LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Beim größten Studentenvertreter Luxemburgs, der ACEL, brennt ab und an auch die Hütte

Der Studentenverband ACEL („Association des Cercles d’Etudiants Luxembourgeois“) feierte am vergangenen Samstag sein 30-jähriges Bestehen und blickte bei seiner „table ronde“ in der Abtei Neumünster auf eine Zeit zurück, in der nicht nur viele Partys gefeiert wurden. Auch an zahlreiche Erfolge wurde erinnert, die den luxemburgischen Studenten das Studium im Ausland um ein vielfaches erleichtert haben.

Ehemalige Mitglieder wie Mitgründer Malik Zeniti, die ehemaligen Präsidenten Carlo Harpes (1992), Sandra Schengen (1999-2000) und Martine Krieps (2011) sowie der Präsident der im Jahre 2003 gegründeten Amicale „aAcel“, Jean Claude Thiry, erzählten dabei von ihren Erfahrungen, der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte und den Aussichten für die Zukunft. Auch Bildungsminister Claude Meisch konnte es sich nicht nehmen lassen, an dieser feierlichen Veranstaltung teilzunehmen und von seiner politischen Zusammenarbeit mit der ACEL zu berichten. Das Frappierende dabei war, dass so manche Tradition ebenfalls diese 30 Jahre über Bestand gehalten zu haben scheint, denn als einer der Anwesenden „Bingo“ rief, wussten wohl alle gleich, worum es ging. Egal ob aktueller Student oder Mitglied der Amicale, immerhin stimmte man in ein allgemeines Gelächter ein.

Bahnbrechende Entwicklung

Auf diese Weise wurde einem auch gleich vor Augen geführt, welche primären Ziele der Dachverband verfolgt, der im Jahre 1984 von einigen Karlsruher Studenten ins Leben gerufen wurde. Die offizielle Gründung fand am 5. April 1985 statt, dem Tag, an dem in Luxemburg auch der Turm der Kathedrale gebrannt hatte- dabei sagt man den Studenten doch immer ausdrücklich, sie sollen die Kirche im Dorf lassen!

Vor dieser offiziellen Gründung kam es zu einem Zusammentreffen in Karlsruhe, bei dem die Luxemburger aus unterschiedlichen Städten zusammenkamen, um über administrative Probleme zu diskutieren- ein Zusammentreffen, das auch heute noch jährlich unter dem Namen „REEL“ (Réunion Européenne des Etudiants Luxembourgeois) stattfindet. Des Weiteren wollte man so viele Luxemburger Studenten wie möglich zusammenbringen sowie die unterschiedlichen Vereine in einem Dachverband zusammenschließen und objektiv vertreten. Mittlerweile repräsentiert die ACEL ganze 44 Vereine und setzt sich bei regelmäßigen Debatten mit den verantwortlichen Politikern für deren Rechte ein.

Neutrales Sprachrohr

Dass man dabei zu zögerlich vorgehe wird dem Verband - unrechtmäßig - unterstellt, unter anderem wohl aufgrund des für viel Aufruhr sorgenden Streiks gegen die Beihilfenreform, an dem die ACEL nicht teilnehmen wollte, da sie dies als die falsche Vorgehensweise ansah. Bildungsminister Claude Meisch weist nun darauf hin, dass gerade die besonnenere und gemäßigtere Methode, nämlich das Gespräch zu suchen und konstruktive Kritik zu äußern, dafür gesorgt hatte, dass es zu Kompromissen gekommen war und nicht der drastischere Schritt zum Streik.

Des Weiteren ist die ACEL ideologisch und politisch neutral, was ihnen ebenfalls oft zum Vorwurf gemacht wird. Thiry bemerkt dabei ausdrücklich, dass diese Neutralität ja „keine Schwäche“ darstelle. Vielmehr sei das die Voraussetzung, wirklich die Interessen aller Studenten neutral vertreten zu können. Anders als die Studentenvereinigung UNEL hat die ACEL auch nie zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung genommen, was in der Vergangenheit zu einigen Konflikten zwischen den beiden Organisationen geführt hat. „Do sinn d’Fatze geflunn“, so Carlo Harpes.

Heute arbeiten die Verbände zwar zusammen, eine Vereinigung steht allerdings außer Frage. Auf jeden Fall hat man sich bei der ACEL streng auf die Bearbeitung jener Themen beschränkt, welche das Leben der Student direkt betreffen. Man wird verwundert darüber sein, was in diesen 30 Jahren alles schon erreicht worden ist: Die Studienbeihilfen waren immer schon ein beliebtes Thema, hier erreichte man schrittweise die - zumindest partielle - finanzielle Unabhängigkeit des Studenten gegenüber den Eltern.

Es gab Veränderungen bezüglich der Aufenthaltsgenehmigungen (diese musste in den 80er Jahren beispielsweise in Karlsruhe jährlich erneuert werden), 1986 diskutierte man über die Gültigkeit des luxemburgischen des Führerscheins im Ausland und 1990 wurde die „Jumboskaart“ eingeführt. Ferner diskutierte man über eine im Ausland gültige Unfallversicherung (1988), die Anerkennung mancher Unidiplome (1989) und vieles mehr.

Aktuell setzt man sich unter anderem für eine Befreiung von den Rundfunkgebühren in Deutschland ein, von der sich ein deutscher Student befreien lassen kann, nicht aber ein luxemburgischer.

Optimistisch stimmende Aussichten

Es bleibt zu hoffen, dass die ACEL auch in Zukunft, mit der Hilfe von engagierten Studenten und deren ehrenamtlicher Arbeit, viele solcher Erfolge feiern kann. Es gilt vor allem, das mediale Interesse an ihren Tätigkeiten zu wecken und das Vorurteil, der Dachverband kümmere sich ausschließlich um die „Folklore“, ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.


www.acel.lu