LUXEMBURG
INGO ZWANK

Innenministerium und CGDIS ziehen Bilanz der heißen Tage -

Bereits am Wochenende war es deutlich kühler, aber meist auch nur gemäß Thermometer, denn die Luft ist immer noch sehr schwül, sprich die ganze Sache ist fast noch unangenehmer als zur großen Hitzewelle selbst. Doch auch die Hitze könnte nur eine kleinere Pause machen.

Schon kommende Woche sind wieder bis zu 32 Grad drin und ab dem 5. August droht Mitteleuropa eine neue Hitzewelle, wenn man den Meteorologen Glauben schenken darf.

Dank an die Einsätzkräfte

Gestern ging Innenministerin Taina Bofferding, zusammen mit CGDIS-Generaldirektor Paul Schroeder, Alain Becker von der Direktion des Zivilschutzes als auch Tom Barnig, dem Direktor „Operationelle Koordination CGDIS“, auf die in den letzten Tagen durchgeführten Interventionen der Rettungskräfte in Luxemburg ein.

„Bedingt durch die hohen Temperaturen der letzten Tage waren viele Kräfte des CGDIS gefordert“, sagte Bofferding. „Es kam zu teils spektakulären Einsätzen, viele Vegetationsbrände mussten bekämpft werden.“ Doch auch viele Personeneinsätze, vor allem der „First Responder“, schlugen zu Buche. Allen Einsatzkräften, die bei der Hitze zu Schaden gekommen waren, ginge es entsprechend wieder gut. Den gesamten Korps dankte Bofferding im Namen der Regierung für seinen Einsatz.

200 Mann gleichzeitig im Einsatz

Barnig präzisierte, dass bei durchschnittlich rund 3.800 Einsätzen im Monat es rund drei Prozent mehr in diesem Juli waren. 180 Brände seien durchschnittlich im Monat zu bekämpfen, vergleichsweise waren es 270 im Juli 2018, 242 seien es aktuell im Juli 2019 gewesen, eben mit vielen Vegetationsbränden. „Am letzten Donnerstag war dann für uns ein besonders einsatzreicher Tag, Hamm und Rümelingen sorgten dafür, dass über 200 Wehrleute gleichzeitig im Einsatz waren. Über 500 Wehrleute waren so bei den letzten Vegetationsbränden im Einsatz“, führte Barnig weiter aus.

Die Diskussion um Löschhelikopter und ihren Einsatz bei Waldbränden brachte dann Schroeder auf den Punkt. Auch in Luxemburg habe man geschaut, ob man einen Löschhubschrauber in die Löschkette mit einbinden kann, sagte Bofferding einleitend.

Der Generaldirektor des CGDIS präzisierte, dass diese Helikopter wirklich nur ein Teil der Löschkette sind. „Was aber nicht bedeutet, dass wir nicht auf solche Waldbrände vorbereitet sind“, sagte Schroeder, denn manche Korps hätten entsprechendes Material für die sogenannte Flächenbrandbekämpfung. „Sechs Korps haben aktuell spezielle Tanklöschfahrzeuge für Waldbrände“, sagte Schroeder.

Größere Fahrzeuge mit entsprechend größeren Tanks seien auch vorhanden, um den Flächenbränden zu begegnen, die Alarm- und Ausrückordnung sei ebenfalls angepasst worden.

Im Rahmen der Neuordnung sei man nun dabei, die Materialerfassung der Korps zu definieren und zu schauen, „was wo ist. Auch in die Ausbildung haben wir bereits den Punkt Vegetationsbrände aufgenommen“, dies sei zurzeit zwar nur theoretisch, „doch ein praktischer Teil wird folgen.“

Waldbrandindex

Ein 10.000 Liter-GTLF, ein Großtanklöschfahrzeug, soll in Colmar-Berg stationiert werden. Dieses Fahrzeug soll Ende des Jahres ins Land kommen. Ferner, so Schroeder, soll ein Waldbrandindex erstellt werden. Die witterungsbedingte Waldbrandgefahr werde anhand des kanadischen „Fire Weather Index“ (FWI) abgeschätzt. Inzwischen hat sich der FWI auch in Europa in Form des „European Forest Fire Information Systems“ (EFFIS) als Prognosewerkzeug durchgesetzt. Zudem sei der FWI in eine Reihe von Ländern als Klimawirkmodell im Einsatz. Der Index beruhe dabei auf Mittagswerten der Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchte und Windgeschwindigkeit sowie der 24-stündigen Niederschlagsmenge.

Was nun einen Helikopter und den Einsatz von „Bambi Buckets“ angeht, so verwies Schroeder darauf, dass dieser eben nur ein Punkt in einem solchen Brandkonzept sei. „Bei Bodenfeuern, wie wir sie haben, ist ein solcher Einsatz nicht effektiv.“ Hier sei nun einmal Handarbeit erforderlich, sagte Schroeder. „Wir sind auf jeden Fall nicht gegen den Einsatz eines solchen Helikopters, aber bitte da, wo es auch sinnvoll und effektiv ist.“ Das CGDIS habe den Auftrag, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten, wie man die neuen Helikopter, die einmal bestellt sind, möglicherweise einsetzen werde. Ob in diesem Konzept nun auch die Luftrettung LAR eine Rolle spielt, werde man sehen, „meine Tür steht immer offen“, sagte Bofferding hinsichtlich der aufgeworfenen Diskussion rund um mögliche Einsätze eines Helikopters. Die Notfallversorgung sei durch die Einrichtung des CGDIS absolut gewährleistet, ergänzte die Innenministerin mit Verweis auf die Rekrutierungswelle und den weiteren Notarzt im Einsatz, was auch diskutiert wurde. Die Politik werde weiterhin alles daran setzten, dass eben diese „optimale Notfallversorgung für die Bevölkerung gewährleistet ist.“

Vierter Notarzt war notwendig

CGDIS hatte eine Analyse gemacht zum Einsatz der Notärzte. Denn seit April sei der CGDIS dafür verantwortlich. Diese Analyse brachte hervor, dass ein vierter Notarzt notwendig sei. „Der nun in Hesperingen stationiert ist“ und der aktuell bereits 150 Einsätze in seinem Fahrtenbuch stehen hat, „seit dem 1. Juli“, sagte Schroeder mit Blick auf den ausgearbeiteten Einsatzplan. Schroeder präzisierte, dass in diesem Rahmen es der Operateur in der Zentrale es sei, der entscheide, „ob der Notarzt nun zum Einsatz fliegt oder fährt.“ Dies war ein Diskussionspunkt der letzten Zeit, was unter anderem zu parlamentarischen Anfragen führte. Hierzu führte Schroeder weiter aus, dass wenn man das Zeitfenster von rund 15 Minuten von der Alarmierung bis zur Präsenz vor Ort erfüllen wolle, man auch Standorte außerhalb der Krankenhäuser etablieren müsse. Nach den Ferien wolle man sich zusammensetzten und mit „ruhigem Kopf die Sache analysieren.“ Auch sei die Qualität dieser Notärzte entsprechend gegeben, sagte Becker hinsichtlich des Auswahlverfahrens, der weiter betonte, dass es bereits „ein sehr gutes Zusammenspiel“ in Hesperingen zwischen den Einsatzteams geben würde.

Was den Verlust des TLF der Wehr Hesperingen - Kostenpunkt rund 450.000 Euro - anbelangt, so ist Schroeder froh, dass es nur ein Materialschaden war, „das hätte auch anders verlaufen können.“ Noch am Wochenende wurde ein Fahrzeug aus Niederanven nach Hesperingen verlegt. „Eine Ausschreibung, die für das Ausbildungszentrum bestimmt war, wird nach Hesperingen geliefert“, sagte Schroeder.