LUXEMBURG
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Lebensmittelverschwendung: Ein Problem, das uns alle angeht - Neue Kampagne läuft an

Rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden im Jahr weggeworfen oder sind Verluste entlang der Wertschöpfungskette. Das ist rund ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel, wie die Studie der „Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO)“ belegt. Industrieländer und Entwicklungsländer unterscheiden sich in der Summe der Verluste an Lebensmitteln nicht wesentlich. Sie liegen jeweils bei 670 beziehungsweise 630 Millionen Tonnen. Für Europa schätzt die FAO einen jährlichen Pro-Kopf-Verlust über die gesamte Wertschöpfungskette von 280 bis 300 Kilogramm. Europäerinnen und Europäer sowie Nordamerikanerinnen und Nordamerikaner werfen bis zu 180 Kilo Essen im Jahr im Haushalt weg, vor allem Obst und Gemüse, obwohl ein Großteil noch genießbar wäre. Hinzu kommen Berge von Lebensmitteln, die der Einzelhandel aussortiert. 60 Kilo hiervon könnten vermieden werden.

Drei Lkw-Ladungen pro Tag

Dieser Verschwendung müsste aber Einhalt geboten werden, sagt Verbraucherschutzminister Fernand Etgen, der gestern eine neue Sensibilisierungskampagne in Bezug auf die Lebensmittelverschwendung vorstellte. So werden in Luxemburg durch die Bürger alleine im Haushalt durchschnittlich 340 Gramm Lebensmittel pro Tag verschwendet, „das sind drei LKW-Ladungen pro Tag“, sagte der Minister. Denn die Entsorgung über die Restmüllbehälter stelle nur eine der Schienen dar, über die Lebensmittel entsorgt werden. Werden noch andere Verwertungswege berücksichtigt, wie zum Beispiel Eigenkompostierung, ist von einem noch größeren Anteil an weggeworfenen originalen und angebrochenen Lebensmitteln auszugehen.

Den Großteil des Verlustes an Nahrungsmitteln, so Etgen weiter, machen mit 44 Prozent anfallende Speiseabfälle aus. Gemäß einer von der EU finanzierten Untersuchung „Preparatory study on food waste across EU 27“ landen 39 Prozent bei den Herstellern , 14 Prozent in der Gastronomie und fünf Prozent bei den Einzelhändlern im Müll.

„Es ist evident, dass wir unser Verhalten diesbezüglich verändern“, sagte Etgen. Daher will man nun die Schüler ins Visier der Kampagne nehmen. „Mit einer interaktiven Wanderausstellung zum Thema Lebensmittelverschwendung und verantwortungsvollem Einkauf.“ Auch geht man auf das Thema Mindesthaltbarkeitsdatum ein, da viele immer noch nicht den Unterschied zwischen „Verbrauchen bis…“ oder auch „Mindestens haltbar bis…“. Oftmals wäre das Wegwerfen von Lebensmitteln bei rechtzeitigem Verzehr, ordnungsgemäßer Lagerung oder durch verbessertes Haushaltsmanagement vermeidbar gewesen. Häufige Gründe seien hier falsche Planung von Einkäufen und Mahlzeiten, ungeplante Genusskäufe, falsche Lagerung oder Aufbewahrung von Lebensmitteln. „Viele Menschen wissen eben nicht mehr, wie man Lebensmittel richtig lagert und wie man deren Qualität feststellen kann“, sagte Etgen. „Viele verlassen sich auf das Mindesthaltbarkeitsdatum“, das ja umgangssprachlich ja auch Ablaufdatum heißt. Damit wird fälschlicherweise assoziiert, dass nach seinem Erreichen ein Lebensmittel ungenießbar wird. Aber auch zu große Lock-Packungen oder häufiges Außer-Haus-Essen seien Anlass zum „Wegschmeißen“.

Die neue „Antigaspi“-Ausstellung werde den Gemeinden, die auch dem Solidaritätspakt beigetreten sind, zur Verfügung gestellt werden, damit diese die Schulen bedienen können. Auf der „SpringBreak 2017“ feiert die Ausstellung - inklusive „Antigaspi“-Tag am 25. März – ihre Premiere. In der neuen Broschüre „Zusammen gegen Lebensmittelverschwendung“ gibt es darüber hinaus auch Rezepte und Anregungen für eine kreative Resteverwertung und auch „Goldene Regeln“ bezüglich des notwendigen Einkaufs. „Hier spielt auch der saisonale Konsum eine große Rolle“, sagte Etgen.

Konvention unterzeichnet

„Strengen wir uns also an, werden wir zu verantwortungsbewussten Verbrauchern“, so Etgen, der auch noch eine Konvention mit der „Cantine de la fonction publique“ unterschrieb, wo immerhin 420 Essen pro Tag ausgegeben werden und man versucht, ohne Lebensmittelverschwendung auszukommen. Seit 2004 wird hier eine genaue Statistik geführt, wie die Essensausgabe über die Bühne geht. So seien es hier zwischen 40 und etwas über 50 Gramm, die auf dem Teller zurückkämen, doch hier seien eben auch Hühnerknochen oder Zitronenschalen dabei, die eben nicht essbar seien.

Doch auch auf EU-Niveau müsste sich etwas ändern, führte Etgen aus, denn Kataloge mit unzähligen Normen, die beispielsweise Obst „als nicht verkaufenswert“ aussortieren oder auch bezüglich des Verfallsdatums, seien teils hinfällig. „Alles geschieht aber auch vor dem Hintergrund der Lebensmittelsicherheit.“


www.antigaspi.lu