LUXEMBURG
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Jahresbericht 2015 der Gewerbeinspektion: 27.000 Arbeitsunfälle - Personal wird aufgestockt

Luxemburg Die interne Reform der „Inspection des Travail et Mines“ (ITM), die über die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitsbedingungen und der Bestimmungen für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz wachen soll, ist auf den Schienen.

„Der Zug rollt und hat den Bahnhof schon verlassen“, sagte Arbeitsminister Nicolas Schmit am Mittwoch, als er zusammen mit ITM-Direktor Marco Boly den Jahresbericht 2015 vorstellte. Das Personal, die Ausbildung, die diversen Gesetze und die Arbeitsunfälle waren die politischen Schwerpunkte. 100 Mitarbeiter zählt die ITM. „Der Personalbestand wurde bis 1990 nicht aufgestockt, obwohl die Beschäftigung explodiert ist“, sagte Nicolas Schmit.

Lediglich im Bereich der Kommodo/Inkommodo-Verfahren wurde - auf Verlangen der Betriebe - das Personal verstärkt, damit die Betriebsgenehmigungen zügig über die Bühne gehen. Das spiegelt sich noch immer wider: Während für Kontrollen und Untersuchungen neun Beamte und für die Unfälle sieben zuständig sind, bearbeiten 28 Inspektoren die Kommodo/Inkommodo-Anträge.

36 neue Beamte über die nächsten zwei bis drei Jahre

Künftig soll sich laut Schmit die ITM mehr um den Bereich Arbeitsrecht und Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz kümmern. Denn elf tödliche und insgesamt 27.000 Arbeitsunfälle ohne die Unfälle bei der Anfahrt, also rund 2.000 pro Monat, gab es 2015. 48 Prozent davon sind schwer bis ganz schwer, 1.000 bis 1.200 Personen tragen Langzeitschäden davon. In diesem Jahr waren es schon neun Tote - sieben allein im Bausektor. Die Zahl bleibt konstant hoch.

„Bei der Unfallprävention gehört Luxemburg nicht zu den Champions“, sagte Schmit. 36 neue Inspektoren sollen nun über die nächsten zwei bis drei Jahre hinzukommen. 14 waren es schon 2015. Sie wurden vorrangig bei der ADEM rekrutiert. „Wir brauchen Leute mit Erfahrung, ein Schulabgänger, der lediglich den Stage des öffentlichen Dienstes gemacht hat, nützt uns nicht viel“, sagte Boly. Und da ist man auch schon bei der Wurzel des Problems. „Die ITM ist eben keine einfache Verwaltung, man braucht eine lange und fundierte Ausbildung und muss sich für den Bereich auch wirklich interessieren.“ Mit 250.000 Euro beziffert er die Ausbildungskosten pro Kopf.

2015 wurde aber auch das „Schlachtpferd der ITM“, wie Boly sich ausdrückte, verstärkt - das Help- und Call-Center. Indem die Öffnungs- und Sprechzeiten drastisch erhöht wurden, konnte man 40.000 Anfragen von Arbeitnehmern zum Arbeitsrecht bearbeiten.