni und dem „Luxembourg Institute of Science and Technology“ aufgelegt wurde oder aber der Bachelor in Sozial- und Erziehungswissenschaften, der seit diesem Jahr durch eine Zusammenarbeit zwischen Uni und Arbeitnehmerkammer auch in Abend- und Wochenendkursen absolviert werden kann.

Bündelung des Uni-Weiterbildungsangebots

Im neuen Gesetzentwurf ist übrigens ein „Centre de gestion pour la formation continue et professionnelle universitaire (Groupement d‘intérêt économique)“ vorgesehen, welches das universitäre Weiterbildungsangebot bündeln soll. Marc Hansen findet es wichtig, dass die Uni sich auf diese Art und Weise nach außen öffnet. Die Entwicklung des Angebots sei freilich eine Sache des Gleichgewichts zwischen Nachfrage und Finanzierungsmöglichkeiten.
Bezüglich der starken Entwicklung des Angebots an Hochschuldiplomen auf dem Privatmarkt sieht Hansen keine „Inflation“. Es handele sich um Geschäftsmodelle, die sich am Ende finanziell tragen müssen. Auf jeden Fall sei das Hochschulministerium sehr strikt bei der Akkreditierung von Studiengängen, die in Luxemburg angeboten werden. „Der Teilnehmer muss natürlich am Ende ein Diplom in Händen halten, das eine solide Aus- oder Weiterbildung bescheinigt und das überall anerkannt ist“, unterstreicht er. Schließlich gehe es auch um das Renommee des Landes.

BTS-Studiengänge decken sechs Bereiche ab: 24 an der Zahl

Berufliche Qualifizierungen in ganz bestimmten Berufsfeldern vermitteln: das ist das Ziel des „Brevet de Technicien Supérieur“ (BTS). Das Höhere Fachdiplom wird nach Abschluss eines zweijährigen Kurzzeitstudiums verliehen. In Luxemburg werden derzeit 24 BTS in den Bereichen Handel, Gesundheitswesen, Industrie, angewandte Künste, Handwerk und Dienstleistungsgewerbe angeboten, wie die Webseite lifelong-learning.lu informiert. Die meisten BTS-Studiengänge gibt es im Gesundheitsbereich. Relativ neu ist der BTS „technologie bois“ rund um das Material Holz. Im Bereich der angewandten Künste etwa stehen drei BTS zur Auswahl: „Cinéma et Audiovisuel“, „Dessin d‘animation“ und „opérateur prépresse“. Der delegierte Hochschulminister Marc Hansen sagt zur Entwicklung der BTS: „Das Modell funktioniert nicht schlecht“. Zusätzliche BTS-Studiengänge seien noch in Arbeit.

Vom Tourismusexperten zum Betonbauspezialisten: Breit gefächertes Angebot

Über die auf diesen Seiten beschriebenen Angebote in der Initial- und Weiterbildung im Hochschulbereich hinaus, gibt es eine Menge weiterer Kursangebote in unterschiedlichsten Bereichen. Vom Staat anerkannt sind der „Bachelor in International Hospitality and Tourism Management“, sowie der gleichnamige Master, der vom „Brussels Business Institute Luxembourg“ in Wiltz angeboten wird. Auf diesem Campus bieten die „United Business Institutes“ auch ein „Bachelor in Business Studies“.
Die Lunex-Sportuniversität in Differdingen bietet ihrerseits Bachelors und Masters in Physiotherapie, einen Master in Sport-Physiotherapie und Bachelors in Sportwissenschaft und Sportmanagement. Im vergangenen August wurde der „Master of Business Administration“ der „Luxembourg School of Business“ in Teilzeit anerkannt. Die „Sacred Heart University“ bietet ihrerseits bereits seit 25 Jahren ein MBA an. Akkrediert ist auch der „Master of advanced studies en théologie et pastorale“ des „Grand Séminaire de Luxembourg Centre Jean XXIII“ und der „Bachelor en pédagogie religieuse“ des „Institut catéchétique de Luxembourg“.
Darüber hinaus gibt es jede Menge Angebote von Hochschuldiplomen, die in Zusammenarbeit mit in einem anderen Land anerkannten Bildungsakteur angeboten werden. Die Arbeitnehmerkammer hat so über die Jahre eine Reihe von Partnerschaften mit vor allem französischen Hochschulen aufgebaut. Im Bereich Bau entstehen derzeit spezifische Hochschulstudiengänge auf Nachfrage des Sektor. Die Rede geht hier nicht nur vom „Bachelor Professionnel Manager de Chantier“, der bald vom ISEC angeboten wird, sondern auch von den „Certficats d‘Université“, die das „Luxembourg Smart Construction Institute“ der „Conseil pour le Développement Economique de la Construction“-Gruppe nun neu im Angebot hat. Dabei handelt es sich um spezifische Weiterbildungen gemeinsam mit der Uni Lüttich im Bereich der Prüfung und Reparatur von Betonbauten sowie im Bereich des „Urban gardening“.

„Brauchen eine gewisse Agilität“: Luc Henzig über die Programme des „Institut Supérieur de l’Economie“

 Das von der luxemburgischen Handels- und Handwerkskammer gegründete „Institut Supérieur de l’Économie“ (ISEC) will schnell auf Entwicklungen in der Arbeitswelt reagieren können und die Weiterbildungen anbieten, die Unternehmen brauchen. „Wir brauchen eine gewisse Agilität“, sagt Luc Henzig, Direktor für den Bereich Weiterbildung bei der Handelskammer und CEO des „House of Training“ gegenüber dem „Journal“. Aufgabe des ISEC sei es, „den Betrieben zu helfen, über Weiterbildung ihre Kompetenzen zu verbessern.“
Derzeit hat die vom Ministerium für Hochschulwesen und Forschung anerkannte Hochschule zwei neue Projekte in Planung. Im Laufe dieses Jahres rechnet Henzig mit einer Antwort in der Akkreditierungsprozedur für den Baustellenkoordinator im Bachelor. Die zweite Neuerung ist ein zusammen mit der „Université de Lorraine“ organisierter „Master en qualité d‘innovation“. Vereinfacht gesagt zielt dieser Studiengang darauf ab zu erlernen, Prozesse oder Prozeduren in Unternehmen so zu gestalten, dass die Qualität des Produkts oder der Dienstleistung garantiert ist. Die früher vom LIST angebotene Weiterbildung soll in Zukunft stärker auf die luxemburgischen Begebenheiten angepasst werden und zudem - geplant ist ab nächstem Jahr - mit einem doppelten Diplom zertifiziert werden - also sowohl von der „Université de Lorraine“ als auch vom ISEC. Einschreiben kann man sich beim „Institut Supérieur de l’Économie“ darüber hinaus noch für den berufsbegleitenden „Bachelor of Arts Business Administration“ sowie den „Master of Business Administration“. Das Angebot des ISEC wird auch in Zukunft weiter wachsen. Die Arbeiten hinter den Kulissen laufen jedenfalls, wie Henzig ausführt.

Sieben Master-Programme bietet das „Lifelong Learning Center“ derzeit: Wachsendes Angebot

Die Wurzeln des „Luxembourg Lifelong Learning Center“ (LLLC) reichen zurück ins Jahr 1971. Damals bot das Weiterbildungszentrum Informatikkurse an. Heute ist das Angebot ungleich größer und breiter und das LLLC zählt eigenen Angaben zufolge jedes Jahr rund 7.000 Einschreibungen. Auf akademischem Plan hat das LLLC derzeit sieben Master-Programme, mehrere Lizenzen und Bachelor sowie andere universitäre Kurse, die nicht unbedingt zu einem Diplom führen, im Angebot, wie Michèle Pisani, Direktionsberaterin der Arbeitnehmerkammer, auf Nachfrage erklärt. Der jüngste Neuzugang im Katalog des LLLC ist der „Master Logistique“ und der „Master Achat International“. „Sie werden in einem Kursus mit der Universität Straßburg und der Universität Panthéon-Assas in Paris angeboten“, führt Pisani aus.
Weiter im Angebot führt das LLLC den „Master Administration des Affaires“, den „Master Gestion des Ressources Humaines et Relations du Travail“, den „Master Marketing et Communication des Entreprises“, den „Master Financial Analysis and Strategy“ und den „Master Banque, Finance, Assurance, Parcours Fonds et Gestion Privé“. Im sozialen Bereich organisiert das LLLC zusammen mit der „Association des Parents d’Enfants Mentalement Handicapés“ (APEMH) einen Master in „Management des Organisations du Secteur Sanitaire et Social“. Die Kooperation läuft über die „Université de Lorraine“. Sie zielt auf Berufstätige aus dem Pflegebereich ab, die Managementfunktionen übernehmen. Anlaufen soll dieses Programm im Mai. Das LLLC plant, sein Angebot auch darüber hinaus weiter auszubauen. Spruchreif ist das allerdings noch nicht.
Pisani weist noch darauf hin, dass die Kurse für das „Certificat en Contrôle Interne“ (CICS), das auf den „Certified Internal Control Specialist“ vorbereitet, am 7. März anlaufen. Die Einschreibefrist läuft noch bis 1. März.