LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ein Luxemburger Team startet bei der Fernfahrt Berlin-Peking mit einem klassischen Mercedes-Roadster - Einen Euro pro Kilometer für „Télévie“

Die neue Seidenstraße, die „New Silk Road“ gilt als neuer Landweg nach China. Für einige ist es auch das Einfallstor der chinesischen Wirtschaft nach Europa. Während die „alte“ Seidenstraße für Abenteuer und Exotik, Dschingis Khan und Marco Polo steht, verbinden sich mit der „New Silk Road“ Bilder von kilometerlangen Güterzügen, vollgepackt mit 20- oder 40-Fuss-Containern.

Man kann die Sache aber auch ganz anders angehen - völlig anders. Beispielsweise in einem bequemen Cabriolet - ohne Allradantrieb - mit dem man in sechs Wochen von Luxemburg, beziehungsweise Berlin, nach Peking reist. Der Normal-Luxemburger fürchte sich schon, wenn er mit einem fünf oder sechsjährigen Auto eine Ferientour unternimmt - weiß man denn, ob das alte Auto hält?

Diese Sorge machen sich Frank und Louis Piaia und Mario Armano nicht, denn ihr Auto hat schon lange unter Beweis gestellt, dass es ein Langstreckenläufer ist. Die drei gehen am 24. August mit einem Mercedes 300 SL Roadster (Baureihe R 107) aus dem Jahr 1985 an den Start der Fernfahrt Berlin - Peking. Motto: „New Silk Road“. Es handelt sich dabei nicht um eine Rallye im eigentlichen Sinne, nicht einmal um eine Wettfahrt, sondern um das, was man in der Oldtimer-Szene eine „touristische Ausfahrt“ nennt. Sie ist nur etwas länger als üblich. Es geht darum mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein und möglichst gemeinsam im fernen Peking anzukommen.

Ganz elegant unterwegs

Der Mercedes 300 SL sieht auch nicht aus wie ein Rallye-Auto, abgesehen von den schicken Aufklebern die zeigen wo die Reise hingeht und wer da unterwegs ist. Kein Kuhfänger, kein Überrollkäfig, nicht einmal Drahtgitter vor den Scheinwerfern. Selbst das Hardtop bleibt zuhause, das Stoffverdeck muss reichen und soll so oft wie möglich geöffnet sein. Der in der Mercedes-Kultfarbe Dunkelblau 904 lackierte Zweisitzer wirkt völlig zivil, was er im Grunde auch ist. Allerdings wurde der Wagen, der in 34 Jahren etwas weniger als 200.000 Kilometer zurückgelegt hat, vom luxemburgischen Mercedes-Vertreter MERBAG gut vorbereitet. Der Wagen, der seit vielen Jahren in Familienbesitz ist, wurde einer gründlichen Revision unterzogen, um dem Ruf eines klassischen Mercedes - den nichts umbringen kann - gerecht zu werden.

Beifahrerwechsel in Taschkent

Nur wie passen drei Leute in einen zweisitzigen Roadster mit Notsitzen? Mit Mühe, könnte man jetzt kalauern. Es ist eine Frage der Organisation. Frank und Louis Piaia starten in Berlin. In Mittelasien, in Taschkent, wird Louis dann aussteigen und zurückfliegen, um seinen schulischen Verpflichtungen nachzukommen. Ersetzt wird er durch Mario Armano, der bis zum Ziel in Peking als neuer Co-Pilot fungieren wird.

15.000 Kilometer bis Peking

Von Berlin aus, machen sich dann am 24. August acht Autos und ein Begleitfahrzeug auf den langen Weg nach Peking, wo man am 14. Oktober nach einer Strecke von 15.000 Kilometern ankommen will. Der 300 SL ist das zweitjüngste Auto, zur Reisegruppe gehören vier verschiedene Mercedes, drei Limousinen und der Luxemburger Roadster, zwei Volvo - ein Amazon und ein Coupé P 1800 -, eine Citroën DS und ein Alvis - Vertreter einer lange untergegangenen englischen Automarke und gleichzeitig das älteste Fahrzeug. Die Teilnehmer der Tour nach Peking kommen aus Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Unterwegs wird an festgelegten Punkten Halt gemacht und übernachtet. An kulturhistorisch interessanten Orten wie Samarkand oder Taschkent wird auch schon mal ein touristischer Ruhetag eingelegt.

Abenteuer Bürokratie

Die Tour ist auch in Zeiten von Internet, iPhone und Satellitennavigation ein Abenteuer. Die Tagesetappen variieren zwischen 240 und 700 Kilometern, abhängig von Straßenzustand und jeweiliger Landesbürokratie. Für den 300 SL führt die Reise durch neun Staaten: Luxemburg, Deutschland, Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan, Usbekistan Kirgisistan und letztendlich China. Mit dem Weg nach Osten wird die automobile Freiheit immer weiter eingeschränkt, spätestens in Mittelasien. In China wiehert dann der Amtsschimmel besonders laut. Die Autos werden bei der Einreise nach China von der dortigen Variante der SNCT untersucht, erhalten ein chinesisches Kennzeichen, die Fahrer einen chinesischen Führerschein und als administrativer Höhepunkt werden die Mobiltelefone der Reisenden eingezogen und erst nach einer Durchsicht durch die chinesischen Behörden zurückgegeben!

Aus Liebe zum Auto

Warum macht man so eine Tour, die sicherlich interessant aber auch nicht billig ist? „Unsere Liebe zum Automobil, unsere Abenteuerlust und unsere Neugier (…) haben uns zur Teilnahme bewogen“, erklärt Frank Piaia.

Der „Télévie“ fährt mit

Ein ganz besonderes Schmankerl haben die Luxemburger „Peking-Fahrer“ in ihre Pläne mit aufgenommen. Sie wollen für jeden gefahrenen Kilometer einen Euro an die Spendenaktion „Télévie“ zahlen. Bei 15.000 Kilometern Strecke kommt da einiges zusammen.

Wer will, kann die Tour ab dem 24. August über einen Blog verfolgen tinyurl.com/Berlin-Peking