LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Seit 1995 spendet Schiedsrichter André Urbing seine Gage an „Médecins sans frontières“

Lange Jahre jagte André Urbing dem Ball auf den Fußballfeldern dieses Landes hinterher, bevor er schließlich als aktiver Spieler in „Rente“ ging und auf die Seite des Unparteiischen wechselte. Auf seine Schiedsrichter-Gage pfeift er jedoch seither, bzw. spendet sie integral an die „Médecins sans frontières“ (MSF) und sammelt zudem eifrig weitere Spendengelder. Um sein 3.000. Spiel zu feiern, organisiert der heute 68-Jährige am kommenden Samstag ein Futsal-Turnier für Damenmannschaften. Wir haben uns im Vorfeld mit dem sympathischen „Schiri“ unterhalten.

Was hat Sie dazu bewegt, Ihre ganze Gage zu spenden?

André Urbing Die Entscheidung traf ich 1995. Es war in gewisser Weise ein symbolisches Jahr. Ich war gerade 50 geworden und habe zurückgedacht. Mir wurde als Kind geholfen - ich wurde direkt nach dem Krieg geboren - und so dachte ich mir, jetzt hilfst du auch anderen Kindern. So entstand also die Idee, das Geld an MSF zu spenden. Besonders gefreut habe ich mich zwei Jahre später, als ein Brief von der europäischen Sportakademie kam, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich in der engeren Auswahl für den „Fair im Sport“-Preis sei, der mir dann auch verliehen wurde. Das hat mich natürlich ermutigt, mit Freude genau so weiterzumachen. Mittlerweile sind fast 20 Jahre vergangen. Insgesamt sind über diesen Zeitraum - zum Teil auch durch Spenden - 125.496 Euro zugunsten der Ärzte ohne Grenzen zusammengekommen.

Sie haben selbst lange aktiv Fußball gespielt. War gleich klar, dass Sie danach auf die Schiedsrichterseite wechseln würden?

Urbing Ich wollte den Sport nicht an den Nagel hängen, als ich mit 38 Jahren aufhörte, selbst zu spielen. Ich musste damals jüngeren Spielern Platz machen, was ich natürlich auch verstehe. So habe ich also die Uniform gewechselt.

Als Unparteiischer hat man es nicht immer leicht, hatten Sie nie die Nase voll?

Urbing Ach, wissen Sie, bei mir geht das zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus. Ich war mir dessen auch immer bewusst, weil ich ja selbst Spieler war. Ich weiß, dass sich ein Schiedsrichter auch mal irren kann, genau wie die Spieler übrigens, und dann kommt es zu Unstimmigkeiten oder Streitereien auf dem Feld. So ist das nun mal.

Inwiefern hat Ihnen Ihre Erfahrung als Spieler bei diesem neuen „Job“ geholfen?

Urbing Nun ja, ich kannte die Regeln, alles Weitere lernt man mit der Zeit. Ich habe bei den Kleinen angefangen und dann irgendwann höhere Alterskategorien gepfiffen. Hohe Spielklassen habe ich indes nie gepfiffen, weil ich ja schon in einem gewissen Alter war, als ich als Schiedsrichter angefangen habe. Mit 40 Jahren macht man keine solchen Sprünge mehr, das hatte ich aber auch gar nicht im Sinn.

Mittlerweile sind Sie 68, denken Sie nie ans Aufhören?

Urbing Solange es meine Gesundheit zulässt, werde ich auf jeden Fall weitermachen. Ich bin oft mit Jos Hansen auf Turnieren unterwegs. Der ist 69. Wir machen unsere Sache gut, fühlen uns noch gut und machen es gerne.

Sie sind ja nun ein alter Hase in der Fußballbranche, wie hat sich diese Sportart über die Jahre entwickelt?

Urbing Es ist härter geworden. Die Aggressivität hat zugenommen. Das war früher nicht so. Es gab wohl vereinzelte rüpelhafte Spieler, aber nicht in dem Maß, wie das heute der Fall ist. Bei den jungen Spielern sind es nicht selten auch die Eltern, die sehr aggressiv sind. Besonders junge Schiedsrichter werden da schon mal zur Sau gemacht, ich kann es nicht anders sagen. Das ist schade und auch nicht unbedingt ermutigend. Junge Schiedsrichter lassen sich das nicht gefallen. In anderen Sportarten ist es aber ähnlich.

Um Ihr 3.000 Spiel zu feiern, organisieren Sie mit dem U.N. Käerjeng ein Futsal-Turnier für Damen. Warum gerade ein solche Veranstaltung?

Urbing Kleine Anmerkung am Rande, ich bin schon bei 3.076 Spielen. Ich führe genau Buch darüber. Als ich mit der Organisation des Turniers begonnen habe, konnte ich natürlich noch nicht wissen, wann genau mein 3.000. Spiel sein wird. Ich möchte mich jedenfalls ausdrücklich bei Emile Muller, dem Präsidenten des U.N. Käerjeng, für diese Möglichkeit bedanken. Warum jetzt gerade Damen-Futsal? Nun ganz einfach, immer mehr Mädchen interessieren sich für Fußball und sind in einem Verein. Es war mir wichtig, dies zu unterstützen und auch mal etwas für die Mädchen zu tun. Es müssen ja nicht immer die Jungs sein.

Wie steht es überhaupt allgemein um den Frauenfußball in Luxemburg?

Urbing Mittlerweile gibt es in Luxemburg fast 40 Damenmannschaften und es kommen immer noch welche hinzu. Ich denke, das spricht für sich. Fußball hat ganz klar auch bei Mädchen an Popularität gewonnen, das sieht man bereits bei den ganz Kleinen.

Wie oft stehen Sie eigentlich pro Jahr als „Schiri“ auf dem Fußballfeld?

Urbing Im vergangenen Jahr habe ich 225 Spiele gepfiffen, darunter auch inoffizielle für Schulen oder Jugendhäuser beispielsweise. Da kommt einiges zusammen. Allein 2013 habe ich so insgesamt 7.170 Euro für MSF gesammelt.