LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Das traditionsreiche „Gare Art Festival“ musste wegen Covid-19 neue Wege gehen

Gehämmert, gemeißelt, gesägt und geschliffen worden wäre in diesen Tagen in normalen Zeiten am und rund um den Zentralbahnhof. Vor allem hätten die zahlreichen Passanten live und in Farbe beobachten können, wie in den Open-Air-Ateliers Kunstwerke entstehen und sich bei den Künstlern gleich erkundigen können, welche Idee dahinter steckt. Doch in diesem Jahr muss wegen Covid-19 darauf verzichtet werden und das „Gare Art Festival“ kann nur im kleinen Rahmen, respektive virtuell stattfinden.
Das ist besonders schade, denn das Skulpturenfestival - eine Institution im „Garer Quartier“ und in der Kunstwelt weit über die Landesgrenzen hinaus - wollte in diesem Jahr für sein 20. Jubiläum Außerordentliches bieten, unter anderem mit einem Skulpturenparcours mit 30 durch die ganze Hauptstadt verteilten Werken und einer großen Retrospektive in der „Chambre des Salariés“.
Die Künstlerin Florence Hoffmann, die das „Gare Art Festival“ von Anfang an gemeinsam mit Hauptstadt, CFL und dem Verein „Groupe Animation Gare“ koordiniert, hofft, diese Pläne, an denen seit 2017 gefeilt wurde, dann bei der kommenden Ausgabe des Festivals umsetzen zu können.
Ausfallen lassen wollten die Organisatoren das Event 2020 trotz allem nicht und so entstand der „Plan B“. So gibt es seit dem 7. August jeden Morgen um 11.00 die Enthüllung eines der Werke der Künstler, die dem kurzfristigen Appell Florence Hoffmanns nachkamen, doch  eine ihrer Kreationen im Bahnhof auszustellen. Heute morgen ist übrigens die letzte Enthüllung. Dann  kann man sieben Werke in der „Verrière“ des Bahnhofs und der Passage zur Hauptempfangshalle bestaunen. Sie stammen von Miriam R. Krüger, Anne Lindner, Lis Prussen, Nadine Zangarini, Florence Hoffmann, Richard Mignot und - als einziger nicht-luxemburgischer Künstler - dem Belgier Jorg van Daele. Die Skulpturen sind bis zum 25. September in der „Gare Centrale“ zu sehen.

Online-Expo ab dem 24. August

Zum „Plan B“ gehört aber auch eine Online-Expo: ab dem 24. August wird jeden Tag eine Monumentalskulptur von 24 Künstlern aus aller Welt auf Facebook und Instagram präsentiert. „Gare Art Festival 2020 - édition CaseMates“ wurde diese Aktion getauft. Eine Referenz an die Kasematten, ein Wahrzeichen der Hauptstadt, wie Florence Hoffmann erklärt, aber das Wort setzt sich auch zusammen aus „Case“ - Haus auf Französich - und „Mates“ - Freunde auf Englisch und schauen, observieren im französischen Slang.
Wer sich übrigens für die zurückliegenden  Ausgaben des  „Gare Art Festival“ interessiert, kann auf dessen Facebook-Seite die entsprechenden Fotoalben aus den Jahren 2001 bis 2019 anschauen. Merke: „a sculpture a day“ hebt die Laune und regt auch noch die grauen Zellen an.