LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Streckenradar auf der N11 geht in Betrieb – Unfallzahlen sinken

Die Schonzeit ist vorbei, vor allem für die besonders cleveren Autofahrer, die kurz vor einer stationären Radarfalle heftig in die Eisen steigen, um mit ihrem Auto knapp in legale Geschwindigkeitsbereiche zu kommen und 300 Meter weiter wieder Vollgas geben. Bis sich das Spielchen am nächsten fest installierten Blitzer wiederholt...

Auf der N11, der sogenannten Echternacher Strecke, einer beliebten Rennbahn mit signifikant hohen Unfallzahlen, ist nun zwischen Gonderingen und Waldhaff Schluss mit diesem Spiel. Ab kommendem Montag ist dort ein Streckenradar in Betrieb, das auf einer Strecke von drei Kilometern die Durchschnittsgeschwindigkeit erfasst, und die darf dort bei einem Pkw oder einem leichten Nutzfahrzeug 90 km/h nicht überschreiten. Für Lkw über 7,5 Tonnen liegt die höchstzulässige Geschwindigkeit bei 75km/h. Dort heißt es dann für ganze drei Minuten den Gasfuß zu zügeln.

Durch den Lockdown war auch die Inbetriebnahme des Streckenradars verzögert worden, wie Bausch erläuterte, aber das habe andererseits weitere Tests ermöglicht.

Gestern stellte Transportminister François Bausch das Projekt in allen Details vor und schilderte dabei auch noch einmal die Gesamtsituation in Sachen Unfallprävention. In den letzten vier Jahren wurden insgesamt 25 feste Radarstationen errichtet. 24 davon sind die bekannten „Blitzer-Säulen“, die das Tempo eines Autos beim Durchfahren ihres Radarkegels registrieren und ein unter Umständen recht teures Foto von Wagen und Fahrer machen. Das Streckenradar an der N11 ist das 25. feste Radar. Genau wie die einfachen Radarsäulen wird auch dieses vorher durch Schilder angekündigt.

Was bei den festen Radarsäulen auffällt ist ihr unterschiedlicher „Erfolg“, obwohl landesweit ausgeglichen verteilt, ragen zwei Messstationen drastisch hervor: Für mehr als ein Drittel (36,15 Prozent) aller Bußgelder wegen überhöhter Geschwindigkeit sorgen die Messstellen in Schieren (Ende der A7) und in Luxemburg-Merl (Ende der A4). Auf Landstraßen geht es etwas ruhiger zu, das Schlusslicht bildet die Radarsäule im Bereich „Roost“, auf die nur 1,41 Prozent der erfassten Geschwindigkeitsverstöße entfallen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 282.703 Bußgeldbescheide ausgestellt. Das Gros von 272.102 fiel mit einem Bußgeld von 49 Euro glimpflich aus, deutlich teurer wurde es für 10.601 Auto- oder Motorradfahrer, die einen Obolus von 145 Euro leisten mussten. Für 2.023 Raser hatte ihr Fehlverhalten strafrechtliche Folgen, sie mussten sich wegen eines (exzessiven) Geschwindigkeitsdeliktes vor Gericht verantworten.

Zu den festen Radarsäulen kommen noch fünf mobile Blitzgeräte der Polizei hinzu, die in einem Transporter eingebaut sind und von einem Polizisten bedient beziehungsweise überwacht werden. Autark arbeiten hingegen die beiden „Baustellenblitzer“, gesicherte Anhänger, die an besonders gefährlichen Autobahnbaustellen eingesetzt werden.

Das nächste Streckenradar zwischen Kautenbach und Wiltz?

Das Streckenradar zwischen Gonderingen und Waldhaff ist das erste seiner Art. Ende des Jahres will das Transportministerium zusammen mit der Polizei eine vorläufige Bilanz ziehen. Obwohl noch keine Entscheidung gefallen ist, wie Bausch betonte, hat das Ministerium schon zwei weitere Kandidaten für die Einrichtung eines Streckenradars im Blick. Zum einen die bei Motorradfahrern beliebte und damit berüchtigte Strecke zwischen Wiltz und Kautenbach, zum anderen der Tunnel Markusberg im Verlauf der A13, dort stellt die direkt auf den Tunnel folgende Anschlussstelle Schengen ein hohes Risiko dar.

Es ist schade, dass die Behörden während der Testphase auf der N11 die aktuell gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit nicht ermittelt haben – dies sei aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich gewesen.

Bausch erteilte auch allen Gerüchten eine Absage, der Staat würde an den 25 Radaranlagen kräftig verdienen. Dem sei keineswegs so, die Anlagen seien alles andere als preisgünstig und ihr Betrieb decke nicht die Kosten. Der Gegenwert der Investitionen rechne sich in geretteten Menschenleben. Er teilte auch mit, dass in Zukunft die luxemburgische Statistik für Unfallopfer an die europäischen Gepflogenheiten angepasst wird, wobei es vor allem um die Definition der „Schwerverletzten“ geht.

Die Unfallstatistik und die sinkenden Verletztenzahlen sprächen für die rigiden Kontrollen. Bauschs Fazit war eindeutig: „Der Trend zeigt deutlich nach unten!“

Lëtzebuerger Journal

Wie funktioniert ein Streckenradar?

Die Begriffe lauten Streckenradar, „Section Control“ oder Abschnittskontrolle. Sie meinen alle dasselbe, anstatt nur an einem Punkt wird die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs an mehreren Punkten einer Strecke von einigen Kilometern per Radaranlage gemessen. An der A11 sind es je zwei Radarsäulen pro Fahrtrichtung. Der Wagen wir bei der Einfahrt in den Abschnitt „geblitzt“ und dann noch einmal bei der Ausfahrt aus dem Abschnitt. Dann errechnet die Anlage anhand der Zeit, die das Fahrzeug bis zum Erreichen der zweiten Radarsäule benötigte, die Durchschnittsgeschwindigkeit des Autos in km/h. Liegt diese über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit (90km/h; 75km/h), flattert dem Fahrer ein Bußgeldbescheid ins Haus. Haben sich Fahrer und Auto an die Geschwindigkeitsvorgabe gehalten, werden die geschossenen Bilder vernichtet.

Für und wider

Nicht nur in Luxemburg, auch in anderen Staaten wird über die Einführung von Streckenradaren debattiert. Zum Beispiel In Italien ist das System schon lange gebräuchlich.
Die Befürworter sehen das Streckenradar als faire Art der Tempomessung, da eine Strafe erst droht, wenn die Höchstgeschwindigkeit längere Zeit überschritten wird. Ein Streckenradar halte die Fahrer dazu an, eine bestimmte Strecke mit Umsicht zu befahren. Dies gilt besonders für Unfallschwerpunkte. Durch den Hinweis auf ein Streckenradar achten Autofahrer nach bisherigen Erfahrungen besonders auf die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkung. Außerdem sind durch die doppelten oder mehrfachen Anlagen Messfehler seltener als bei herkömmlichen „Radarfallen.“
Neben der formaljuristischen Diskussion, dass mit Streckenradaren kurzfristige Überschreitungen des Tempolimits nicht erfasst und geahndet werden, sind es vor allem Datenschutzgründe, die gegen die Streckenradare eingewandt werden. Da zunächst alle Autofahrer – auch die korrekten - erfasst werden. Somit ein „Generalverdacht“ besteht und die Daten erst nach Feststellung der „Unschuld“ gelöscht werden. PW

Ein Film zur Funktionsweise eines Streckenradars findet sich bei Youtube. Im Unterschied zur Anlage an der N11 erfolgt die Erfassung der Fahrzeuge dort über eine Schilderbrücke, was aber keinen prinzipiellen Unterschied zu den luxemburgischen Radarsäulen macht: tinyurl.com/Streckenradar

Rot heißt Rot

Ab Dezember wird an Ampeln geblitzt

Es geht in Luxemburg keineswegs zu wie in einigen Städten Südeuropas, wo eine rote Ampel bestenfalls als Art eine Empfehlung zum Halten gilt. Im Allgemeinen heißt in Luxemburg Rot auch Rot, aber manchem Verkehrsteilnehmer zuckt der Gasfuß doch nach unten, wenn die Ampel schon auf dunkelgelb steht. Diesem Phänomen will das Transportministerium einen Riegel vorschieben. Insbesondere weil demnächst ein schwergewichtiger Verkehrsteilnehmer in der Innenstadt hinzukommt – die Trambahn. Mal eben vor einem Straßenbahnzug von 30 Tonnen Gewicht über die rote Ampel huschen, kann fatale Folgen habe. Folgerichtig wird an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen der Stadt, dem Sternenplatz, im Dezember der erste „Ampelblitzer“ installiert. Die Planer haben sich für ein französisches Modell entschieden, das schon in der Schweiz und in Belgien im Einsatz ist. Dabei werden die Ampelsünder von hinten fotografiert, was zwei Vorteile hat: Zum einen ist auf den Beweisfotos neben dem Fahrzeug auch die rote Ampel zu sehen, zum anderen werden so auch Motorradfahrer „geblitzt“. Ob es gestaffelte Bußgelder für Rotlichtsünder – je nach Zeit - gibt, steht noch nicht fest. Im Laufe des Jahres 2021 kommen weitere Ampelblitzer am „Place de Hollerich“ und an der unfallträchtigen Kreuzung „Schlammestee“ an der N3 hinzu. PW