LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Eine erste vorläufige Bilanz nach einem Jahr CGDIS

Bis jetzt läuft’s gut, aber man steckt weiterhin mitten im Aufbau. So kann man knapp das erste Jahr des CGDIS, des „Corps Grand-Ducal Incendie & Secours“ zusammenfassen. Wobei sich auch das Akronym „CGDIS“ sehr schnell als allgemeine Bezeichnung für den Rettungsdienst durchgesetzt.

Nicht bei Null angefangen

Obwohl statistisch eher ungewöhnlich, von Jahresmitte zu Jahresmitte, wurde gestern die Bilanz des ersten Jahres von einem Vierergremium - Innenministerin Taina Bofferding, CGDIS Verwaltungsratspräsident Alain Becker, Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer, als stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende und Paul Schroeder, Generaldirektor des CGDIS - der Presse vorgestellt. Auch der Ort war mit Bedacht gewählt, vor 367 Tagen war es noch die Feuerwache der Berufsfeuerwehr Luxemburg, gestern war es das CIS Luxemburg in der Arloner Straße. Gebäude und Aufgabe bleiben gleich, nur ist dieses Einsatzzentrum kein Solitär mehr, sondern Teil einer großen Einheit. Alain Becker betonte, dass man ja „nicht bei Null angefangen“ habe, sondern viele Dienste nun gebündelt arbeiten. Das Besondere am CGDIS sei, dass sich in dieser Anstalt des öffentlichen Rechts bisherige Einrichtungen der Kommunen und des Staates unter einem Dach wiedergefunden haben. Vor Ort ändere sich wenig, am ehesten noch der Wegfall der Gemeindegrenzen bei Einsetzen. Es gebe jetzt eine klare Kommandostruktur, eine höhere interne Mobilität und breitere Erfahrungen für alle. Die optische Umstellung auf das Logo und Erscheinungsbild des CGDIS erfolge Schritt für Schritt.

Das erste Budget des CGDIS belief sich auf 112 Millionen Euro, wovon 56 Prozent für Gehälter gebraucht werden. Aktuell gibt es eine Ausschreibung für weitere 57 Berufsfeuerwehrleute - die in Luxemburg sowohl Feuerwehrmann/Frau als auch Rettungssanitäter/in sind - und acht Offiziersstellen.

Becker meinte zur Zusammenarbeit von hauptamtlichen und freiwilligen Rettern, dass der Ausbildungsstand so gleich sein muss, dass der Patient nicht merkt, dass er von einem gemischten Team behandelt wird.

Umzug ab Ende 2020

Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer kündigte an, dass die neue nationale Rettungszentrale (CNIS) und Feuerwache für die Hauptstadt am Kreisel Gluck bis zum Herbst 2020 fertig gestellt wird und der Umzug der verschiedenen Dienste dann nach und nach erfolgt.

3.950 operative Einsatzkräfte

Generaldirektor Paul Schroeder stellte dann die Bilanz in Zahlen vor. Da es sich um einen Überblick über ersten elf Monate handelt, könne man keine verlässlichen Vergleichszahlen nennen. Aktuell gehören dem CGDIS 6.732 Rettungskräfte an, davon sind 488 professionelle Retter und 175 Verwaltungskräfte und Techniker. Ohne Jugendfeuerwehren und Veteranen stehen dem CGDIS faktisch 3.950 operative Einsatzkräfte zur Verfügung. Das Korps besteht aus 81,4 Prozent Männer und 18,6 Prozent Frauen. Bei den hauptamtlichen Feuerwehrleuten liegt der Frauenanteil bei lediglich 5,5 Prozent, bei den Freiwilligen ist jede vierte weiblich.

Im genannten Zeitraum sind 239.032 Notrufe unter der Nummer 112 eingegangen - einer alle 50 Sekunden. Die Wartezeit der Anrufer belief sich im Mittel auf sechs Sekunden. Die Notrufe zogen 55.215 Einsätze nach, das macht im Schnitt 165 pro Tag - landesweit. Nur knappe vier Prozent der Rettungseinsätze werden durch Brände ausgelöst. Die mittlere Zeitdauer von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Retter am Unfall- oder Brandort lag bei 14 Minuten, 56 Sekunden. 92 Prozent aller Unfallstellen wurden innerhalb von 20 Minuten erreicht.

Angesprochen auf eine angeblich große Zahl unzufriedener Freiwilliger in den Rettungsdiensten, meinte Schroeder, dass es natürlich eine Umstellung altgedienter Systeme und damit langer Gewohnheiten gegeben habe. Teil einer großen Struktur zu sein, sei für machen gewöhnungsbedürftig. Eine Exodus von Freiwilligen habe es nicht gegeben: „Die große Mehrheit der Leute ist geblieben“.

Ein Meilenstein

Innenministerin Taina Bofferding nannte die gelungene Reform des Rettungswesens einen „Meilenstein“, die Reform sei einfach notwendig gewesen. Sie kündigte aber gleichzeitig eine Evaluierung der Reform durch ausländische Feuerwehr-Experten an.