DÜDELINGEN
CORDELIA CHATON

POST investiert in den Ausbau ihres Glasfasernetzes - Wirtschaftsminister Fayot besichtigt Arbeit

Die POST-Gruppe baut das Glasfasernetz in Luxemburg kontinuierlich aus. Aber wie funktioniert ein solches Netz eigentlich? Darum ging es gestern während einer Besichtigung von Wirtschaftsminister Franz Fayot im Beisein der Presse vor Ort in Düdelingen.

Für POST-Direktor Claude Strasser war es die Gelegenheit, eine Investition anzukündigen: „Um den Ausbau des ultraschnellen Netzes im allgemeinen und in den ländlichen Regionen im Besonderen zu beschleunigen, hat POST Luxemburg beschlossen, ihr mehrjähriges Budget um 50 Millionen Euro zu erhöhen.“ Die Entscheidung wurde vergangene Woche im Verwaltungsrat der POST getroffen.

Verwaltungsrats-Präsident Serge Allegrezza war gestern ebenfalls vor Ort. Der Statec-Direktor zeigte sich erfreut über das antizyklische Investment.

Strasser betonte, dass die Post in den vergangenen fünf Jahren mehr als 250 Millionen Euro Investitionen in die Telekommunikationsnetze investiert hat und somit einer der wichtigsten Akteure im Bereich der Digitalisierung sei. Pro Jahr, so erfuhr das „Journal“, werden insgesamt 85 Millionen Euro in den Telekommunikationsbereich investiert. Von diesen wiederum entfallen etwa 30 Millionen Euro auf Glasfasern. In einigen Jahren können die Investitionen aber bis zu 45 Millionen Euro reichen. Zu dieser langfristigen, auf fünf Jahre angelegten Planung kommen jetzt die 50 Millionen Euro hinzu.

Die Investitionen in das Glasfasernetz sind wichtig, weil Glasfasern gegenüber elektrischer Übertragung den Vorteil einer erheblich höheren Bandbreite haben, so dass mehr Information übertragen werden können. Darüber hinaus ist das übertragene Signal unempfindlich gegenüber elektrischen und magnetischen Störfeldern, und es ist in höherem Maße abhörsicher.

Die POST hat bereits 1997 begonnen, über den Ausbau nachzudenken. Damals gab es noch nicht mal eine Ausrüstung dafür. So verlegte sie vorsorglich die Glasfaserkabel und aktivierte sie 2008, als das Equipment endlich zur Verfügung stand. Mit einem Schlag gab es eine 25-prozentige Abdeckung; nun sind es 71 Prozent. „Bei den Festanschlüssen sind wir weltweit ganz vorn“, betont Strasser. Seit 2010 hat die POST rund 19.500 km Glasfaserkabel verlegt - mit mehr als 1.285.000 km Glasfasern. Das würde reichen, um die Erde zwölf Mal zu umrunden. Derzeit sind Regionen wie Luxemburg-Stadt, Strassen oder Bertrange sehr gut erschlossen. In Goesdorf, Wahl, Vichten oder Bissen liegt der Anteil der Glasfasern hingegen bei unter 25 Prozent. Jetzt steht die 5G-Technologie vor der Tür und die POST will möglichst schnell voran kommen.

„Die Wirtschaft von morgen ist nur möglich, wenn die Netze stark sind. Wir brauchen diese Investitionen. Das hat der Lockdown gezeigt, in dem das Datenvolumen um das Dreifache stieg“, betont Fayot. Er verweist auf einen Wirtschaftsgipfel vergangene Woche in Düdelingen, bei dem Goodyear und Husky Projekte wie „Mercury“ oder „the factory of the future“ vorgestellt haben, für die Glasfasernetze unabdinglich sind.

Die Datenautobahn unter der Erde

Wie aber funktioniert genau die Verlegung der Glasfaserkabel? Die Datenautobahnen sind unterirdisch immer mit zwei Punkten verbunden - falls mal ein Bagger versehentlich ein Kabel durchtrennt. Die POST arbeitet mit so genannten „Points of Presence“ (POP), metallverkleideteten, gekühlten und gegen Brand- und Wasserschäden gesicherten Verteilerhäuschen für die Glasfaserkabel. Ein POP kann 3.000 Haushalte versorgen. In Düdelingen decken derzeit vier POPs rund die Hälfte des Bedarfs ab.

Dabei gibt es in Luxemburg wegen der Größe des Landes die Besonderheit, dass jedem Haushalt ein bestimmter Punkt zugeordnet werden kann. Diese Struktur ist weltweit sehr, sehr selten.
Vom POP aus werden die grünen Glasfaserkabel mit einem Druck von 120 m/Sekunde in Mikroschläuche gedrückt. Genaue Schemata zeigen, welche Kabel zu welchem Haushalt führen. Kabel, die von einem Haushalt kommen, sind orange. Ausgelegt ist diese Struktur auf die nächsten 40 bis 50 Jahre. So lange dauert es in etwa auch, bis sich das Investment amortisiert.

Ein Problem bei der Verlegung der Glasfaserkabel liegt darin, dass nie klar ist, was einen unter der Erde erwartet. Um Kosten und die Umstände durch Baustellen möglichst gering zu halten, arbeitet die POST mit den Gemeinden und Versorgern wie Creos zusammen, so dass eine Straße nie nur wegen eines Glasfaserkabels aufgerissen wird. Das hat allerdings auch den Nachteil, dass es nicht immer so schnell wie erhofft läuft. Derzeit haben rund 70 Prozent der Bevölkerung in Luxemburg Zugriff auf einen Internetanschluss mit bis zu 1 Gbit/Sekunde. „Bis 2023 wollen wir 75 Prozent erreichen“, versichert POST-Direktor Strasser. Er kann dabei auf zahlreiche Mitarbeiter zählen. Immerhin ist die POST mit 4.600 Kräften weiterhin der größte Arbeitgeber Luxemburgs.