LUXEMBURGPIERRE WELTER, FREIER JOURNLAIST

Generalstaatsanwaltschaft will Bestätigungder erstinstanzlichen Haftstrafen erreichen

Sechs Männer wurden im Juni 2019 wegen bandenmäßigen Diebstahls zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Am Berufungsgericht wurde der Fall am Dienstag und Freitag neu verhandelt. Von sechs mutmaßlichen Einbrechern standen nun fünf vor Gericht und haben gegen ihre Urteile Berufung eingelegt. Der Hauptangeklagte und mutmaßliche Chef der Einbrechertruppe José Antonio R. machte da nicht mit und blieb dem Verfahren fern.

Auch am Freitag stand den fünf mutmaßlichen Einbrechern die Nervosität ins Gesicht geschrieben.

DNA vorgefunden

In den meisten Fällen fand die Kriminalpolizei DNA-Spuren, in 83 Fällen von dem mutmaßlichen Kopf der Bande. Am 1. November 2017 wurde die Gruppe in Luxemburg/Stadt festgenommen, nachdem sie in eine Bäckerei, ein Lokal und ein Reisebüro in Ettelbrück eingestiegen waren, hier hatten sie einen 250 Kilogramm schweren Safe mitgehen lassen.

Gleich zu Beginn der Verhandlung am Dienstag sorgten die Angeklagten für die ersten Lacher im ehrwürdigen Saal des Berufungsgerichts: Auf die Belehrung der Vorsitzenden Richterin, sie müssten dem Gericht schon sagen, warum sie in Berufung gehen, meinten alle, für Taten bestraft worden zu sein, mit denen sie nichts zu tun hätten. „Warum bin ich im Gefängnis? Ich war in der Schweiz, als die Einbrüche stattfanden. Keiner glaubt mir“, beteuerte einer von ihnen. Andere bestritten im Zeugenstand vehement, an gewissen Einbrüchen beteiligt gewesen zu sein. Ein mutmaßlicher Täter meinte sogar : „Je n’ai rien avoir avec les cambriolages.“

Die Verteidiger machten wechselseitige Ansprüche geltend. Ein Anwalt forderte am Dienstag sofort eine Abänderung des Urteils für seinen Mandanten. Zwei Anwälte beantragten sogar Freispruch. Ein anderer Anwalt eine Strafe auf Bewährung. Eine Anwältin beantragte am Freitagmorgen für einige Taten Freispruch. Ihr Mandant habe an verschiedenen Einbrüchen nicht teilgenommen. Die Bildung einer kriminellen Vereinigung verwarfen die Verteidiger allesamt.

Am Freitagmorgen ließ die Staatsanwältin noch einmal alle Taten Revue passieren. Die Gruppe soll für eine Serie von 88 Wohnungseinbrüchen zwischen Juli 2014 und Ende 2017 verantwortlich sein. Im Juni 2019 wurden die fünf Tatverdächtigen, die Berufung eingelegt haben und zwischen 29 und 62 Jahren alt sind, wegen schweren räuberischen Diebstahls allesamt - abhängig von der Zahl und Qualität ihrer Taten – vom Bezirksgericht Luxemburg verurteilt.

Gleich zu Beginn ihres Plädoyers setzte die Anklägerin der Generalstaatsanwaltschaft voraus, dass verschiedenen Angeklagten nicht hundertprozentig nachgewiesen werden konnte, dass sie an gewissen Tatorten waren. Die Staatsanwältin beantragte daher für diese Taten Freisprüche. So verlangte die Staatsanwältin lediglich die Bestätigung der erstinstanzlichen Urteile. An den Orten, wo eingebrochen wurde, waren die Handys der Angeklagten eingeloggt. Die Ermittler konnten in Echtzeit den Standort und die Bewegungen der Einbrecher lokalisieren. Für die Staatsanwältin war damit erwiesen, dass die Angeklagten an den Tatorten waren. Was die Geolokalisierung der Handys angeht, meinte der Verteidiger Me Pim Knaff: „Das ist nicht immer ein Beweis. Ein Handy ist nicht Teil eines Körpers. Das Handy kann bei mir zuhause eingeloggt sei und ich bin hier im Gerichtssaal. Er verlangte die Strafe seines Mandanten herabzusetzen.”

Zwei Kosovo-Albaner sollen jeweils sechs Jahre hinter Gitter, ein weiterer Kosovo-Albaner Naim B. für fünf Jahre. Ein Angeklagter aus Portugal, Antonio José P., soll drei Jahre, davon ein Jahr auf Bewährung, in Haft, ein fünftes Mitglied der Gruppe, Ivo G., für zwölf Monate hinter Gitter. Hier war die Staatsanwältin nicht abgeneigt – „avec prudence”, wie sie sagt -, dass ein Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird.

Das Urteil wird am 4. Februar 2020 gesprochen.