LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Bezirksgericht Luxemburg verhandelt ab Dienstag einen Monat lang die Wasserbilliger Drogenaffäre

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg beginnt am Dienstag einer der größten Drogenprozesse, die das Gericht je erlebt hat. Es geht um kiloweise Kokain und Heroin - ein Deal, die den 21 Angeklagten vor gut einem Jahr einen dicken Batzen Geld eingebracht haben soll.

Im Oktober 2015 konnte die Polizei einen großen Erfolg gegen die organisierte Drogenkriminalität in Luxemburg verzeichnen. Eine europaweit aktive, kriminelle Drogenbande konnte nämlich nach langfristigen Ermittlungen von der luxemburgischen Kripo-Ermittlungsgruppe-Rauschgift in gemeinsamer Zusammenarbeit mit dem Zollfahndungsamt die größte Einzelsicherstellung von Kokain und Heroin in der Geschichte Luxemburgs erfolgen.

Nigerianische „Connexion“

Die Tatverdächtigen, bei denen es sich um Staatsangehörige aus Nigeria handelt, nutzten ein Haus in Wasserbillig als Dreh- und Angelpunkt für ihre Geschäfte.

Alle 21 Angeklagten hatten zuletzt dort gewohnt. Die Bande soll - zumindest seit Ende 2014 - Kokain und Heroin im großen Stil in Wasserbillig im sogenannten „Drogenbunker“ vorbereitet und danach im Bahnhofsviertel der Hauptstadt verkauft haben.

Einige der Angeklagten sollen den Kunden den Stoff sogar nach Hause geliefert haben. Dabei wurde die Arbeit immer sorgfältig geteilt: Einer schaffte den Kontakt, einer übergab die Rauschmittel, einer passte auf, einer spielte die Bank.

Schmuggelring von den Niederlanden nach Luxemburg

Im Haus in Wasserbillig konnten sich die Straßendealer in Ruhe entspannen. Das Gebäude bot ihnen die Möglichkeit, sich den Blicken der Polizei zu entziehen, denn das Haus ist so gebaut, dass es nicht möglich ist, von außen einen Blick ins Innere zu werfen.

Für die Verwaltung und die alltägliche Überwachung des Gebäudes waren der Eigentümer Joseph E. und die Hausverwalterin Bekky T. zuständig. Die Drogenaufträge vermittelt hat jedoch immer ein Nigerianer namens Victor Ugochukwu N.

Er soll der Großverteiler der Drogen in Luxemburg sein. Ein weiterer Nigerianer, Onyeka Christian O., soll von den Niederlanden aus mit dem Großverteiler in Luxemburg zusammen gearbeitet haben.

Ermittlungen hatten zuvor ergeben, dass erhebliche Mengen an Drogen von den Niederlanden nach Luxemburg gelangten.

„Bodypacker im Einsatz“

Der Zoll vermutete, dass der Benelux-Staat zu dieser Zeit der Hauptumschlagplatz für Kokain im gesamten Luxemburg war. Der Nigerianer, der in Holland wohnt, soll Mitglied einer Bande sein, die über Drogenkuriere (so genannte „Bodypacker“, weil sie den gut verpackten Stoff runterschluckten) Kokain und Heroin nach Luxemburg brachten, um damit Abnehmer in der Landeshauptstadt zu versorgen.

Im Haus in Wasserbillig waren große Mengen Rauschgift eingelagert. Ins Rollen kamen die Ermittlungen allem Anschein nach durch anonyme Schreiben an die Luxemburger Polizei. Aufgrund konkreter Anhaltspunkte beobachteten die Ermittler daraufhin monatelang verdeckt das Bahnhofsviertel und dokumentierten verdächtige Personen.

Auch Hunderte von Konsumenten im Visier

Durch eine Mobilfunküberwachung gerieten auch Kommunikationspartner der betroffenen Anschlüsse mit ins Visier der Überwachung. Dadurch ermittelten die Fahnder Hunderte von Konsumenten.

Ende Oktober 2015 entschlossen sich die Beamten dann mit vorliegenden richterlichen Durchsuchungsanordnungen der Staatsanwaltschaft das Haus der Tatverdächtigen in Wasserbillig zu durchsuchen.

Am 27. Oktober 2015 schlugen die Ermittler mit der Unterstützung von Kollegen der Spezialeinheiten zu und drangen in das Haus ein.

Auch Rauschgiftspürhunde waren dabei im Einsatz.

Neben Kokain und Heroin und Betäubungsmittel verschiedenster Art wurden hohe Summen an Bargeld beschlagnahmt.

Dabei stellte sich heraus, dass die Bande hierarchisch aufgebaut und der Handel straff durchorganisiert war.

Mindestens 20 Verhandlungstage

21 mutmaßlichen Drogendealern konnte der Verkauf von mehreren Kilogramm Kokain und Heroin im Bahnhofsviertel nachgewiesen werden.

Die 21 Angeklagten sind Erwachsene im Alter von 25 bis 44 Jahren. Sie befinden sich seit Ende Oktober 2015 in Untersuchungshaft.

Ihnen wird illegaler Drogenverkauf und Vergehen gegen die öffentliche Gesundheit -Verstoß gegen Artikel 8. 1. des Gesetzes vom 19.02.1973 über den Verkauf von Arzneistoffen und der Bekämpfung von Drogenmissbrauch - und Hehlerei zur Last gelegt. Für den Prozess sind vier Wochen (20 Verhandlungstage) angesetzt.