LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Sandy Kubaj berät beim Croix-Rouge Menschen zum Thema Aids

Am Weltaidstag finden auch in Luxemburg zahlreiche Aktionen statt, um auf die Infektionskrankheit aufmerksam zu machen. Namur verkaufte das „Love Baguette“ in Schleifenform in Anlehnung an die Solidaritätsschleife, von dem ein Teil des Erlöses an die Aidshilfe geht. Das „Croix Rouge“ lud am Weltaidstag zum Solidaritäts-Brunch auf den „Place d’Armes“ ein und vom 22. bis 29. November fanden in allen Krankenhäusern Gratistests statt. Die „HIV Berodung“ des Roten Kreuzes in Luxemburg ist schon seit Jahren aktiv in der Prävention von HIV und der Betreuung von Menschen mit HIV. Wir haben mit Sandy Kubaj über Erfolge und Tendenzen gesprochen.

Frau Kubaj, Ihnen liegt der neue Bericht vor. Wie entwickeln sich die Zahlen in Luxemburg?

Sandy Kubaj Die Tendenz des Jahres 2018, dass die Zahl der Infektionen abnimmt, bestätigt sich. Wir hoffen natürlich, dass es auch an unserer Präventionsarbeit liegt. Laut den neuesten Zahlen gab es bislang 40 neu mit HIV Infizierte. Das sind acht weniger als 2018. Insgesamt sind in diesem Jahr 86 Menschen positiv auf HIV getestet worden, das sind vier weniger als im vergangenen Jahr. Man muss unterscheiden zwischen der HIV-Infektion und dem Aids-Stadium, bei dem das Virus dann tatsächlich zum Zusammenbruch des Immunsystems und dem Ausbruch von verschiedenen Krankheiten geführt hat. 2018 hatten wir vier Aids-Fälle. Darüber hinaus muss man davon ausgehen, dass rund 15 Prozent der HIV-Infizierten nichts von ihrer Erkrankung wissen. Das entspricht jedenfalls dem EU-Durchschnitt.

Wie infizieren sich die Virusträger?

Kubaj 2019 war es in 37 Fällen über heterosexuellen Sex, bei 35 Fällen über homosexuellen oder bisexuellen Geschlechtsverkehr und bei drei Fällen über Drogenutensilien. In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Infektionen über Spritzen von Drogensüchtigen wieder gesunken. Die Gewohnheiten im Milieu haben sich geändert. Es wird mehr Kokain genommen, das öfter gespritzt wird und die Dienste haben darauf mit vermehrtem Drängen auf die Nutzung sauberer Spritzen reagiert. Das hat geholfen.

HIV ist jetzt schon seit den 80er Jahren bekannt. Warum infizieren sich immer noch Menschen?

Kubaj Ach wissen Sie, es gibt auch immer noch Menschen, die rauchen, obwohl die Gefahren sehr bekannt sind… Viele denken: HIV betrifft die anderen, aber nicht mich. Ich gehe ja nicht zu Sexarbeiterinnen und konsumiere auch keine Drogen. Aber heterosexueller Sex ist auch heute noch eine wichtige Infektionsquelle. Nur: Mit Verboten und Warnungen kommen Sie den Leuten nicht bei. Deshalb versuchen wir, positive Nachrichten an die Leute zu bringen. Das klappt besser. Sex hat man ja, weil es Spaß macht.

Spielt das Alter bei der Neuinfektion eine Rolle?

Kubaj Bei uns sind so ziemlich alle Altersklassen vertreten. 2018 war die Ansteckung in der Alterskategorie der 20 bis 35-Jährigen mit homosexuellem oder bisexuellem Sex am höchsten. Bei den Heterosexuellen war die Infektion über die Altersklassen hinweg breiter gestreut. Nur eine Person war 2018 bei der Infektion jünger als 25 Jahre. Wir tun viel dafür, die jungen Leute aufzuklären, gehen an Schulen, halten Vorträge und bieten hier immer an, Tests zu machen und sich beraten zu lassen. Der Informationsstand der Leute, die hierher kommen, ist sehr unterschiedlich. Manche lassen sich vor dem ersten Mal testen, andere wissen nichts und fragen, ob man Olivenöl auf das Kondom geben muss…

Den HIV-Test kann man mittlerweile auch im Supermarkt kaufen. Ist das sinnvoll?

Kubaj Wir empfehlen immer die Beratung zum Test, schon allein, weil es schwierig sein kann, mit einem positiven Testresultat allein klar zu kommen. Wir haben sogar einen eigenen Van, der herumfährt und Tests und Beratung mobil anbietet. Im Jahr 2018 führten wir rund 800 Tests durch. Vom 22. bis 29. November war noch dazu Europäische HIV-Testwoche, da haben wir in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und privaten Laboren gratis und anonym Tests durchgeführt und hier jeden Abend Tests angeboten. Die Aktion fand in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium statt. Wer das nicht will, kann sich jetzt einen Selbsttest kaufen. Bislang, denke ich, bietet das nur Cactus an, und die Apotheken. Persönlich halte ich die Beratung immer noch für sehr sinnvoll und wir stehen auch nach einem Selbsttest telefonisch zur Verfügung.

In dieser Woche findet die „Orange Week“ statt, in der es um Gewalt gegen Frauen geht. Welche Rolle spielt Gewalt bei der Infektion?

Kubaj Eine HIV Infektion wird bei sexueller Gewalt schneller übertragen, durch die Wunden die durch die Gewalt im Genitalbereich entstehen. •

Wie HIV übertragen wird

Drei Bedingungen sind notwendig •    Körperflüssigkeit, die das Virus HIV bei Person A enthält
•    Eintrittspforte für das Virus bei Person B
•    Kontakt zwischen den beiden, das heißt: Körperflüssigkeit und Eintrittspforte

HIV-Positive können das Virus in folgenden Körperflüssigkeiten haben •    Blut (auch Menstruationsblut)
•    Sperma
•    Scheiden- oder Analflüssigkeit
•    Muttermilch

Eintrittspforten können sein
•    Offene Wunden
•    Schleimhaut von After, Scheide, Penis, Mund, Nase, Augen

Hohes Risiko
Bei ungeschütztem Vaginal-, Anal- und Oralverkehr sowie gemeinsamem Benutzen von Spritzenbesteck

Geringes Risiko
Schwangerschaft, Stillen

Kein Risiko
Vorspiel, Küssen, Hand reichen, aus dem gleichen Glas trinken, gemeinsame Toilettennutzung, Zahnarztbehandlung, Friseurbesuch, gleichen Rasierapparat nutzen, Mückenstiche, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Bluttransfusion

HIV Berodung

Montag bis Freitag
8.00-13.00 und 14.00 - 17.00
Tel. 27 55-4500
E-Mail hivberodung@croix-rouge.lu
Addresse 94, Boulevard du General Patton
L-2316 Luxembourg
Kontaktperson Sandy Kubaj

 tinyurl.com/HIV-Berodung

Fragen zum HIV-Test

Das „Humane Immundefekt-Virus“ (HIV) schwächt die Immunabwehr und begünstigt so das Auftreten von Krankheiten, die sehr schwerwiegend sein können. Eine HIV-Infektion bedeutet noch nicht Aids, weil es heute behandelbar ist. Experten schätzen, dass in Luxemburg 300 bis 400 Menschen HIV-infiziert sind, ohne das zu wissen. Dabei ist ein Test ganz einfach. Man sollte wissen, dass ein negatives Ergebnis erst zwölf Wochen nach einer Risikosituation vollkommen zuverlässig ist, vorausgesetzt, seither wurde nur Sex mit Kondom ausgeübt.

Wann ist ein Test sinnvoll?
Zwölf Wochen nach einer Risikosituation ist das Ergebnis zuverlässig. So lange braucht der Körper, um Antikörper gegen das Virus zu bilden. Bei einem negativen Ergebnis besteht keine Infektion.
72 Stunden nach einer Risikosituation kann ein anderer Test durchgeführt werden, die Postexpositionsprophylaxe. Diese Notfallbehandlung kann auch beweisen, ob man vor der Risikosituation HIV-positiv war oder nicht.

Ich bin Single und wechsle oft meine Partner. Sollte ich einen Test machen?
Wenn jemand nicht bei jedem Verkehr ein Kondom verwendet und verschiedene Partner hat, empfiehlt sich ein Test alle drei Monate. Werden immer Kondome verwendet, reicht ein Test pro Jahr.
Wir sind uns seit Jahren treu – warum testen lassen?
Eine HIV-Infektion kann jahrelang ohne Symptome bleiben. Deshalb ist der Test auch in festen Beziehungen wichtig.

Ich weiß nicht, ob mein Partner treu ist. Ist ein Test sinnvoll?
Der Test gibt Auskunft über den eigenen Status, weist aber keine Untreue beim Partner oder der Partnerin nach.

Mein Partner/ Partnerin war untreu. Was jetzt?
Wenn es ungeschützter Sex war, sollten beide einen Test machen und zwar zwölf Wochen nach dem Fremdgehen. Darüber hinaus sind auch Tests für andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphillis, Herpes oder Chlamydien sinnvoll.

Wir sind seit kurzer Zeit zusammen und mögen Kondome nicht. Können wir nach dem Test ungeschützten Verkehr haben?

Ja, sobald die negativen Testergebnisse vorliegen, die erst zwölf Wochen nach einer Risikosituation Sinn machen – und wenn Sie sich treu bleiben.

Ich erinnere mich nicht an alles, was in einer Nacht geschah…
Über einen Test erfahren Sie Ihren Status, allerdings sollte er zwölf Wochen später nochmals gemacht werden.

Das Kondom ist geplatzt und ich weiß nicht, ob mein Sex-Partner/Partnerin positiv ist. Was tun?
Wenn weniger als 72 Stunden vergangen sind, ist eine Notfallbehandlung im CHL sinnvoll. Es wird ein erster HIV-Test gemacht, danach verschreibt der Arzt eventuell einen Monat lang Tabletten, von denen drei zweimal täglich genommen werden müssen. Falls es zu spät ist, sollte ein Test zwölf Wochen nach der Risikosituation erfolgen.

Kann man mehrere Tests pro Jahr machen?
Ja, ohne Probleme! Sinnvoller ist allerdings die Verwendung von Kondomen.

Wo kann ich einen Test machen lassen?
Beim Arzt, der das Rezept für ein Labor oder Krankenhaus verschreibt. Oder in einem anonymen, kostenlosen Testzentrum bei CHL, LNS, CHEM oder CHDN, die eine Nummer zuschicken, mit der man das Ergebnis abholen kann, das mündlich mitgeteilt wird. Auch die HIV-Berodung bietet kostenlose Tests an.

Wie läuft der Test ab?
Etwas Blut wird abgenommen. Dazu muss man nicht „nüchtern“ sein. Beim Schnelltest wird aus der Fingerkuppe Blut entnommen. Der Test ist gratis, die CNS übernimmt die Kosten.

Ich würde lieber einen Test im Internet kaufen…
Diese Tests sind von der EU nicht genehmigt, weil sie nicht zuverlässig sind und die Durchführung nicht so einfach ist. Sinnvoller ist die Aidsberodung.

Wird der HIV-Test nicht sowieso bei einem Bluttest mitgemacht?
Nein, das muss ausdrücklich erwünscht sein.

www.sida.lu