LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Erste Zwischenbilanz des Wohnungsbau-Förderungsfonds

Ein halbes Jahr nach der  Schaffung des „Fonds spécial au développement du logement“ hat Wohnungsbauminister Henri Kox (déi gréng) gestern, zuerst im Ausschuss des Parlaments und anschließend vor versammelter Presse, eine erste Zwischenbilanz gezogen.
Der Momentaufnahme zufolge bestehen derzeit Konventionen mit 308 Projekten von Gemeinden, öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften, Stiftungen oder Vereinen zum Bau von mehr als 3.600 erschwinglichen Wohnungen in 57 Gemeinden. Diese Zahlen „geben uns die Richtung vor, in die wir uns bewegen“. Die gestern vorgestellten Daten berücksichtigen weder abgeschlossene Projekte noch verschiedene Großvorhaben wie Elmen in der Gemeinde Kehlen. Über das Finanzierungsgesetz dafür wird aber voraussichtlich noch in diesem Monat im Plenum abgestimmt, die Konvention kann danach beschlossen werden. Der Bericht von Semiray Ahmedova zur Gesetzesvorlage wurde jedenfalls gestern im Ausschuss angenommen.

Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften mit dem größten Wohnungsoutput

Die Momentaufnahme erlaubt einen Einblick in die Größenordnung aktueller bezuschusster Wohnungsvorhaben sowie deren Aufschlüsselung. Von den 308 Projekten sehen lediglich 33 mehr als 25 Wohnungen vor. Diese elf Prozent stehen hingegen für 2.545 in den kommenden Jahren fertiggestelle Wohnungen. Knapp zwei Drittel der in den vergangenen vier Jahren konventionierten Projekte werden nach der Fertigstellung vermietet. Größter Promotor nach Projekten sind die Gemeinden (117 Projekte für 776 Wohnungen). Mit Blick auf den Wohnungsoutput sind hingegen der „Fonds du Logement“ und die „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ maßgebend (siehe Grafik).  Mit dem neuen „Pacte Logement“ will der Grünen-Minister erreichen, dass „nicht nur die großen Gemeinden im Wohnungsbau aktiv werden“.
 Der „Fonds du Logement“ ist derzeit ein wenig überall im Land aktiv. Die aktuellen Konventionen werden in rund 900 Wohnungen münden, die zur Hälfte in den Verkauf (mit Erbpacht und Vorkaufsrecht) gehen, zur anderen Hälfte vermietet.  Derweil konkretisieren sich die meisten Projekte der SNHBM zum Verkauf (880 Wohneinheiten). 359 Wohnungen sollen nach ihrer Fertigstellung von Mietern bezogen werden.
Alle laufenden Konventionen mit gemeinnützigen Vereinen und Stiftungen sind für Mietwohnungen gedacht, von denen bestimmte Zielgruppen profitieren sollen.
Die finanzielle Beteiligung aller laufenden subventionierten Projekte belief sich zum 1. September auf 554 Millionen Euro. Allein 2020 sind es 109 Millionen Euro. In den kommenden Jahren, diese Gespräche laufen mit dem Finanzministerium, sollen die Ausgaben steigen. Für die Beteiligung an Projekten von Gemeinden, Stiftungen oder der SNHBM oder den Kauf von Gebäuden zu Wohnungszwecken sollen 2021 136,5 Millionen zur Verfügung stehen, 2022 dann 166,3 und 2023 211,3 Millionen Euro.

Weitere 4.000 Wohnungen in der Pipeline

Damit sollen die in Aussicht stehenden nächsten Konventionen finanziert werden. Das Wohnungsbauministerium rechnet damit, in den kommenden Jahren Konventionen für Hunderte weitere Wohnungen zu beschließen, die dann auch in den nächsten Jahren gebaut werden sollen. „1.000 erschwingliche Wohnungen pro Jahr können wir liefern“. Bis 2024 kündigen sich demnach 1.972 Wohnungen zum Verkauf und 1.851 Wohnungen zur Vermietung an. Darunter befinden sich einige bereits bekannte aber auch weniger bekannte Großprojekte wie „Wunne mat der Wooltz“. In Wiltz sollen bis 2038 833 Wohnungen entstehen, in Düdelingen (Neischmelz) mit Blick auf 2042 953 Wohneinheiten. In der Hauptstadt sind über das nächste Jahrzehnt drei Projekte (Ligures, Kirchberg Kiem, Pierre Dupong) mit je 280, 230 und 200 Wohnungen angedacht.

Vier Grundstücke mit Potenzial für rund 300 Wohnungen

In diesem Jahr hat der Staat bis 1. September auch vier Grundstücke erworben mit einem Potenzial für 298 Wohnungen. Für das Grundstück des früheren Agrarzenter in Mersch (96 Ar) legte der Staat 1,92 Millionen auf den Tisch (Potenzial: 113 Wohnungen). Weitere Grundstücke hat der Staat  in Useldingen (83 Ar, 1.024.250 Euro, 20 Wohnungen), Weiler-la-Tour (496 Ar, 9 Millionen, 75 Wohnungen) und Lenningen (361 Ar, 5.415.000 Euro, 90 potenzielle Wohnungen) erworben. Henri Kox versicherte,  dass derzeit noch „einige“ Grundstücke analysiert würden. Der erste vollständige Bericht zum Fonds wird im kommenden Jahr erwartet. So wie es das Gesetz über den Spezialfonds vorsieht, wird er den Abgeordneten vorgestellt. Eine Debatte im Plenum der Abgeordnetenkammer ist dann ebenfalls geplant.