LUXEMBOURG
ROBERT L. PHILIPPART

Am heutigen Samstag ist der internationale Tag des Denkmals – auch für Luxemburg ein ganz besonderer Tag, immerhin gehört unsere Altstadt seit 25 Jahren zum Weltkulturerbe. Warum der Erhalt und die Pflege von Bauerbe besonders wichtig ist, erklärt Robert L. Philippart, UNESCO Site Manager beim Kulturministerium.

„Der Internationale Tag des Denkmals wurde 1982 von ICOMOS (International Council of Monuments and Sites) ins Leben gerufen und ist nicht zu verwechseln mit dem Tag der offenen Denkmäler des Europarats und der Europäischen Union. ICOMOS setzt sich aus Personen und Institutionen mit Erfahrung in der Denkmalpflege und Denkmalvermittlung zusammen. Seit 1983 unterstützt das World Heritage Committee der UNESCO diese Initiative.

Der internationale Tag sensibilisiert für die unterschiedlichen Denkmaltypen und das gefährdete Bauerbe. ‚Shared cultures, shared heritage, shared responsability‘ lautet dieses Jahr das Thema. Wir bilden weltweit eine Kulturgemeinschaft, welche sich gegenseitig unterstützt und austauscht. Bauerbe verschafft Identität. Es stellt einen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert dar. Der Erhalt von Bauerbe ist gelebte Demokratie. Es geht um das Wahren von Eigentümlichkeiten die durch den Menschen, aber auch den klimatischen Wandel bedroht sein können. Von 1.121 ‚UNESCO World Heritage Sites‘ sind 53 gefährdet. In Krisengebieten wie Syrien sind sechs, in der Volksrepublik Kongo fünf, im Irak, Yemen und Mali sind jeweils drei Weltkulturerbestätten bedroht. In Europa steht das ‚Historische Zentrum von Wien‘ auf der ‚Red List‘ der UNESCO. Hintergrund ist das Bauprojekt eines 66 Meter-Hochhauses am Heumarkt.

Der 18. April soll uns auch das Ziel N°11 der Agenda 2030 der Vereinten Nationen vor Augen führen: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten. Dazu gehören sichere und geordnete Abfallwirtschaft, verbesserte Ressourcennutzung. Städte dürfen keine Orte der Ausgrenzung sein aber Zugang zu Grundversorgung, Energie, Unterkunft, Verkehr und Kultur sichern. Recht und Anspruch auf historisch gewachsenes Bauerbe gehört dazu.

‚Luxemburg, Altstadt und Festung‘ feiert 25 Jahre Weltkulturerbe. Der ‚Fonds de Rénovation de la vieille ville‘ (1993-2017) hat historische Ensembles restauriert; bauliche Maßnahmen im Plan d’aménagement général garantieren Rechtsicherheit sowie Denkmalschutz. Die unterschiedlichen Kulturminister haben seit 1994 nahezu 100 Bauten und Objekte innerhalb der UNESCO-Zone als nationales Denkmal geschützt oder auf das Zusatzinventar der nationalen Denkmäler eingetragen. Ein ‚Comité de gestion‘ im Rahmen des ‚UNESCO Site Management‘ berät über Großbauprojekte wie Straßenbahn oder Renaturierung der Petruss.

74 Projekte tragen das Label ‚25 ans Lëtzebuerg patrimoine mondial‘ und sind auf www.patrimoinemondial.lu einsehbar. Im Lëtzebuerg City Museum wurde ein ‚UNESCO Visitor Center‘ eröffnet. Vier verschiedene UNESCO-Stadtrundgänge kann man über die App Izi.travel herunterladen und auch in Covid 19-Zeiten begehen. Projekte wie ‚eng Postkaart den Dag‘, ‚Fortress Luxembourg‘ oder das Forschungsprojekt der Universität Luxemburg www.luxatlas sind online; sieben Buchprojekte liegen vor. Öffentliche und private Projektträger gestalten zusammen das Programm.“