LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Luxemburger Pascal Bresmal arbeitet seit 27 Jahren bei Schindler, steckte selbst schon mal fest und kennt das Geschäft

Wenn in Luxemburg ein Haus gebaut wird, dann immer öfter mit einem Aufzug. Warum das so ist, wer den Markt beherrscht und was den Pfaffenthal-Aufzug ausmacht, verrät Pascal Bresmal von Schindler Luxemburg.

Herr Bresmal, wer verkauft in Luxemburg Aufzüge?

Pascal Bresmal Vor allem die vier großen Hersteller: Schindler, Otis, Thyssen-Krupp und Kone. Dazu kommen noch kleinere Anbieter aus Luxemburg und dem Umland, aber auch aus dem europäischen Ausland. Jede Marke hat spezielle Produkte. Pro Jahr werden in Luxemburg rund 600 Aufzüge verkauft, hinzukommen Förderbänder, Rolltreppen und Küchenaufzüge für Restaurants und große Privathäuser. Das Aufzuggeschäft nimmt seit zehn Jahren an Volumen zu, weil die Leute immer älter werden und viel gebaut wird. Rund zehn Prozent unseres Geschäfts kommt übrigens aus dem Neubaubereich. Heute wird eigentlich kein Haus mehr ohne Aufzug gebaut. Als ich anfing, Aufzüge zu verkaufen, kosteten sie rund eine Million Luxemburger Franken, das sind etwa 25.000 Euro. Heute kostet ein Standard-Aufzug immer noch so viel.

Gibt es Trends?

Bresmal Das Rufen nach Bedarf, wie es in Aufzügen bei der CFL oder der „Maison de Savoir“ schon üblich ist, setzt sich langsam durch. Bei starker Frequentation ermöglicht es eine Energieersparnis. Hier wählt man nicht mehr den Aufzug, sondern der Aufzug gibt dem Fahrgast an, welche Kabine er zu nehmen hat. So können Leerfahrten verhindert werden. Die Aufzüge sind heute viel robuster als früher, weil sie aus weniger Teilen gebaut werden. Die Installation dauert nur noch drei Wochen und nicht mehr zwei Monate. Gleichzeitig gibt es mehr plug&play, Spielereien und variable Gestaltungselemente. Es wäre sogar denkbar, dass man Aufzüge eines Tages im Supermarkt kaufen kann. Die Aufzüge sind heute größer als vor 15 Jahren, weil sich die Technik verändert hat. Es gibt viel mehr Auswahl bei der Inneneinrichtung und die Technologie ist weiter. Durch LED, Stand-by-Licht und vieles mehr verbrauchen sie heute nur halb so viel Energie wie vor 20 Jahren.

Wie oft muss ein Aufzug gewartet werden?

Bresmal Nach derzeitiger Gesetzeslage sechs Mal im Jahr, wenn so genannte Freiberufler im Haus sind, dann elf Mal und in einem Einfamilienhaus einmal im Jahr. Bei den Kosten kann man rund 1.500 Euro für die Instandhaltung jährlich in einem Mehrfamilienhaus rechnen. Ein Aufzug kann gut 30 Jahre oder länger halten. Aber meist werden die Häuser vorher abgerissen. Die wichtigste Kennzahl bei Aufzügen ist die Zeit zwischen zwei Pannen. Vor zehn Jahren waren das 300 Tage, jetzt sind wir bei 417 Tagen. Das zeigt schon, dass Aufzüge sehr sicher sind.

Hatten Sie schon mal eine Panne?

Bresmal Ja, das war in den 90er Jahren. Ich habe sie selbst ausgelöst. Damals gab es kein Telefon in den Aufzügen. Zum Glück hatte ich eines der ersten Handys, ein Ding, so groß wie ein Ziegelstein. Damit habe ich die Zentrale angerufen. Es war nicht angenehm. Heute ist das anders. Da reicht es, den Knopf zu berühren. Die Zentrale kann auch stumme und taube Fahrer lokalisieren.

Sie haben den Aufzug ins Pfaffenthal gebaut…

Bresmal Ja, und auch den des ‚Musée de la ville de Luxembourg´, der noch größer ist. Diese Panorama-Aufzüge sind Sonderanfertigungen. Gleichzeitig ist der Aufzug für das Pfaffenthal auch eine touristische Attraktion. Er wird im Monat 40.000 bis 50.000 Mal genutzt!

Das ist nicht das einzige Sondermodell.

Bresmal Nein, wie bauen auch Transportaufzüge, die ganze Autos transportieren können. In den Kirchberg-Türmen beispielsweise sind solche Aufzüge, weil man bei einem Umzug nicht alles die vielen Stockwerke hochtragen kann. Da muss dann allerdings eine Person mitfahren. Rolltreppen gehören auch zu unserem Angebot. Die sind viel robuster als Aufzüge, aber es gibt ein kleines Risiko, wenn jemand sehr lange Kleidung trägt oder Kinder mit der Hand in den Handlauf kommen.

Wie sieht der Aufzug der Zukunft aus?

Bresmal Er verfügt über Wifi - wie bei dem im Pfaffenthal - und wird in zehn bis 15 Jahren vielleicht mit der Magnetschwebebahntechnologie betrieben.