CLAUDE KARGER

„Et gëtt vill Changementer an der Aarbechtswelt an eist Aarbechtsrecht leeft mat Krätschen no“, sagte der OGBL-Präsident am Donnerstagabend in Diekirch im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 1. Mai.

Mit seiner Feststellung hat André Roeltgen recht. Die Arbeitgeber alleine dafür verantwortlich zu machen und die angeblichen „Kapitalisten“ als chronische Ausbeuter und Aushöhler des Arbeitsrechts darzustellen, mag zur großen 1. Mai-Show gehören. Aber natürlich liegt auch dem „Patronat“ an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sonst wäre es in den vergangenen Jahren nicht zu der „fortschrittlichen Modernisierung des Arbeitsrechts“ gekommen, wie der OGBL-Vorsitzende sie sich weiterhin wünscht.

Es gab eine Menge Kompromisse und Konventionen in punkto berufliche Weiterbildung, Kampf gegen Mobbing, Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Telearbeit, „Work-Life Balance“ - mit unter anderem der historischen Reform des „Congé Parental“, welche die DP-Familienministerin im Konsens mit den Sozialpartnern durchführte - Chancengleichheit oder Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Übrigens dürfte in unserer Wirtschaft, deren Rückgrat vor allem kleine und mittlere Betriebe bilden und die von einem zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitern geprägt ist, den meisten Unternehmern daran gelegen sein, ihre Mitarbeiter zu binden und ihren Ansprüchen gerecht zu werden.

Auch die Einschätzung, dass Wettbewerbsverzerrungen wie Sozialdumping oder die „Uberisierung“ der Arbeitswelt, wie sie André Roeltgen befürchtet schaden, ergo dagegen anzukämpfen ist, teilen diese Betriebe.

Bei der nationalen Diskussion über die Organisation der Arbeitszeit - der wichtigste Aspekt eines Beschäftigungsverhältnisses - ist die Eintracht zwischen Sozialpartnern freilich weniger ausgeprägt, wie das vor ein paar Jahren bei der Reform des Nationalen Beschäftigungsplans deutlich wurde.

Diese Debatte, die den Realitäten hinterherläuft, war Teil einer weit komplexeren Diskussion über die Arbeitszeiten in einer digitalisierten und globalisierten Welt, die das klassische Arbeitszeitmodell aus dem Industriezeitalter, das im Arbeitsrecht verankert ist, zusehends in Frage stellt. Andere Modelle drängen sich also auf.

Nicht nur unter dem Druck des internationalen Wettbewerbs, dem auch die oben genannten KMUs immer stärker unterworfen sind, sondern auch weil Lebensweise und Ansprüche der Arbeitnehmer sich ändern. „Les politiques relatives au temps de travail doivent adopter une perspective de parcours de vie qui prend en compte les besoins de flexibilité du travailleur“, die sich im Laufe des Lebens nun mal ändern, heißt es etwa in einer Schlussfolgerung des letzten „Quality of Work Index“ der Arbeitnehmerkammer aus dem vergangenen November. Natürlich müssen die neuen Modelle durch notwendige Anpassungen am Arbeitsrecht flankiert werden. Die zurrt man dann aber lieber so nahe wie möglich am „Terrain“ fest und nicht von ideologischen Rössern aus.